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Der 50/50 Killer von Steve Mosby

Rezension von Christel Scheja

 

Zwar erscheinen schon seit mehreren Jahrzehnten auch Romane über Serienkiller, wirklich beliebt sind sie aber erst in den letzten zehn Jahren geworden. Vor allem das Fernsehen hat durch Serien wie „Profiler“ einiges dazu bei getragen.

Mehr noch als einfache Mörder werden sie von kaltem Kalkül und einem gewissen Wahnsinn vorangetrieben und liefern sich wahre Schlachten mit den Ermittlern. Das macht sie zu ebenbürtigen Gegnern, die man erst zu einem Fehler verleiten muss, damit sie gefasst werden können.

Das übt auf heutige Autoren einen besonderen Reiz aus, sind sie doch um so mehr gefordert in die abgründige Psyche des Täters einzutauchen. Das genießt Steve Mosby in „Der 50/50 Killer“ ausgiebig.

 

John Mercer gehört zu den legendären Ermittlern, die schon viele Mörder zur Strecke oder überführt haben - auch jene, die lange Zeit entkommen waren. Doch seit dem Verlust eines befreundeten Kollegen aus seinem Team scheint es damit vorbei zu sein. Der Mann besitzt nicht mehr die Schärfe und Brillianz von früher. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst und scheint den Vorfall nicht überwinden zu können. Sein Team aber steht weiter zu ihm und versucht ihn mit allen Mitteln zu unterstützen.

Der junge Detektive Mark Nelson, der der Abteilung neu zugeordnet wird, kann diese Entwicklung als Aussenstehender beobachten. Doch schon an seinem ersten Tag bekommt er eine Menge zu tun.

Sie werden an einen Tatort gerufen, an den sie ein grausiger Fund erwartet. Ein Mann liegt tot in der Badewanne. Doch bevor er starb ist er grausam gefoltert worden. Und es gibt Hinweise, dass auch die Freundin des Opfers in Lebensgefahr ist. Tatsächlich wird diese kurze Zeit später ähnlich verunstaltet und leblos aufgefunden.

John Mercer hält dies für die Handschrift des 50/50-Killers, eines Serienmörders, der es vor allem auf junge und glücklich zusammenlebende Paare abgesehen hat. Bevor er sie umbringt versucht er nachhaltig die Liebe zwischen ihnen zu zerstören, indem er den einen Partner so lange foltert, bis dieser entweder stirbt oder bereit ist, das Leben des anderen in die Waagschale zu werfen.

Und tatsächlich scheint sich diese Vermutung zu bewahrheiten, denn zum Abend hin wird ein schwer verletzter und völlig verwirrter junger Mann im Wald gefunden, der seinem Folterer entkommen zu sein scheint. Und das ist auch noch nicht alles, denn auch dessen Freundin ist verschwunden...

Wie die anderen stürzt sich Mark Nelson fieberhaft in die Ermittlungen. Doch dabei fällt ihm auf, das noch wesentlich mehr hinter allem zu stecken scheint als alle denken...

 

Die Handlung des Romans umfasst - wenn man einmal von Prolog und Epilog absieht - gerade einmal 24 Stunden. In diesem engen Zeitrahmen, schildert Steve Mosby die Anatomie eines Verbrechens und scheut sich auch nicht, ab und zu einmal in den Kopf des Mörders selbst zu blicken. Wer dahinter steckt wird aber erst zum Ende des Buches verraten.

Bis dahin baut sich die Spannung kontinuierlich auf. Der Autor erzählt den Roman nicht nur aus der Sicht eines Helden, sondern springt von einer Figur zur anderen. So macht er die Ängste und Verzweiflung der Opfer genau so deutlich sichtbar wie die fieberhaften Bemühungen der Ermittler, den Täter und sein Versteck bis zum Morgengrauen zu finden.

Die akribisch ausgewählten Zeitangaben tun ein übriges, um die Spannung immer mehr zu erhöhen. Wird die Polizei es rechtzeitig schaffen, den Täter zu finden? Und bleiben die Opfer wirklich untätig?

Besonders gelungen ist die Charakterisierung der Figuren, ihre Gefühle und ihre Motivation sind wohlüberlegt und gelungen dargestellt. Man zittert mit den Opfern, fühlt sich ganz anders, wenn der Mörder mit kaltem Kalkül seine nächsten Schritte plant und spürt die Unsicherheit der Ermittler, die immer noch keinen Punkt gefunden haben, wo sie ansetzen können.

Vor allem aus der Sicht von Mark Nelson kommt sehr gut zum Tragen, wie John Mercer langsam demontiert wird. Um ihn verblasst die Aureole des heroischen Vorbildes, und der gebrochene und von Ängsten getriebene Mann kommt langsam zum Vorschein. Man fühlt mit den Figuren und merkt so nicht, wie die Zeit - und die Seiten - vergehen.

 

Das zeichnet „Der 50/50 Killer“ gegenüber vergleichbaren Thrillern aus: Durch die Unmittelbarkeit des Geschehens, die geschickt aufgebauten falschen Fährten und die Nähe zu allen Figuren kommt an in den Genuss einer von Anfang bis Ende spannenden Geschichte, die man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

 

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Der 50/50 Killer

Autor: Steve Mosby

Gebunden, 492 Seiten

Droemer, erschienen August 2007

ISBN 978-3-426-19767-7

Übersetzung aus dem Englischen von Doris Styron

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Stand:  2015-08-06 21:03