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Kolumne: SF-Definition - verzweifelt gesucht!

Autor: Holger M. Pohl

 

Immer wieder einmal stoße ich in Foren auf die Frage: „Wie definieren wir Science Fiction?“ An dieser Frage haben sich schon andere (und schlauere!) Köpfe heiß geredet und sich denselben zerbrochen. Oder sie sind daran verzweifelt.

Wissenschaftliche Werke wurden über diese Frage verfasst. Manche davon durchaus lesbar, andere wiederum das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden.

 

Etwas, was lebendig sein soll, muss hinterfragt werden. Nur dann kann es wachsen, sich verändern, sich anpassen. Doch kann man etwas so etwas definieren; eindeutig definieren meine ich? Ich bezweifle, dass es eine exakte, eindeutige und endgültige Definition der SF gab, gibt oder jemals geben wird. Denn entweder wäre sie so eng gefasst, dass vieles durch das Raster fallen würde, was wirklich SF ist. Oder so weitläufig, dass vieles SF ist, was an und für sich doch gar keine ist … nach der Meinung mancher.

 

Definitionen sind durchaus etwas Sinnvolles. In die Mathematik zum Beispiel: Per Definition wurde die Division durch Null verboten, so lernte man es in aller Regel in der Schule. Würde einfach zu völlig absurden Ergebnissen führen, mit denen kein Mensch rechnen könnte. Wobei ... es gibt durchaus auch die Ansicht, dass eine Division durch Null etwas für sich haben kann ... manchmal. Also ist die Definition falsch, oder? Oder eine andere Art von Definition? Wenn es aber schon in der an und für sich exakten Wissenschaft Mathematik schwer ist, eine wirklich endgültige Definition für etwas zu finden, die allen Ansprüchen genügt, wie dann in der weniger exakten Wissenschaft Literatur?

 

Etwas wie die SF – ob in Literatur, Film, Kunst usw. – ist nicht endgültig zu definieren. Eine Definition von Gestern hat Heute keine Gültigkeit mehr. Und die von Heute ist Morgen Schnee von Gestern. Vieles von dem, was einmal SF war, ist von der Wirklichkeit längst überholt. Man denke nur an den berühmten Franzosen. Sind etliche seiner Werke keine SF mehr, weil sie von den technischen Möglichkeiten längst überflügelt wurden? Oder ist etwas, was den Naturgesetzen völlig widerspricht, etwas, wofür wir heute noch keinen wissenschaftlichen Lösungsansatz haben, ihn nicht einmal erahnen können, dann überhaupt Science Fiction?

 

All zu schnell und all zu leicht basteln wir Menschen uns Denkschubladen, aus denen es dann kein Entkommen mehr gibt. Wir lieben dieses Schubladendenken … und manche brauchen es sogar. Manchmal leistet es auch tatsächlich nützliche Dienste … manchmal. Verzichte ich aber auf Schubladen, sprich Definitionen, dann kann ich allenfalls Rahmenbedingungen festlegen, innerhalb derer eine Sache abläuft. So wie bei der SF. Ich bezweifle, dass sie jemals exakt zu definieren sein wird. Und die Rahmenbedingungen sind sehr variabel. Oder anders gesagt: was für mich SF ist, das muss es für Dich noch lange nicht sein.

 

Die stellenweise verzweifelte und leidenschaftliche Diskussion darüber, wie nun SF definiert wird, erinnert mich daher oft an die Diskussion: "Was war vorher da: die Henne oder das Ei?"

Man könnte es ja so machen: Befragt 10.000 SF-Leser, wie sie SF definieren; wertet die Umfrage aus; die Definition, die am meisten vorkommt, wird zur allgemeingültigen Definition erklärt.

Aber halt! Leser haben eine andere Meinung als Fachleute (oder solche die sich dafür halten) und Verlage. Außerdem wird kein Autor sich von einem Leser vorschreiben lassen, was er denn nun geschrieben hat. "Ich schreibe doch keine SF und lasse mich mit der in einen Topf werfen!" kommt da entrüstet. Nun ja, so eine Entrüstung zeugt von wenig Selbstbewusstsein … und wenig Überzeugung vom eigenen Werk.

Dann eine Verlagsumfrage? Geht auch nicht. Die legen – wegen des Verkaufs – die Dinge fest, wie sie wollen: "SF ist das, wo wir draufschreiben, dass es SF ist!" Schubladen eben – Basta!

 

Was also tun? Verzweifelt weitersuchen nach einer SF-Definition! Na dann macht mal. Ich lese und schreibe solange Science Fiction. Wie viele andere auch …

 

... wobei es nicht um die Frage geht, ob die SF stolz darauf sein sollte, dass sie so schwer zu definieren ist. Es geht darum sich zu fragen: Muss ich sie überhaupt definieren? Vielleicht sollte man sich einfach mit Rahmenbedingungen begnügen ... und die möglichst weit fassen.

 


Eure Meinung:

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Stand:  2015-02-17 22:07