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Drachenkaiser von Markus Heitz

Rezension von Christel Scheja

 

„Drachenkaiser“ ist die direkte Fortsetzung von „Mächte des Feuers“, das bereits im Jahr 2007 erschien und der erste Versuch des Autors war, sich in der Steampunk-Fantasy zu bewegen. Schon damals siedelte er die Abenteuer seiner Helden in einem alternativen Europa an, das ganz anders aussieht als man es kennt.

Denn eine Sache hat die Menschen daran gehindert, sich gegenseitig zu zerfleischen und alte Ordnungen umzustürzen oder gar verlustreiche Kriege zu führen: Drachen haben das Land für sich in Territorien aufgeteilt und betrachten alles darin als ihren Besitz. Auch wenn sie sich nur wenig darum scheren, was die normalen Menschen treiben, so rivalisieren sie doch munter untereinander und versuchen ihre Gebiete zu vergrößern.

 

Die Drachentöterin Silena, direkte Nachfahrin eines der Drachenheiligen, die als einzige eine Chance haben, die geschuppten Ungeheuer zu besiegen und der russische Fürst Grigorij Wadim Basilius Zadornow haben es geschafft, die erste entscheidende Schlacht gegen die Drachen Europas zu schlagen und damit deren Intrigen ein für allemal ein Ende zu bereiten. Aber sie wissen, dass der Krieg noch nicht vorbei ist, denn auch wenn ihre Gegner entweder tot sind, oder sich zurückgezogen haben und sich irgendwo die Wunden lecken, werden sie – oder andere – zurück kehren.

Das Jahr 1926 dämmert so in angespannter Erwartung herauf. Eine kleine Wirtschaftskrise sorgt dafür, dass es in der menschlichen Bevölkerung brodelt, vor allem im mächtigen Väterchen Russland, was Grigorij mit Sorge beobachtet, hat er als Sohn von Rasputin und der Zarin doch mehr Verbindung zum Herrscherhaus als allen lieb ist.

Und auch Silena fühlt sich mit der Ausbildung einer neuen Kampfstaffel gegen die Drachen nicht ganz so ausgelastet und fragt sich, ob die Trennung vom Officium eigentlich rechtens war. In den Augen ihrer früheren Auftraggeber könnte sie weiter als tot gelten, wenn sie wollte – aber ihr Gewissen lässt ihr keine Ruhe.

So trennt sie sich vorübergehend von ihrem Gemahl und versucht heraus zu finden, wie man in Deutschland zu ihr steht, nur um ernüchtert festzustellen, dass die Organisation, die einst ihr Leben war von innen her am Verfaulen ist und längst eine neue Gefahr droht.

Denn jetzt, wo die europäischen Drachen geschwächt sind, hofft eine Macht aus dem fernen Osten zuschlagen zu können. Und sie geht weit heimtückischer und skrupelloser vor, als Silena und Grigorij gewohnt sind.

Schon bald stehen Europa und Russland buchstäblich in Flammen und die Helden wissen gar nicht wo sie zuerst eingreifen sollen, um den Machenschaften des chinesischen Drachen Nie-Lung Einhalt zu gebieten. Dazu müssen sie in das Reich der Mitte selbst reisen.

 

Man muss Markus Heitz eines lassen. Er kann spannende Romane schreiben, die einen kaum Zeit lassen, Atem zu holen, so viel passiert in ihnen. Auch in „Drachenkaiser“ setzt er in erster Linie auf dramatische Geschehnisse und lässt es an mehreren Schauplätzen gleichzeitig brennen. Dementsprechend viele Figuren treten auf und haben ihren Anteil an der Handlung, so dass man schon genau darauf achten muss, wer mit wem agiert und was voran treibt. Allerdings ist es sehr leicht bei den vielen Sprüngen den Faden zu verlieren,, man muss hin und wieder zurück blättern, um sich eine passende Übersicht zu verschaffen.

In erster Linie trägt die Action die Geschichte weniger die Charaktere, die wie der Hintergrund sehr schwammig und oberflächlich bleiben. Leider genügt es nicht mit ein paar Schlagworten das Flair der zwanziger Jahre einzufangen, manche Beschreibungen wirken sogar unangenehm aufgesetzt. Gerade einmal die Figuren, die man bereits aus dem letzten Band kennt bleiben einem länger im Gedächtnis haften. Alle anderen verblassen sehr schnell, sobald sie in die Bedeutungslosigkeit herab sinken.

Wer sich nicht daran stört, dass die Figuren schablonenhaft und zweidimensional wie in einem Pulp-Roman bleiben, die Dialoge oft flapsig wirken und trotz der Beschreibungen kein wirkliches Flair dieser schillernden Zeit in der eigenen Phantasie entstehen mag, sondern damit zufrieden ist, dass sich dramatische Geschehnisse mit Kämpfen, Intrigen und Verrat abwechseln und die Action an erster Stelle steht, wird sich jedenfalls gut unterhalten lassen können, denn langweilig wird die Geschichte auf keiner Seite. Nur sich wirklich in die Erinnerung einbrennen, das kann sie leider nicht.

 

„Drachenkaiser“ ist wie sein Vorgänger „Die Mächte des Feuers“ pure Unterhaltung für alle actionverwöhnten Fans, die sich einfach nur entspannen wollen. Wer allerdings etwas anspruchsvollere Lektüre sucht, die am Ende auch im Gedächtnis haften bleibt, sollte besser zu einem anderen Buch greifen.

Eure Meinung:


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Drachenkaiser

Autor: Markus Heitz

Gebunden, 542 Seiten

Piper, erschienen September 2009

Titelbild von Klaus Scherwinski

ISBN-10: 3492701531

ISBN-13: 978-3492701532

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Stand:  2015-06-24 21:00