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Interview mit Ursula Poznanski

geführt von Christoph Weidler

 

Erebos ist ein Thriller mit fantastischen Elementen. Der Roman erzählt von dem Schüler Nick, der eine Kopie des Computerspiels "Erebos" bekommt, dass ihn schnell fesselt und komplett beansprucht. Doch wie gefährlich es tatsächlich ist, merkt er erst, als er Aufgaben in der realen Welt erfüllen muss und immer mehr das Gefühl bekommt, das Spiel Erebos würde sogar seine geheimsten Gedanken kennen. Als es dann für ihn und seine Mitschüler wirklich gefährlich wird ist klar: Erebos verfolgt ein finsteres Ziel ...

 

Wir baten Ursula Poznanski, uns einige Fragen zu ihrer Arbeit als Autorin, zur Geschichte ihres Romans und zur Bedeutung von Computerspielen für sie zu beantworten.

 

Fantasyguide: Hallo Ursula, ich danke dir ganz herzlich dafür, dass du dir Zeit für ein Interview zu deinem aktuellen Roman "Erebos" nimmst. Bitte erzähle uns doch zuerst ein wenig etwas über deine Person. Wie bist zu zum Beispiel zum Schreiben gekommen?

 

Ursula Poznanski: Ich bin eine von denen, die schon im Alter von sieben Jahren protzig behauptet haben: „Ich werde mal ein Buch schreiben“. Es hat danach noch über zwanzig Jahre gedauert, bis ich wirklich eines geschrieben habe, doch das Schreiben hat mich immer begleitet. Ich hatte eine Kurzgeschichtenphase, eine pubertär-lyrische Phase, eine trotzige Protesttextphase. Daran, es mit Büchern und Verlagen zu versuchen, begann ich aber erst mit knapp dreißig ernsthaft zu denken.

 

Fantasyguide: Man taucht sehr lange Zeit mit dem Protagonisten Nick in die Computerwelt von Erebos ein. Hier hat man das Gefühl, dass man sich tatsächlich in einem sehr real wirkenden Spiel befindet. Konntest du das alles so gut beschreiben, weil du selbst eine Gamerin bist? Spielst du zum Beispiel World of Warcraft?

 

Ursula Poznanski: Das werde ich in letzter Zeit häufig gefragt :-) Nein, tue ich nicht. Unter anderem deshalb, weil ich fürchte, es könnte mir zu viel Spaß machen. Auf der anderen Seite weiß ich, dass all die Energie, die man in ein solches Spiel legt, eigentlich wirkungslos verpufft. Ich habe vor langer Zeit Diablo gespielt und habe das extrem spannend gefunden – es war aber nicht online, und man konnte relativ bequem ein- und aussteigen, ohne etwas zu verpassen. Trotzdem: Die Erfolgserlebnisse, die man in einem solchen Spiel hat, verpuffen sofort, sobald der Computer ausgeschaltet ist. Mir tat es danach immer um die verlorene Zeit leid. Für mich persönlich ist es viel spannender, meine spielerische Energie in das Schreiben von Büchern zu stecken und meine fremden Welten selbst zu erfinden.

 

Fantasyguide: Würdest du selbst "Erebos" gerne mal spielen? Wie würde dein Charakter aussehen? Welche Rasse hätte er, welche Berufung und welche Waffen?

 

Ursula Poznanski: Ausprobieren würde ich es wahrscheinlich, schon aus reiner Neugier. Vermutlich würde ich, ebenso wie Nick, einen Dunkelelfen wählen, oder möglicherweise einen Zwerg. Ganz sicher keinen Haudrauf-Barbaren. Berufung? Jäger oder Barde, vielleicht auch Dieb, das käme ganz auf meine aktuelle Stimmung an. Bei der Wahl der Waffen würde ich mir Pfeil und Bogen aussuchen, ich hab's nicht so mit dem Nahkampf.

 

Fantasyguide: Glaubst du, dass ein Computerspiel die Menschen tatsächlich dazu bringen könnte einen Menschen umzubringen oder ist das reine Fiktion?

 

Ursula Poznanski: Nachdem Menschen imstande sind, andere Menschen aus unfassbar banalen Gründen umzubringen, halte ich es zumindest nicht für unmöglich. Ich glaube auch, dass die Technisierung des Alltags das eigenständige Denken nicht zwangsläufig fördert - es gibt immerhin Leute, die mitten im Autobahntunnel wenden, weil ihr Navi es sagt. Was ich nicht glaube ist, dass Computerspiele a priori hohes Gefahrenpotenzial in sich bergen, und natürlich gehört vieles, was in meinem Roman passiert, ins Reich der puren Fiktion. Das, was auf menschlicher Ebene passiert, allerdings nicht.

 

Fantasyguide: Für die Recherche zum Roman hast du dich unter anderem auf Onlineportalen umgesehen, bei denen es um Spielesucht geht. Kann man die Geschichte auch als Warnung verstehen, selbst wenn das, was sie beschreibt, mit einer realen Sucht nicht immer deckungsgleich ist?

 

Ursula Poznanski: Die Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Ich habe das Buch nicht als Warnung geschrieben, schon gar nicht als Warnung vor Computerspielen. Ich fürchte, man kann niemanden vor Sucht warnen, die passiert oder passiert nicht. Vieles, was ich in den Spielsucht-Foren gelesen habe, ist erschreckend; Menschen legen ihr ganzes Leben auf Eis, brechen alle realen Kontakte ab und verschwinden tatsächlich in der virtuellen Welt. Ich bin nicht Expertin genug, um das kompetent zu interpretieren, aber ich fürchte, dass ich jemanden, dem sein wirkliches Leben so wenig bedeutet, gar nicht warnen könnte. Wenn in dem Buch ein Plädoyer drinsteckt, dann ist es eines für selbstständiges Denken und Hinterfragen.

 

Fantasyguide: Glaubst du, es wird tatsächlich irgendwann Computerspiele geben, die sich so real anfühlen wie Erebos und die mit ihrem Spieler direkt kommunizieren können? Würdest du dir so ein Spiel spannend vorstellen oder dich eher davor gruseln?

 

Ursula Poznanski: Ganz sicher beides! Es wäre verführerisch spannend und gruselig zugleich. Ob es etwas in der Art tatsächlich einmal geben wird, das kann ich nicht abschätzen. Wenn man sich aber die rasanten technischen Entwicklungen in den letzten Jahren ansieht … wer weiß? Angeblich rechnet man damit, dass es in ein paar Jahren Verkaufsavatare für Online-Kundengespräche geben wird … wenn das möglich ist, dann ist eine Spielidee wie die von „Erebos“ nicht mehr so fern.

 

Fantasyguide: Der Roman enthält zahlreiche Anspielungen auf die griechische Mythologie. Was fasziniert dich daran?

 

Ursula Poznanski: Die griechische Mythologie und Dichtung ist so etwas wie der Ursprung unserer Erzähltradition. Das Drei-Akt-Modell, an das sich die meisten Romanautoren bewusst oder unbewusst heute noch halten, beruht auf der Poetik des Aristoteles. Faszinierend finde ich aber auch die damalige Glaubenswelt, voll von kriegerischen, rachsüchtigen Göttern. Sie treten kaum selbst in Erscheinung, und wenn, dann verkleidet. Aber sie instrumentalisieren die Sterblichen für ihre Zwecke. Das fand ich sehr passend für meine Geschichte.

 

Fantasyguide: Stell' dir bitte mal vor, Nick wäre eine Farbe. Welche Farbe wäre er und warum?

 

Ursula Poznanski: Schwarz, denke ich. Nicht, weil er so ein düsterer Charakter ist, aber sein langes, dunkles Haar ist eine Art Markenzeichen für ihn. Und er hat etwas wie ein Symboltier, den Raben, der ebenfalls schwarz ist.

 

Fantasyguide: Stell' dir vor, du müsstest mit nur einer Figur aus deinem Roman eine neue Geschichte schreiben. Wen würdest du wählen und warum?

 

Ursula Poznanski: Ziemlich sicher Victor. Ihn zu schreiben hat so viel Spaß gemacht, dass ich ihm sofort einen eigenen Roman überstülpen würde, wenn es dazu eine passende Geschichte gäbe. Einen Plot rund um geheimnisvolle Teetassen vielleicht :-)

 

Fantasyguide: Welche Romane liest du selbst gerne? Gibt es Vorbilder für dich?

 

Ursula Poznanski: Ich lese kreuz und quer durch alle Genres und finde überall tolle Bücher. Ich finde, dass sich im Moment gerade im Jugendbuch viel Spannendes tut, dass dort die interessantesten Ideen zu Hause sind und die Autoren sich am meisten trauen. Vorbilder gibt es sicherlich einige: Zum Beispiel finde ich die Art, wie J.K. Rowling die Potter-Serie durchkomponiert hat, absolut bewundernswert; ihr ist es wahrscheinlich auch zu verdanken, dass man heute komplexe Geschichten für Menschen ab zwölf schreiben darf, ohne dass die Befürchtung besteht, man würde die jüngeren Leser überfordern. Grandios finde ich derzeit auch Patrick Rothfuss.

 

Fantasyguide: Erebos war, nach vielen Geschichten für Kinder, dein erster Jugendroman. Können wir in Zukunft auf weitere Romane in dieser Richtung hoffen? Hast du vielleicht schon Pläne?

 

Ursula Poznanski: Ja, der nächste Jugendroman ist bereits in Arbeit. Er wird ganz anders als „Erebos“: weit und breit kein Computer in Sicht. Parallelen gibt es trotzdem, denn wieder wird viel gespielt werden .

 

Fantasyguide: Vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg weiterhin bei deiner Arbeit!

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Erstellt: 07.04.2010, zuletzt aktualisiert: 02.06.2016 07:45