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Die Werwölfe von Christoph Hardebusch

Hörbuch

 

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Eine ´Grande Tour` führt den jungen italienischen Edelmann Niccolo Viviani im Jahre 1816 zum Genfer See, wo er Bekanntschaft mit den berühmten Schriftstellern Lord Byron, Percy Shelley und John Polidori schließt. Als die Künstler den Italiener in ihren Kreis aufnehmen, enthüllt Byron ihm ein uraltes und gut gehütetes Mysterium: Das Geheimnis um die Wesen, die in Mythen und Legenden Werwölfe genannt werden. Niccolo erhält das Angebot selbst ein solcher Wolfsmensch zu werden. Doch die Inquisition hat längst heraus gefunden, welche - aus ihrer Sicht widergöttlichen - Kreaturen sich am Genfer See aufhalten. Dabei handelt es sich nicht nur um Werwölfe.

 

"Die Elfen", "Die Zwerge", "Die Orks", "Die Goblins", "Die Drachen" und so weiter. Es findet sich schwerlich eine in Fantasywelten beheimatete Rasse, die noch nicht zum Thema eines fantastischen Romans geworden ist. Der deutsche Autor Christoph Hardebusch hat zu diesem Trend seine erfolgreichen Werke um "Die Trolle" beigesteuert. Für den ersten Teil dieser Saga erhielt er 2007 den deutschen Phantastik-Preis. Nun wendet er sich mit "Die Werwölfe" einer weiteren Spezies zu, wobei er allerdings diesmal sein Werk im Europa des 19. Jahrhunderts und nicht in einer fiktiven Fantasywelt spielen lässt.

 

Schon Federico Andahazi hat mit seinem Roman "Lord Byrons Schatten" den Aufenthalt von Byron, Shelley and Polidori am Genfer See als Ausgangspunkt für eine fantastische Handlung benutzt. Die Einbettung der Story in die reale Geschichte, verleiht auch "Die Werwölfe" eine innerfiktionale Glaubwürdigkeit, wobei hier als handelnde Personen nicht nur das Dichtertrio, sondern etwa auch der berühmte Ali Pascha oder die Gebrüder Humboldt Verwendung findet. Gerade Byron und Ali Pascha scheinen - wenn man den Quellen glauben darf - gut getroffen. Dem realistischen Antlitz tut es allerdings nicht so gut, dass Hardebusch eine Kampftruppe der Inquisition mit Gianna von einer Frau führen lässt. Außerdem kommt diese interessante Figur in seinem Roman eindeutig zu kurz. Genau wie die ebenfalls am Genfer See anwesende Mary Shelley, immerhin Autorin von "Frankenstein", der nicht einmal die Rolle einer agierenden Nebenfigur zu teil wird.

 

Gerade der erste Teil von Christoph Hardebuschs Roman besticht durch eine dichte Intensität, sowie temporeiche und auch sprachlich gut choreografierte Kampfszenen. Diese erreichen am Ende des ersten Buches "Prometheus" einen Höhepunkt, als die Inquisition gleich Jagd auf zwei Gruppen von Gegnern macht. Geschickt wird dabei am Spannungshöhepunkt zwischen den Erzählsträngen gewechselt. Leider geht diese Intensität dann am Beginn des zweiten Buches "Orpheus" auch durch zu lange Zeitsprünge und Aussparungen verloren und wird erst wieder gegen Ende mit Abstrichen erreicht.

 

Dem Sprecher Simon Jäger, der unter anderen Heath Ledger und Josh Hartnett synchronisiert, gelingt es mit einer angenehmen Erzählstimme, einem guten Gespür für das richtige Tempo sowie angemessenen Intonationen die Hörer in die von Christoph Hardebusch erschaffene Welt zu entführen. Das tröstet darüber hinweg, dass im Gegensatz zu anderen Hörbuchproduktion vollständig auf eine Untermalung durch Musik oder rudimentäre Effekte verzichtet wurde. Es wäre allerdings zu wünschen gewesen, dass Jäger einige Figuren stimmlich heterogener und mit größerem Wiedererkennungswert angelegt hätte.

 

 

Fazit:

"Die Werwölfe" ist ein gut gesprochenes und gerade im ersten Teil packendes sowie actionreiches Hörbuch, dem aber zu Beginn des zweiten Teils etwas die Luft ausgeht.

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Hörbuch

Die Werwölfe

Autor: Christoph Hardebusch

Sprecher: Simon Jäger

dav, 20. März 2010

Laufzeit: Ca. 480 Minuten

Umfang: 6 CDs

ISBN-10: 3898139506

ISBN-13: 978-3898139502

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Hinweis:

Es wurde ein Presseexmeplar mit vereinfachter Ausstattung rezensiert. Deshalb können keine Angaben zu Tonqualität, Booklet oder Covergestaltung gemacht werden.


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Erstellt: 20.04.2010, zuletzt aktualisiert: 15.01.2015 18:05