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Kolumne: Musik und Phantastik sind zwei Dinge

Autor: Michael Schmidt

 

Musik und Phantastik sind zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. Der Musikliebhaber jüngerer Generation, der eher der „lauten Musik“ zugeneigt ist und damit aus meiner Sicht das Pendant zum Phantastikleser bildet, hängt in Discos ab, besucht Konzerte oder feiert wilde Partys.

Der Phantastikliebhaber stellt man sich eher blass, picklig und kontaktscheu vor, der seinen Tag in abgestandener Luft fernab von Sonnenlicht verbringt.

Das ist natürlich ein haltloses Vorurteil. Weder am Musikgeschmack, noch an den Lesegewohnheiten kann man solches Verhalten ablesen.

Aber es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Popkultur und der Phantastik. Metallicas „Call of Chtulu“ ist eine Hommage an HP Lovecraft. Gerade im Heavy Metal Bereich haben die Konzeptalben Hochkonjunktur. Konzeptalben sind CD´s, in denen auf musikalische Art und Weise eine Geschichte erzählt wird. Metal Sänger King Diamond legte da mit „Abigail“ und „Them“ zwei düstere Gothikgeschichten hin, die eigentlich jeden Horrorfan erfreuen sollten, wenn da nicht der Musikgeschmack dazukäme und es ist fraglich, ob Ottonormalverbraucher den guten King ertragen kann.

Auch Autoren mögen Musik. So bekennt sich Michael Marrak zu den „Nine Inch Nails“ und verarbeitet Teile ihrer Texte und Stimmungen in seinem Roman „Morphogenesis“.

Noch bekannte dürfte „Armageddon Rock“ von George R.R. Martin sein. Eine Schallplatte taucht auf, das letzte Werk einer Band, die unter mysteriösen Umständen bei einem Brand umkam. Rückwärts gespielt, erweckt es die Toten und es gibt ein Konzert der Sonderklasse. Ein Roman, der die wilden Ende der Sechziger Jahre zum Thema hat. Absolut empfehlenswert.

Aber es gibt noch weitere Verbindungen zwischen Phantastik und Musik. Rock´n´Roll, Heavy Metal, Punk, Breakdance, Rap, Techno, für jede Generation gab es neue Einflüsse, neue Richtungen.

Ähnlich in der Phantastik. Waren es erst Abenteuer im All, gab es später Roboter, die Psyche des Menschen und den Cyberpunk.

Doch ist musikalisch scheinbar der Stillstand eingetreten, immer neue Wellen von HipHop erzeugen eigentlich nichts Neues. Ebenso wird von den Vertretern der Phantastik der Stillstand beschworen, Innovation gewünscht.

Beides, sowohl Musik wie Phantastik, scheint ein Spiegelbild der Gesellschaft zu sein.

Politisch bedeutet das eine große Koalition, die gegenseitige Blockade wird weitere Jahre fortgesetzt. Manche vergleichen den Zeitgeist mit dem Biedermeier. Kinder bzw. Jugendliche sind weniger innovativ als ihre Eltern. Nun, zum Teil ist das verständlich. Die Gesellschaft wurde immer freizügiger, Sex ist Allgemeingut, Bindungen erscheinen weniger fest und die Musik scheint ihre Grenzen in Bezug auf Schnelligkeit, Härte und Experimentierfreudigkeit erreicht zu haben, die ähnlich der Lichtgeschwindigkeit nicht überwindbar scheint.

Nun, die Sechziger scheinen ähnliches vollbracht zu haben. Es gab eine große Koalition, die Boomjahre waren vorbei. Die Hippiezeit stand bevor. Es gab den Vietnamkrieg und die Welt veränderte sich in vielerlei Hinsicht. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, zwischen Schwarz und Weiß, die Trennung von der Tradition, Talentwettbewerbe an allen Ecken und Ende.

Doch ist das Jetzt ebenso? Wo ist der Druck nach Veränderung? Wo die Energie der nachrückenden Generation? Wo sind die unterdrückten Neuerungen, die unterschwellige Innovation oder gar Revolution?

Ich denke, wir können gespannt auf die nächsten Jahre sein. Ich denke zwar nicht, dass die Veränderungen ähnlich revolutionär sein werden, wie die der Blumenkinder, aber es ist nur die Frage der Zeit, wann sich die Gesellschaft erneuert.

Ob wir das wollen oder nicht.

Dann wird auch die Phantastik und die Musik wieder etwas Neues hervorbringen. Oder sie macht es schon während ich diese Zeile schreibe. Und wie immer wird es mir und meiner Generation nicht gefallen. Schließlich ist das die Natur der Erneuerung.

 

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Melanie
Saturday, 20. October 2007 18:46 Uhr
Hallo Michael,
interessante Kolumne zu Fantastik und Musik, an der so manches Wahres dran ist. Ich denke, auch das wirklich Weltbewegendes nicht zu erwarten ist in der nächsten Zeit. Eher werden wieder Rückschritte gemacht, sowohl im Geiste, als auch in der Art, wie wir uns als Gesellschaft definieren. Es gibt sicherlich viele Dinge die dazu beitragen und beigetragen haben, denn wir leben schließlich in einer Welt, in der alle Dinge und Bilder bereits in perfekter Ausführung da sind, also wozu noch Neues erfinden. Ich finde vor allem, wenn Style, Geld und Cool rüberkommen mehr gilt als Spass und Berufung, dann stimmt schon etwas nicht. Da macht es wahrscheinlich auch keine echte Freude mehr einfach nur zu machen, ohne einen Businessplan oder entsprechende Talentshow. Bewegung kommt aber sicherlich auch durchs Internet hinein, weil es die Art ändert in der wir miteinander umgehen und uns die Dinge des täglichen Lebens besorgen. In der Musik der Fantastik gibt es eigentlich nur im verborgenen kleine echte Überraschungen. Sei es im Bereich Mittelalterrock oder auch in der Klassik. Da Lobe ich mir persönlich kleinere Bands wie Björnemyr oder Erdenstern.
Aber wird es eine echte Veränderung geben? Warten wir es ab, irgendwann wird unsere Generation auch Kinder haben, die alles anders machen wollen, wahrscheinlich mehr als uns Alten dann lieb ist.

Tolles Thema.

Grüße
Melanie

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Michael Schmidt

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Erstellt: 16.10.2005, zuletzt aktualisiert: 20.07.2016 10:53