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Die Trolle - im Gespräch mit dem Autor

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Der junge Rebell Sten cal Dabrân hat eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen –

Zorpad, der tyrannische Herrscher des Landes Wlachkis, hat ihn in einem Metallkäfig in den dichten Wäldern aussetzen lassen. Und wie um seine Lage noch schlimmer zu machen, tauchen aus einem heulenden Sturm plötzlich gigantische Wesen auf, die direkt aus den düstersten Legenden zu stammen scheinen: Trolle.

Doch die Trolle, die aus den Gebeinen der Erde selbst stammen, suchen eine Möglichkeit, ihr eigenes Volk zu retten, das durch einen ewigen Krieg mit den Zwergen unterzugehen droht. Ohne Kenntnis der Oberfläche, nehmen die gewaltigen Wesen Sten mit, damit er ihnen bei der Suche nach den Menschen hilft, welche die Zwerge unterstützen. Schon bald müssen die ungleichen Verbündeten einen Weg finden, sowohl Zorpad aufzuhalten, der einen vernichtenden Feldzug plant, als auch die Sonnenmagier vom Orden des Albus Sunas, die etwas in den Tiefen der Erde geweckt haben, dass weitaus mehr als nur die Trolle bedroht.

 



Das Interview

Wir hatten die Gelegenheit, vorab mit dem Autor des Buches "Die Trolle", Christoph Hardebusch, zu sprechen. Im Heyne-Verlag sind bereits Romane zu den "Elfen", "Zwergen", "Drachen" und "Orks" erschienen. Allesamt große berühme Fantasy-Rassen.

Doch was ist mit den Trollen?

Lassen wir also Christoph darüber berichten, was es mit diesen Monstern auf sich hat....

 

 

Fantasyguide: Hallo Christoph! Du bist für unsere Leser noch ein unbeschriebenes Blatt. Stell Dich doch bitte einmal vor.

 

Christoph Hardebusch: Geboren wurde ich vor 31 Jahren in Lüdenscheid, welches im schönen Sauerland liegt. Zum Studium zog es mich nach Marburg und schließlich landete ich in Heidelberg, wo ich als Texter in der Werbebranche arbeite, wenn ich nicht gerade in Rollenspielrunden unterwegs bin oder mich ins Nachtleben stürze. Ich lese sehr gerne, von Neil Gaiman bis Gabriel García Márquez und höre ein breites Sortiment an Musik, von Spielfilmsoundtracks bis Gothic.

 

Fantasyguide: Dein Debüt startet in einer etablierten Serie. Hast Du die anderen Bände gelesen und war es notwendig für „Die Trolle“?

 

Christoph Hardebusch: Zum Teil. Ich habe „Die Orks“, „Die Zwerge“ und „Die Elfen“ gelesen, allerdings noch nicht alle Folgebände. Als Inspiration hat es mir sehr geholfen, aber dennoch wollte ich eigenständig bleiben, und „Die Trolle“ spielt ja auch in einer ganz eigenen Welt.

 

Fantasyguide: Welche Quellen hast Du verwendet, um Dich des Themas anzunehmen?

 

Christoph Hardebusch: Hauptsächlich Recherche im Internet (Wikipedia ist mein Freund) über die verschiedenen Arten von Trollen und was es da schon alles an Material über dieses Volk gibt. Ansonsten habe ich durch meinen Fantasy-Background natürlich schon ein recht gutes Bild von Trollen in der gängigen Fantasy gehabt.

 

Fantasyguide: Welches Bild ist das genau? Immerhin können unsere Leser Dein Buch erst in einigen Wochen lesen.

 

Christoph Hardebusch:Als ich das erste Mal „Der Hobbit“ gelesen habe, war ich noch so jung, dass ich aufgrund der Spinnen nicht über den Düsterwald hinauskam, das war mir einfach zu gruselig. Natürlich sind die Trolle im Hobbit kindgerechter, in „Der Herr der Ringe“ werden sie ja eher als die Schocktruppen des Bösen dargestellt. Dazu kommen Eindrücke aus verschiedenen Fantasy-Romanen, z.B. aus Pratchetts Scheibenwelt-Serie, in der Trolle ja vom Brückentroll bis hin zu dem Wächter Detritus eine lange Entwicklung durchgemacht haben. Diverse Rollenspiele, die ich gespielt habe, von D&D bis hin zu Shadowrun, enthalten Trolle. Es gibt Trolle in MMORPG, z.B. Everquest, das ich auch angespielt habe. All diese Bilder sind natürlich in meinem Kopf und haben meine Trolle beeinflusst. Dennoch glaube ich, dass meine Trolle eigenständig sind.

 

Fantasyguide: Musstest Du Dich auf eine Mythologie beschränken, oder konntest Du ambivalent herangehen, vielleicht sogar durch Mischen Neues schaffen?

 

Christoph Hardebusch: Nein, es gab keine Vorgaben und ich hatte bei der Entwicklung meiner Troll-Charaktere freie Hand. Dementsprechend habe ich die Trolle nach meinen Vorstellungen erschaffen, auch wenn der Leser sicherlich einiges bei den Trollen finden wird, was ihm schon vertraut ist.

 

Fantasyguide: Wer sind denn Deine Troll-Charaktere und was ist das Besondere an ihnen?

 

Christoph Hardebusch:Die Troll-Charaktere in meinem Buch sind eine kleine Gruppe von Trollen, die aus ihren Höhlen kommen müssen, um ihr Volk zu retten. Sozusagen eine Troll-Abenteurer-Gruppe – vom misstrauischen, menschenfeindlichen Kämpfer bis hin zum gewitzten Troll-Anführer, der sieht, dass er Menschen für das Überleben seiner eigenen Leute braucht. Geschildert wird das alles durch die Augen eines jungen Menschen, Şten, der ganz allmählich Verständnis für die Trolle entwickelt, auch wenn er immer wieder von ihrer Art abgestoßen wird.

 

 

Fantasyguide: Es gibt ja sehr viele Vorstellungen von Trollen. Da wäre natürlich die Geschichte aus dem „Kleinen Hobbit“, oder die Klosett-Szene aus Harry Potter oder gar Trolle, wie sie Computerspiele bevölkern und nicht zu vergessen Troll von Troy. Wie bunt ist da Dein Geschmack?

 

Christoph Hardebusch: Ich referiere auf Bekanntes, aber natürlich habe ich versucht, weiter zu denken. Bislang waren Trolle in der Literatur zumeist Abziehbilder, die nur untergeordnete Rollen gespielt haben. Das wollte ich in meinem Buch ändern und habe ihnen eine ganz eigene, differenzierte Persönlichkeit gegeben.

 

Fantasyguide: Wie muss man sich das vorstellen? Hast Du Deinen Freud genommen und den Trollen Kindheitstraumata oder einen xxxx-Neid verpasst?

 

Christoph Hardebusch:Nicht wirklich. Einerseits habe ich mir natürlich überlegt, wie die Trolle in meiner Welt generell auftreten. Andererseits wollte ich den einzelnen Trollen auch eigene Wesenzüge geben. Im Endeffekt wollte ich spannende, abwechslungsreiche Charaktere auch bei den Trollen in meiner Geschichte schaffen und keine simplen „Wir-große-dumme-Trolle“-Klischees reproduzieren.

 

Fantasyguide: In Deiner Biografie steht, dass Du begeisterter Rollenspieler bist. Welche Systeme und Spiele bevorzugst Du?

 

Christoph Hardebusch: Zurzeit spiele ich vor allem Vampire, HARP, Shadowrun, Cthulhu und Rolemaster. Generell bevorzuge ich eher mystische, plotlastige Kampagnen, sowohl wenn ich sie leite, als auch als Spieler.

 

Fantasyguide: Hast Du auch schon mal einen Troll gespielt oder reizt es Dich nun?

 

Christoph Hardebusch: Tatsächlich, allerdings bei Shadowrun, wo Trolle ja recht üblich sind. Einen „meiner“ Trolle zu spielen würde mich schon reizen, wobei ich natürlich die Charaktere in meinem Buch schon ausgelotet habe.

 

Fantasyguide: Wird Dein Buch so wichtige Dinge beantworten wie: Vermehrung, Gefühle, Religion, Geschichte, Kunst und Literatur von Trollen?

 

Christoph Hardebusch: Manches ja, manches nein. Um die Trolle zu verstehen, ist es natürlich wichtig, etwas über ihren geschichtlichen und kulturellen Hintergrund zu erfahren. Literatur von Trollen spielt allerdings keine große Rolle…

 

Fantasyguide: Was fasziniert Dich an dieser Rasse?

 

Christoph Hardebusch: Die Faszination des Bösen ist bei den Trollen auf jeden Fall gegeben. Mein menschlicher Hauptcharakter muss sich mit einer für ihn nur schwer verständlichen Rasse herumschlagen. Diese Beziehung zu erkunden, war für mich sehr spannend.

 

Fantasyguide: Wie stellst Du Dir die Rolle von Trollen in einem Fantasy-Umfeld vor?

 

Christoph Hardebusch: Für gewöhnlich stellen Trolle die Antagonisten, die Gegner der guten Helden. Allerdings versuche ich, dieses Klischee aufzubrechen und den Trollen, trotz ihrer Andersartigkeit, eine Bühne zu bieten.

 

Fantasyguide: Worin besteht für Dich diese Andersartigkeit? Erwartet uns eine Art Shrek?

 

Christoph Hardebusch:Die Trolle sind keine Menschen. Ihre Moralvorstellungen sind nicht mit denen der Menschen zu vergleichen. Sie sind das, was man im ersten Atemzug als „böse“ abtun würde. Allerdings ist so ein Absolutismus, ein solches Denken in Schwarz und Weiß, in meiner Geschichte kaum anwendbar und obwohl die Trolle düster erscheinen, müssen sich die menschlichen Protagonisten mit ihnen auseinandersetzen. Im Wechselspiel zwischen Menschen und Trollen versuche ich diese zu beleuchten und dem Leser nahe zu bringen. Obwohl es auch lustige Momente gibt, hat es mit Shrek wenig zu tun (der ist ja auch ein Oger und kein Troll).

 

Fantasyguide: Würdest Du weiter über Trolle schreiben wollen, oder ist das Thema nun bei Dir durch?

 

Christoph Hardebusch: Natürlich entsteht bei der Arbeit an einem Roman einerseits eine innige Verbindung zu den Figuren, andererseits entfaltet sich vor dem inneren Auge eine ganze Welt. Die weißen Flecken auf der Landkarte weiter zu füllen, würde mich durchaus reizen. Aber ansonsten gibt es viele andere Welten, die ich gerne entdecken würde.

 

Fantasyguide: Wie ist das Arbeiten mit einem so großen Verlag, wie Heyne?

 

Christoph Hardebusch: Sehr gut. Heyne hat mich vom ersten bis zum letzten Wort professionell und fürsorglich unterstützt. Ich bin sehr froh, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert hat.

 

Fantasyguide: „Die Zwerge“, „Die Orks“, „Die Elfen“, „Die Drachen“ und nun auch „Die Trolle“ müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, Mainstreamprodukte zu sein, die wichtige Veröffentlichungsslots für Fantasy besetzen. Wie siehst Du Dein Buch da?

 

Christoph Hardebusch: Offensichtlich gefallen diese Bücher sehr vielen Lesern. Ich kann nichts Schlechtes daran sehen, dass die Serie ein breites Publikum erreicht und damit Fantasy im Allgemeinen populärer und akzeptierter werden lässt. Das sorgt letztendlich dafür, dass Verlage insgesamt mehr Fantasy machen und so auch mehr Bücher eine Chance bekommen.

 

Fantasyguide: Was magst Du uns über diese Amazon-Kundenrezension-Geschichte erzählen?

 

Christoph Hardebusch: Diese Amazon Rezension scheint mich zu verfolgen… Auf diese Amazon-Rezension werde ich häufiger angesprochen, das wird noch zum Running-Gag... ;-)

Da gibt es nicht viel zu erzählen. Die vorherige Rezension beschäftigte sich nicht mit meinem Buch, sondern mit Verlagspolitik. Ich habe den Autor angeschrieben, ob er nicht nach Erscheinen von „Die Trolle“ noch eine richtige Rezension schreiben möchte. Daraufhin hat er seine Rezension ungefragt geändert.

 

Fantasyguide: Gibt es für Dich Vorbilder unter den Fantasy-Autoren, falls Du mit Fantasy vorher was am Hut hattest?

 

Christoph Hardebusch: Ich bin lebenslanger Fantasy-Fan! Mein absolutes Vorbild unter den Gegenwartsautoren der Fantasy ist George R.R. Martin, dessen Stil ich bewundere. Ich liebe Terry Pratchett für seinen Humor und seine konstante Qualität.

 

Fantasyguide: Wie siehst Du die Chancen für Fantasy in Deutschland, oder gar für Fantasy-Kurzgeschichten?

 

Christoph Hardebusch: Ich glaube, dass Fantasy weiter wachsen wird. Der Boom scheint anzuhalten und wird durch Verfilmungen wie „Die Chroniken von Narnia“ und „Tintenherz“ gefördert. Allerdings haben es Kurzgeschichten immer schwer, auch im Fantasy-Sektor. Zeitschriften mit Kurzgeschichten, wie es sie im US-amerikanischen Markt gibt, haben bei uns ja einen schweren Stand.

 

Fantasyguide: Kannst Du uns noch kurz etwas über das Literaturagenten-Duo erzählen, das Dir Starthilfe gegeben zu haben scheint?

 

Christoph Hardebusch: Schmidt & Abrahams ist eine Agentur, die sich auf Fantasy und Science Fiction spezialisiert hat. Meine Agentinnen haben mir ohne Frage den Weg zur ersten eigenen Veröffentlichung geebnet. Ihre Kontakte erlauben es auch unveröffentlichten Autoren, mehr Gehör bei den Verlagen zu finden.

 

Fantasyguide: Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

 

Christoph Hardebusch: Auf Dauer würde ich gerne vom Schreiben leben. Mein nächstes, größeres Vorhaben ist allerdings eine Asienreise.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für das Interview!

 

Nachgehakt

Wenige Wochen später lag uns das fertige Buch vor und wir baten Christoph erneut, sich unseren Fragen zu stellen.

 

Fantasguide: Welche geschichtlichen Vorbilder liegen dem Konflikt von Wlachaken und Masriden zugrunde, der mich stark an den Befreiungskampf der Ungarn erinnerte?

 

Christoph Hardebusch: Osteuropa als Richtung stimmt natürlich, allerdings liegen die Ereignisse, die ich als Vorbild genommen habe, ein wenig weiter zurück. Um genau zu sein, habe ich mich von der Geschichte Transsylvaniens im Früh- und Hochmittelalter inspirieren lassen. Allerdings ist das nur ein grober Hintergrund, ich habe von dieser Basis aus meine eigene Welt entwickelt und eine neue Geschichte erzählt.

 

Fantasguide: In Deinem Buch geht es eigentlich mehr um Menschen, als um Trolle. Warum?

 

Christoph Hardebusch: Ich habe lange überlegt, ob ich die Geschichte aus Sicht der Trolle erzählen will, mich aber schließlich dagegen entschieden, weil ich die Trolle nicht zu menschlich machen wollte. Die Trolle als Identifikationsfiguren hätten das aber mit sich gebracht.

 

Fantasguide: Du vermeidest an einigen Stellen Gewalt, obwohl sie nahe läge. Etwa die fehlende Folterung Şten durch Zorpad oder sexuelle Übergriffe an seiner Mutter, die Du eher im Kampf sterben lässt. Gleichzeitig ist Dein Roman geprägt von geschlechtlicher Gleichstellung. Ist das eine Art von political correctness?

 

Christoph Hardebusch: Da muss ich mal zurück fragen: machen Vergewaltigungen ein Buch besser? Sind sie notwendig? Gewalt gibt es in Die Trolle ja nicht gerade wenig. Es wird gemordet, gefoltert und sogar aufgefressen. Allerdings denken die Protagonisten auch über die Folgen nach, wenn sie Gewalt anwenden, was ich aber für selbstverständlich halte.

Über die Gleichstellung habe ich, ganz ehrlich gesagt, gar nicht lang gegrübelt, sondern fand die Darstellung der einzelnen Figuren beim Schreiben einfach passend. Ich persönlich finde das klassische Rollenklischee in Fantasyromanen eher langweilig. „Maid-in-Not“-Charaktere sprechen mich überhaupt nicht an, und viele Leser wohl auch nicht mehr. Wohingegen Flores (die Schwester von Şten - Anm. der Red.) einer meiner Lieblingscharaktere ist. Das hat wenig mit Political Correctness zu tun, als vielmehr mit dem, was ich spannend und interessant finde.

 

Fantasguide: Mit 766 Seiten ist Dein Buch recht umfangreich geraten. Gab es da verlagsseitig Vorgaben?

 

Christoph Hardebusch: Natürlich muss eine Geschichte eine gewisse Länge haben, um ein Buch zu füllen. Aber die Seitenzahl entspricht einfach derjenigen, die ich brauchte, um meine Geschichte zu erzählen. Tatsächlich ist das Manuskript während des Schreibens länger geworden, als ich vorher gedacht hatte.

 

Fantasguide: Einen möglichen Showdown, der Kampf zwischen Zorpad und Ionna, hast Du in einem Nebensatz abgehandelt. Ebenfalls recht trivial löste sich der Kampf im Kloster der Sonnenmagier. Liegen Deine dramatischen Ambitionen eher in der Interaktion der Figuren?

 

Christoph Hardebusch: Tatsächlich finde ich die übliche Konvention „Held trifft am Ende Schurke und besiegt ihn im halbstündigen Nahkampf“ ausgelutscht. Das Leben ist nicht so. Ein solches Ende wäre mir zu konstruiert erschienen. Um das also aufzubrechen, habe ich eine andere Konstellation gewählt.

Natürlich bereitet mir die soziale Interaktion der Figuren Vergnügen. Neben den zahlreichen Kämpfen, ist die Beziehung zwischen Trollen und Menschen sicherlich der spannendste Konflikt im Roman.

 

Fantasguide: Die Zwerge kommen bei Dir recht schlecht weg. Unter anderem unterstellst Du ihnen, dass sie ihre Gegner nur durch die umgelenkten Kräfte des Dunkelgeistes, also mit Hilfe von Menschen, besiegen können. Brauchtest Du diese Charakterisierung für den Konflikt mit den Trollen, oder bist Du tatsächlich so schlecht auf das kleine Volk zu sprechen?

 

Christoph Hardebusch: Nein, mein erster Rollenspielcharakter war sogar ein Zwerg (lacht).

Die Zwerge erschienen mir einfach als die passenden Feinde der Trolle, die sich auch schon seit langer Zeit auf einem langsamen Rückzug vor dem Expansionsdrang der Zwerge befinden. Allerdings ist auch hier das Gut-Böse-Schema nicht besonders passend: würde man die Geschichte aus Sicht der Zwerge erzählen, wären wohl die Trolle zu Recht die Bösen. Zudem ist ja vor allem ein Zwergencharakter negativ besetzt, der aber auch aus dem Rest seines Volkes heraus sticht. Sein Ziel ist aber auch nicht ein einfacher Sieg über die Trolle, denn diesen erringen die Zwerge ja allmählich aus eigener Kraft, sondern ein Genozid an den Trollen.

 

Fantasguide: Ich vermisste beim Lesen doch etwas mehr Exotik bei den Trollen. Sie scheinen nur in den Essgewohnheiten fremd und erinnern eher an menschliche Barbaren, als an eine fremdartige Rasse. Was hat es auf sich, mit Deinen Trollen?

 

Christoph Hardebusch: Für mich sind die Trolle sehr stark auf das Wesentliche reduziert. Sie stehen einer extrem feindlichen Umwelt gegenüber, ihre gesamte Existenz ist Kampf, und ihr einziges Ziel Überleben. Vielleicht wirken sie deshalb so auf dich, weil Barbaren in meiner Vorstellung ähnlichen Bedingungen unterworfen sind. Allerdings gehen die Trolle in ihrer Reduktion noch einen Schritt weiter, als ich es bei Menschen sehen würde.

 

Fantasguide: Mit Sargan lockerst Du die Truppe der Freiheitskämpfer auf und bringst einen Überraschungsmoment ins Spiel. Er ist einer der faszinierendsten Figuren im Buch. Wie kamst Du zu diesem Charakter?

 

Christoph Hardebusch: Einerseits wollte ich einen Einblick in die Kultur und zivilisatorischen Errungenschaften der Zwerge gewähren, der über den Blickwinkel von Hrodgard hinausgeht, denn die Zwerge haben ja durchaus Großes geschaffen. Andererseits bildet Sargans Perspektive eine schöne Möglichkeit, Wlachkis von außen durch die Augen eines Fremden zu betrachten, der sich selbst für zivilisierter als die „rückständigen“ Bewohner des Landes hält. Außerdem macht es einfach Spaß, einen Experten wie Sargan zu beschreiben, der ja in seiner Art ganz anders ist, als zum Beispiel Şten.

 

Fantasguide: Die Masriden besiegten einst das Imperium und zogen weiter. Sie werden als Reitervolk vorgestellt. Warum wurden sie eigentlich sesshaft?

 

Christoph Hardebusch: Nun, die wenigsten Völker ziehen ihre ganze Existenz lang durch die Welt (lacht).

Die Masriden sind eine Zeit lang umher gewandert, haben aber mit Wlachkis ein Land gefunden, das sie unterwerfen und vollständig erobern konnten. Dort sind sie sesshaft geworden, wie zum Beispiel die Stämme der Völkerwanderungen, die ja an vielen Orten in Europa und auch Afrika Reiche gegründet haben. Auf den ersten Blick erscheint Wlachkis ja auch perfekt: durch natürliche Barrieren leicht zu verteidigen und reich an Ressourcen. Dass in diesem Land aber auch alte und tiefe Mächte vorhanden sind, war den Masriden so nicht bewusst.

 

Fantasguide: Wir danken Dir dafür, dass Du Dich erneut unseren bohrenden Fragen stelltest!

 

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Erstellt: 25.01.2006, zuletzt aktualisiert: 02.06.2016 07:45