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Im Land des Windes von Licia Troisi

Reihe: Die Drachenkämpferin Bd.1

Rezension von Christel Scheja

 

Seit dem großen Erfolg der Herr-der-Ringe-Filme herrscht eine Renaissance der High-Fantasy. Epische Geschichten des Kampfes zwischen Gut und Böse, in denen Elfen, Drachen und andere fantastische Wesen auftauchen sind sehr beliebt beim Publikum und den Verlagen. Und längst stammen die Romane nicht mehr nur aus dem englischsprachigen Raum.

 

Mit der Trilogie um "Die Drachenkämpferin" schlägt Random House zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen dürften die Lizenzen eines italienischen Romans nicht so hoch sein, zum anderen bietet sich das Buch an, sowohl im bei Heyne im Erwachsenen- als auch bei cjb im Jugendbuch-Sektor veröffentlicht zu werden.

 

"Die Aufgetauchte Welt" ist in acht Reiche unterteilt, die lange Zeit in Frieden miteinander lebten. Doch dann ergriff ein tyrannischer Magier die Macht in einem der Länder, und brachte andere dazu, sich ihm anzuschließen, die mit der Harmonie nicht zufrieden waren. Seither überzieht er die Welt mit Krieg um auch den Rest des Kontinentes zu erobern. Die Bewohner der freien Lande setzen sich ihm und seinen Kreaturen in wilden Schlachten zur Wehr. Ihre mächtigsten Krieger sind die Drachenritter.

 

Nihal ist nicht so wie die anderen Kinder in Salazar im Land des Windes. Nicht nur, dass sie spitze Ohren, violette Augen und blaue Haare hat, sie benimmt sich nicht wie ein Mädchen und träumt davon, eines Tages selbst ein Drachenritter zu werden. Ihr Vater Livon, ein Waffenschmied, versucht sie zwar zuerst davon abzubringen, als sie aber das erste Mal einem Drachenritter begegnet und sich ihre Entschlossenheit nur verstärkt, gibt er seinen Widerstand auf und beginnt ihren Wunsch durch eine solide Ausbildung zu unterstützen.

Dafür gibt er sie auch in die Lehre bei seiner Schwester Soana, die als Magierin mit den Kräften der Natur und des Geistes wohl vertraut ist. Während Nihal dort weilt lernt sie auch deren Lehrling Sennar kennen, mit dem sie später eine tiefe Freundschaft verbindet. Und sie bleibt nicht länger auf Salazar beschränkt, denn Soana reist auch manchmal in Angelegenheiten ihres Ordens.

 

Dann greifen die Horden des Tyrannen auch Salazar an. Nihal verliert in der Schlacht ihren Vater und ihre Heimat, erfährt aber auch von ihrer wahren Herkunft. Soana gesteht ihr, dass sie eigentlich ein Findelkind ist, aufgespürt in den brennenden Ruinen von Seferdi. Nihal ist vermutlich die letzte Überlebende aus dem Volk der Halbelfen.

Das schürt den Hass und die Entschlossenheit des Mädchens. Gegen alle Widerstände - denn bisher hat es noch nie einen weiblichen Drachenritter gegeben - erkämpft sie sich einen Platz an der Akademie des Ordens und arbeitet verbissen daran, ihr Ziel zu erreichen.

 

"Im Land des Windes" bietet alles, was dem von den "Herrn der Ringe"-Filmen verwöhnten Leser gefällt: eine epische Handlung mit dramatischen Situationen, einer starken jungen Heldin begleitet von treuen Freunden und nicht zuletzt exotische Schauplätze und Kreaturen.

Nihal darf kämpfen und leiden, Fehler machen und in bestimmten Momenten das Richtige tun, und kommt doch immer gerade noch mit einem blauen Auge davon. Action gibt es reichlich, aber auch überbordende Gefühle.

Licia Troisi vermeidet es aber auch, schon jetzt eine kitschige Liebesgeschichten einzubauen, und konzentriert sich mehr auf den Werdegang ihrer Heldin.

 

Erfahrene Leser werden aber schnell feststellen, dass sich die Handlung nur an der Oberfläche bewegt. Vor allem der Tyrann und seine Heerscharen bleiben farblos und nebelhaft, sie sind immer dann da, wenn es eine Schlacht zu schlagen gibt - über ihre Motive und Hintergründe erfährt man allerdings nichts.

Ähnlich ist es mit der Gesellschaft und Kultur der Reiche, die Autorin streift diese nur punktuell, nämlich immer dann, wenn es ihre Heldin direkt betrifft. Deshalb bleiben vermutlich auch viele der Nebencharaktere schablonenhaft. Ab und zu wird es Nihal etwas zu einfach gemacht, und die Logik hakt dann und wann, wenn es z. B. um Beschreibungen exotischer Schauplätze wie der mehrere hundert Meter hohen Turmstadt Salazar geht.

 

Wenn man all diese Negativpunkte als nicht so wichtig erachtet oder beiseite schiebt. ist "Im Land des Windes" ein spannender und farbenprächtiger Fantasy-Roman, durch den man sich einige Stunden gut unterhalten lassen kann. Vor allem jüngere Leser werden ihren Spaß an der Geschichte um die starke Nihal haben.

 

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Im Land des Windes

Reihe: Die Drachenkämferin Bd.1

Autorin: Licia Troisi

Gebunden, 383 Seiten

Heyne Verlag, erschienen Januar 2006

ISBN: 3-453--53028-4

Titelbild von Paolo Barbieri

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.03.2006, zuletzt aktualisiert: 18.07.2016 14:44