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Die Trolle von Christoph Hardebusch

Rezension von Ralf Steinberg

 

Klappentext:

Nach den Bestsellern Die Orks und Die Elfen – jetzt die Trolle

 

Sie denken, Sie kennen alle Völker der Fantasy? Sie haben mit Stan Nicholls’ Orks Schlachten geschlagen, sind mit den Zwergen von Markus Heitz durch unterirdische Gänge gehuscht und haben mit Bernhard Hennens Elfen das Böse besiegt. Doch tief in der Dunkelheit lauert noch etwas: Wesen, die der Schrecken vieler Legenden sind, Wesen, deren Name nur geflüstert werden darf...

Dies ist die Geschichte der schlagkräftigsten, hässlichsten und geheimnisvollsten Geschöpfe der Fantasy und zugleich das größte Abenteuer aller Zeiten - denn dunkle Mächte planen, die Welt zu unterwerfen. Und während Menschen und Elfen die Vorboten des drohenden Unheils nicht erkennen, ist es dem Trollkrieger Druan und seinen Kumpanen bestimmt, sich dem Bösen entgegenzustellen.

 

Rezension:

Die Erwartungen waren groß, nachdem Christoph Hardebusch in einem Interview mit uns seine Intentionen erläuterte, die er in seinem Debüt verfolgte.

Nun ist das Buch endlich da und lässt einen tieferen Blick zu.

 

Der Autor wählte einen recht umfangreichen Hintergrund für seine Geschichte aus, was sich auch in der Dicke des Buches bemerkbar macht. Die Trolle handeln in erster Linie vom Kampf der Wlachaken, die ihr von den Masriden seit zwei Jahrhunderten besetztes Heimatland befreien wollen. Zwar befindet sich nicht ganz Wlachkis in der Hand der Eroberer, aber die freien Provinzen werden immer weniger und bedrängter. Wlachaken und Masriden sind allerdings keine Trolle, sondern Menschen.

Die Trolle spielen im gesamten Roman eher eine Hintergrundrolle. Zwar begleitet eine schlagkräftige Trollgruppe die Hauptfigur Şten über weite Teile der Handlung, sie stehen aber nicht in ihrem Zentrum.

Die Trolle sind dabei alles andere als stereotype Stichwortgeber. Christoph Hardebusch gelingt es durchaus den meisten von ihnen eine persönliche Charakterisierung zu geben, aber sie können sich bei weitem nicht so differenziert entwickeln, wie ihre menschlichen Kampfgenossen. Dass dies durchaus gewollt und gut durchdacht ist, bestätigte uns der Autor auf unsere Nachfrage hin, die wir dem oben erwähnten Interview hinzufügten.

 

In der Geschichte geht es genretypisch um Zwerge, Elfen, Magie und mittelalterliches Ambiente. Der Hintergrund erinnert stark an den ungarischen Befreiungskampf gegen die Österreicher, hat aber nach Aussage von Christoph Hardebusch noch ältere Ursprünge. Überhaupt sind jede menge östliche Begriffe eingeflochten, wie etwa Voivode. Hardebusch bemüht sich ausführlich, die Gesellschaft anschaulich darzustellen, vom einfachen Bauern über Flusstreidler bis hin zum reichen Händler.

Für seine Beschreibung der Trolle greift Hardebusch auf einige Legenden zurück, darunter auch die aus Der kleine Hobbit, wonach Trolle im Sonnenlicht zu Stein erstarren, allerdings werden bei Hardebusch die Trolle nur für die Zeit des Sonnenscheins ausgeknockt und wandeln nachts dafür umso lebendiger durch die Welt. Diese Schwäche nutzt Hardebusch ganz geschickt um eine besondere magische Fähigkeit der masridischen Priester in die Waagschale zu werfen, diese können nämlich als Sonnenanbeter die Nacht zum Tag machen. Die Trolle vermuten, dass diese Priester es auch sind, die ihren Erbfeinden, den Zwergen, helfen und somit direkt verantwortlich sind für den Tod vieler Trolle. Dies herauszufinden und zu beenden zogen Druan und seine Kampfgefährten aus den Gebeinen der Welt an die Oberfläche und stolpern dabei über den Rebellen Şten, der dem wlachakischen Landadel angehört und über die Leichen seiner Eltern hinweg aus seinem Stammsitz vertrieben wurde.

Obwohl Şten mehrfach Gelegenheit hat die Trolle zu töten, die ihn durch ihre Art zunächst abstoßen, beschließt er ihnen zu helfen, da er ahnt, dass das Problem der Trolle, auch seines ist. Hardebusch reduziert die Andersartigkeit der Trolle hauptsächlich auf die Art ihrer Nahrungsaufnahme. Die Reaktionen der menschlichen Figuren auf sie wirkt meist übertrieben und aufgesetzt, eine richtige Exotik strahlen die Trolle nicht aus. Letztendlich sind es Barbaren.

 

Christoph Hardebusch ist kein Freund übertriebener Gewalt im Stile Terry Goodkinds, auch wenn viel Blut vergossen wird und die Trolle erwartungsgemäß unsanft mit den Körperteilen ihrer Gegner umgehen.

Die Extreme bleiben aber in einem ruhigen Rahmen. Selbst die Liebesgeschichte bleibt vernünftig und vorhersehbar. In diese Harmonie reiht sich auch die durchgängige Gleichstellung von männlichen und weiblichen Figuren ein.

Stilistisch legt Christoph Hardebusch ein überzeugendes Debüt vor. Seine Schilderungen sind anschaulich, die Dialoge passend und stecken an den richtigen Stellen voller Humor oder Spannung.

Auch wenn nie Langeweile aufkommt, erscheint das Buch insgesamt als zu lang, ist die Handlung angesichts von 766 Seiten etwas dünn.

 

Fazit:

Die Trolle ist ein solider Fantasyroman ohne Überraschungen oder Höhepunkte. Christoph Hardebusch gelingt es, die verschiedenen Fäden seiner Handlung spannend aufzubauen und dramatisch miteinander zu verknüpfen, allerdings greift er dabei stets zu bewährten Fantasyelementen.

Liebhaber unterhaltsamer Fantasykost erhalten mit den Trollen eine Menge Buch für ihr Geld.

 

 

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Eure Meinung:

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Ollowain
Friday, 16. June 2006 20:06 Uhr
Sehr gutes & spannendes Buch - passt gut zu der Serie!

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Buch:

Titel: Die Trolle

Autor: Christoph Hardebusch

Heyne Paperback, 766 Seiten

Erschienen: März 2006

ISBN: 3453532376

Erhältlich bei: amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.05.2006, zuletzt aktualisiert: 18.08.2016 15:39