Zurück zur Startseite


 Platzhalter

Kolumne: Was ist gute Science Fiction?

Autor: Holger M. Pohl

 

Ich halte es einmal frei nach Heinrich Spoerl: „Also, wat is ene gute SF-Buch? Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: Ene gute SF-Buch ist ene Buch, wat mer jefällt und wat ich jern les. Und de Rest, den krieje mer später!“

Im Grunde sagt das schon sehr viel: gute SF ist das, was mir gefällt! Ich kann es gerne noch ergänzen: gute SF für mich ist das, was mir gefällt!

Nun höre ich manche Kritiker schon wieder was von „dumm, albern, Blödsinn“ murmeln. Ich lasse Euch murmeln! Wenigstens habt Ihr dann kann keine Zeit um andere Dinge zu machen…wie zum Beispiel Bücher schreiben.

Gut kann in manchen Lebensbereichen ein überaus subjektiver Begriff sein. Was für mich gut ist, muss es für andere noch lange nicht sein – und umgekehrt. Und ehe weiteres Gemurmel einsetzt ich schreibe hier von Qualitätsempfinden, nicht von ethischen, moralischen, sozialen oder sonstigen Werten!

Gut ist für mich ein SF-Buch – oder ein phantastischen Buch im Allgemeinen, ich will es nicht nur auf SF beschränken – dann, wenn es mir, mir ganz persönlich, gefällt! Ich erhebe nicht den Anspruch, dem Rest der Welt sagen oder vorschreiben zu müssen, was sie als gute SF zu empfinden hat. Viele Kritiker tun das. Manche von ihnen halten sich sogar für den Nabel des literarischen SF-Kosmos und jede andere Meinung als die ihre ist…nun ja, dumm, albern, Blödsinn. Etwas mehr Toleranz, etwas mehr Respekt und etwas weniger Arroganz wäre hin und wieder ganz liebenswürdig – Danke!

Gut – oder schlecht – hängt vom eigenen Standpunkt, von der eigenen Erwartungshaltung, von der eigenen Stimmung und von vielen anderen Dingen ab.

Es gibt Bücher, die von den Kritikern über den Klee gelobt werden und die nach allen handwerklichen Kriterien als „gut“ zu bewerten sind. Die Leserschaft hingegen fällt ein vernichtendes Urteil darüber. Was sind diese Bücher nun: gut oder schlecht?

Es gibt Bücher, die von den Lesern als wunderbar, gigantisch, toll, genial…umschrieben werden. Sie stürmen die Bestseller-Listen und bleiben wochenlang oben platziert. Kritiker hingegen zerreißen sie in der Luft. Was sind diese Bücher nun: gut oder schlecht?

Ich habe Bücher – die sicher auch nach der im Grunde für mich völlig unmaßgeblichen Meinungen mancher Kritiker „absolut“ gut sind – welche ich nach dem zweiten oder gar dritten Mal lesen als das empfand, was ich als gut bezeichne. Bekannten von mir, die ebenfalls SF lesen, gefallen diese Bücher „absolut“ nicht und sie finden sie „absolut“ schlecht. Soll ich meinen Bekannten nun – wie manche Kritiker es tun würden – unterstellen, dass ihnen der „intellektuelle Zugang“ zu diesen Büchern fehlt, weil sie sie nicht wie ich gut finden? Oder dass sie möglicherweise nie über das Alter für „Schund-Literatur“ hinausgekommen sind?

Selbst unsere Erwartungshaltung verführt uns oft: zehn Bücher eines Autors gelesen, zehn Mal begeistert gewesen. Dann kommt das elfte Buch. Es kann ja nur gut sein. Doch dann die große Enttäuschung…Auch anders herum funktioniert das.

Natürlich könnte man es sich einfach machen und sagen: das, was die Mehrheit als gut empfindet, das ist auch gut, auch wenn eine Minderheit es nicht so empfindet. Doch das wäre genauso intolerant. Auch die Minderheit hat ein Recht auf eine eigene Meinung. Und wenn die Minderheit der Meinung ist, dass es schlecht ist, dann ist es schlecht…für sie. Außerdem…das Recht des Irrtums ist nicht nur der Minderheit vorbehalten.

Kritiken und Rezensionen können uns Anhaltspunkte liefern. Unser eigenes Urteil können sie nicht vorwegnehmen. Die Bücher, von denen ich sage, dass sie für mich gut oder schlecht sind, die habe ich auch gelesen und in aller Regel auch verstanden. Was gute SF ist, das ist ein sehr persönliches, subjektives Empfinden.

Darum, Leser der SF im speziellen und Leser der Phantastik im Allgemeinen: Lasst Euch von Kritikern kein schlechtes Gewissen einreden, nur weil sie als schlecht empfinden, was Ihr als gut empfindet. Wenn es Euch gefällt, dann ist es für Euch gut. Kritiker sind auch nur Menschen und Menschen irren hin und wieder…

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*
Platzhalter

Kolumne

Holger M. Pohl

weitere Infos:

Biographie, Bibliographie, Rezensionen und mehr zu Holger M. Pohl


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 14.08.2007, zuletzt aktualisiert: 20.07.2016 10:53