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Kolumne: Elitäres Denken

Autor: Holger M. Pohl

 

Ich muss nun doch einmal eine Lanze für Schriftsteller im Allgemeinen und uns Phantastik-Schriftsteller im Besonderen brechen. Ihr könnt Euch drehen und wenden, wie Ihr wollt, es ist eine unumstößliche Tatsache: wir Schriftsteller sind eben einfach die Elite der Menschheit; wir sind der Brillant in der Krone der Schöpfung; wir sind das Sahnehäubchen auf dem faden Kaffee des Lebens!

Es steht uns von Natur aus zu, Euch anderen in Diskussionen, Foren oder sonst wo klar und deutlich zu sagen, dass Ihr uns nicht das Wasser reichen könnt. Wenn wir etwas zu sagen haben, dann geschieht dies selbstverständlich druckreif und perfekt. Es ist einfach unser federgegebenes Recht, Euch anderen darauf hinzuweisen, dass in Euren Sätzen Grammatik- und Rechtschreibfehler sind und insofern das von Euch Geäußerte belanglos, falsch, albern, dumm und Blödsinn ist.

Da Ihr anderen natürlich – mindestens! – eine Stufe unter uns steht, habt Ihr im Grunde genommen keine eigene Meinung zu haben. Wenn Ihr aber doch eine Meinung habt, dann bitteschön unsere, denn die ist richtig und nicht diskutabel!

Banale Aussagen – wobei logischerweise wir definieren, was banal ist und was nicht, denn Euch geht diese Fähigkeit völlig ab – habt Ihr ebenfalls zu unterlassen.

Noch was? Ach ja: es liegt natürlich an Euch, wenn Ihr das, was wir schreiben nicht versteht oder durchschaut. Strengt Euch gefälligst an! Wir schreiben schließlich was und wie wir wollen, nicht wie Ihr wollt.

Ich denke, nun ist das Wesentliche gesagt und Euch ist endgültig klar, wo Euer Platz ist – Kusch! Und nun keine Diskussion bitte, denn wenn Ihr keine Schriftsteller seid, dann habt Ihr ganz einfach nicht darüber zu diskutieren. Wenn Ihr jedoch Schriftsteller seid, werdet Ihr mir eh zustimmen.

 

Übertrieben? Wahrscheinlich! Zu pauschal? Sicherlich auch! Doch angesichts dessen, was ich in manchen Foren von Schriftstellern so an Postings lese – und nein, ich nenne keine Namen in meiner Kolumne –, lag mir das einfach mal auf der Tastatur.

Ich kann und will mit ich-bezogenem elitärem Denken nichts anfangen; mit Besserwissern, die anderen erst einmal sagen, dass sie nicht in der Lage, sind Sätze korrekt und richtig zu formulierten, ehe sie sich vielleicht dazu herablassen, sich mit der Meinung des anderen auseinanderzusetzen.

Eliten gab es schon immer, es gibt sie und es wird sie immer geben. In vielen Bereichen des täglichen Lebens, der Wissenschaft, der Kunst und so weiter. Daran ist zunächst einmal nichts Verwerfliches. Doch vergessen diese Eliten immer wieder und allzu oft, dass sie ohne die Anderen genau eines wären: Nichts!

Wir Schriftsteller – ob professionell oder nicht – beschäftigen uns tagtäglich mit der Sprache. Vielleicht sollten wir aber hin und wieder daran denken, dass das nicht jeder tut; dass bei anderen eben nicht jedes Wort hundertprozentig richtig geschrieben ist; dass bei anderen eben nicht jedes Satzzeichen richtig sitzt; dass bei anderen eben nicht jeder Schreibstil unserem ästhetischen Empfinden genügt. Doch möglicherweise sind es genau diese Anderen, die Computer, Monitore und Tastaturen herstellen, und es uns damit überhaupt erst ermöglichen, unserem elitären Denken freien Lauf zu lassen.

 

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Erstellt: 02.09.2007, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31