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Kolumne: Die Lust am Verbieten

Autor: Ralf Steinberg

 

Man schießt nicht auf Menschen!

Diese pädagogisch wertvolle Meinungsäußerung begleitet junge Menschen von dem Augenblick an, da sie aus Lego-Steinen eine hakenförmige Pistole basteln und die meckernde Erwachsenwelt des Kinderzimmers verweisen wollen.

Sicher könnte man auch auf den schlafenden Hamster oder das hechelnde Hündchen feuern, doch eigentlich passt das nun gar nicht in das gewählte Spiel. Weder in den Klassikern Cowboy und Indianer oder Räuber und Gendarm noch in aktuelleren Versionen geht es in erster Linie darum, Haustiere umzulegen. Obwohl Pokemon in dieser Hinsicht vielleicht Pionierarbeit leistet.

 

Oder um es kindgerechter auszudrücken: Ist doch doof, wenn man mit der Pistole nicht auf Menschen schießen darf.

 

Nun soll aber den mordbereiten Kindern der Zugang zu Mord und Totschlag erschwert werden. Unser ständig unterbezahlter Bundestag beschloss heute eine Änderung des Jugendschutzgesetzes um den Zugang zu Produkten zu erschweren, "die besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten, die das mediale Geschehen selbstzweckhaft beherrschen."

 

Klar, das ist jetzt kein richtiges Verbot. Der Markt wird schon selbst dafür sorgen, Waren abzuschaffen, deren massenhafter Absatz ungewiss ist.

So werden die lieben Kleinen zwar nicht daran gehindert mit ihrer Spielzeugpistole weiterhin auf Leute anzulegen, aber immerhin sorgt ein ähnlich gerichteter, aber virtueller Schuss nun nicht dafür, dass irgendwelche Körperteile blutig durch die Luft fliegen. Realistische Darstellungen sollen in Spielen nun nicht mehr anzutreffen, bzw. durch gefährdete Altersschichten erreichbar sein.

 

In punkto Scheinheiligkeit sind derartige Gesetze kaum zu übertreffen.

Anstatt durch die Förderung von Schule, Freizeitstätten und besseren Lebensbedingungen Kinder zu friedlichen Bürgern heranzuziehen, wird der Freizeitbereich in einer Art und Weise reglementiert, die nun überhaupt nichts daran ändert, ob jemand mit einer echten Pistole auf Menschen schießt oder lieber Briefmarken sammelt.

 

Wer weiß, vielleicht wird es auch in fünf Jahren eine Diskussion um die Einführung von Killerspielen geben, damit Kinder wieder lernen, welche Konsequenzen es mit sich bringt, Dinge zu zerschnetzeln, da sie aus den zugelassenen Spielen gewöhnt sind, dass dabei gar nichts passiert?

Vielleicht verteilt auch die Bundeswehr kostenlose Zielattrappen, um dem Nachwuchs rechtzeitig gewisse Hemmungen auszutreiben?

Die Softwareschmieden können nun jedenfalls an Patches arbeiten, die aus rollenden Köpfen Gummibärchen macht, Blut durch Ketchupflaschen ersetzt und nicht das Töten von Gegnern zum Ziel erhebt, sondern ihr Abkitzeln.

Das wären dann mal echte Killerspiele.

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HMP
Freitag, 09. Mai 2008 07:49 Uhr
Ob Politiker (oder sonst jemand) jemals begreift, dass genau das, was verboten wird (ob indirekt oder direkt), genau das ist, was jemand haben will? Nimm jemand etwas weg und sei es noch so unwichtig und er will es unbedingt haben!

Insofern wird es eben den Unter-dem-Laden-Tisch-Markt geben, die Hinter-Zimmer-Game-Shops, die Internet-Shops...in denen sich die Leute dann bedienen.

War doch immer so und wird immer so sein. Man denke nur an die Orohibition in den USA in den 1930er Jahren: der Alkoholhandel und -schmuggel blühte auf und erreichte ungeahnte Dimensionen.

Man kann es aber auch als Verkaufsstrategie benutzen Emoticon)))!

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Ralf Steinberg

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Erstellt: 08.05.2008, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31