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Der Wanderer im Eis von Jiro Taniguchi

Reihe: Shodoku

Rezension von Christian Endres

 

Auf dem Comic-Salon in Erlangen war er Ende Mai 2008 trotz Abwesenheit wieder der große Star, seine Werke das Thema: Jiro Taniguchi, auf Deutschlands größter Comic-Messe im Frankenland ausgezeichnet sowohl mit dem Comic des Jahres, als auch mit dem Max & Moritz-Preis für die beste deutsche Comic-Publikation aus Japan. Passend zum Salon-Samstag berichtete die Welt dann auch noch auf fast einer Seite über die Paperback-Kunstwerke des japanischen Ausnahmekünstlers - Jiro Taniguchi ist also endgültig in Deutschland angekommen.

 

Und obwohl seine autobiografisch angehauchten Manga-Highlights Vertraute Fremde und Die Sicht der Dinge (beide bei Carlsen) den aktuellen Hype um den hierzulande relativ spät entdeckten Taniguchi losgetreten haben, hat Schreiber & Leser bereits im Herbst 2006 den ersten Taniguchi nach Deutschland gebracht: »Wanderer im Eis« versteht sich als Kurzgeschichtensammlung, in denen der japanische Superstar mit den leisen Tönen und dem feinen Strich die Konfrontation des Menschen mit der Natur in den Fokus rückt. Das hat dann oftmals - teilweise ganz offenkundig und bewusst - etwas von Jack London oder alten Abenteuerfilmen mit Charles Bronson, kann an anderer Stelle aber auch sehr gefühlvoll und melancholisch sein.

 

Durch seine ernste Sachlichkeit in Schrift und Bild schafft es Taniguchi, in seinen Geschichten immer wieder Klischees zu verarbeiten, ohne dass die Handlung auf dem Riff der Abgedroschenheit aufläuft. Das sind dann klassische Abenteuergeschichten, in denen man die Kälte spürt, das Wolfsheulen hört und einem der Frost in die Wangen schneidet, wenn man dem Schicksal der zwischen Schnee und Eis gefangenen Protagonisten folgt und sich von Taniguchis spannender Handlung und seinem realistischem Schwarzweiß-Artwork verzaubern lässt. Und dann gibt es da noch jene feinen, etwas moderner wirkenden Geschichten aus der Stadt oder mit dem Meer, wo Taniguchi mit ganz leiser Stimme ganz große Storys zu erzählen weiß; Geschichten wie die über den alten Bärenjäger oder den letzten Gesang des Blauwals brauchen keine Empfehlung oder Analyse - sie sprechen bei der Lektüre für sich und klingen angenehm lange nach.

 

So zeigte letztlich schon dieser erste Auftritt von Jiro Taniguchi auf dem deutschen Comicmarkt, was für ein fantastischer, vielseitiger Erzähler und großartiger Zeichner er doch ist. Länge, Thema und Zielgruppe scheinen für ihn nur Randerscheinungen - die Geschichte selbst steht klar im Mittelpunkt und entfaltet sich entsprechend.

 

Egal ob bekennender Manga-Freak oder skeptischer Superheldenleser - wer Jiro Taniguchi liest, macht garantiert nichts falsch. Schließlich liefert der nach eigener Aussage »europäischste japanische Manga-Künstler« quasi mit jedem Werk literarische Comic-Geschichten, wie sie besser nicht sein könnten.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

Der Wanderer im Eis

von Jiro Taniguchi

Paperback m. Klappenbroschur, 240 Seiten

Schreiber&Leser, Oktober 2006

ISBN: 3937102493

Erhältlich bei: Amazon

Zusätzliche Infos

Leseprobe & mehr auf der Verlagshomepage


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Erstellt: 27.05.2008, zuletzt aktualisiert: 03.11.2015 19:11