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Kolumne: Des echte Leben

Autor: David Grashoff

 

In jedem Menschen steckt auch ein kleiner Voyeur.

Anders kann ich mir das große Interesse an Fernsehsendungen wie dem Promidinner, nicht erklären, in der X-Promis (die man eigentlich schon verdrängt glaubte) mit ihrer Inneneinrichtung protzen, oder Mein neues Leben XXL, wo Jacqueline aus Mettmann sich wundert warum in Finnland keiner Deutsch spricht. Ich habe in den letzten Jahren alles gesehen was das Leben an Elend und Glück parat hält: junge Ehepaare mit einem 42“ LCD-Flachbildschirm und Schulden wie ein afrikanischer Großstaat, asoziale Kinder bei denen man beim Anblick der Eltern versteht warum sie so geworden sind, Fettabsaugungen, Liebe, Trauer, Leid, das volle Programm und das alles auch noch ohne mit dem Arsch vom Sofa hochgekommen zu sein. Ich kann inzwischen auch Menschen verstehen, die gar nicht mehr arbeiten gehen wollen und es vorziehen den ganzen Tag vor der Glotze zu hängen.

 

Dank Reality-TV brauche ich gar kein eigenes Leben mehr!

Ich kann alles ganz bequem von zu Hause erleben. Ohne mich dafür bewegen zu müssen. Ohne emotionale Beteiligungen. Einfach am Leben der anderen teilnehmen.

Ein Leben an einem Tag.

Das ist nur im Fernsehen möglich.

 

08:40 Schnuller und Schlaflosigkeit – die Baby Dokus-Soap

10:15 Die Nanny-Deluxe – Wie erziehe ich mein Satansbraten

12:00 Pubertät und Flatratesaufen – die Teenie Doku

14:15 Exclusiv Spezial – Studentinnen auf dem Strich

16:25 Absolute Beginners – die Jobanfänger-Doku

18:00 Was machst du? – die Berufs-Doku – Heute: Fleischwarenverkäuferin

20:30 Graue Zeit – Rentner und ihre Freizeitgestaltung

22:00 Pillen und Krampfadern – Drogenkonsum im Altersheim

23:00 Tot-TV – die Bestatter-Doku

 

Aber seien wir doch mal ehrlich. Die meisten dieser angeblichen Reality-TV-Sendungen sind in etwa so interessant, wie das Sexualleben von Schmeißfliegen. Was wir brauchen sind Sendungen, die wirklich nah am Leben sind. Skinhead-TV, eine Sendung bei wir live dabei sein dürfen, wenn die Wehrsportgruppe Recklinghausen Ost (Kampfname: Kahl und Scheel) Ausländer durch die Innenstadt hetzt, oder Autopsie um Acht, wo wir miterleben, wie die Leiche der 63-jährigen und fettleibige Inge Dumbowski vor laufender Kamera obduziert wird, nachdem sie an einem nicht erkannten Magendurchbruch und inneren Blutungen gestorben ist.

 

Wie auch immer die nächste Stufe des Reality-TVs aussehen mag. Ich freue mich drauf! Endlich passiert dann mal wieder etwas Spannendes in meinem sonst so langweiligen Leben!

 

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HMP
Sonntag, 14. September 2008 07:45 Uhr
Köstlich, wirklich köstlich!

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Erstellt: 13.09.2008, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31