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Kolumne: Puttdis und Ophegewist

Autor: Holger M. Pohl

 

Ich möchte – vorläufig! – zum Ende meiner kleinen Exkursion kommen, die uns in die Welt der überflüssigen phantastischen Wesen, die das Universum nicht braucht, führte. Zum Schluss daher noch zwei uns allen wohl bekannte Gestalten.

 

Kennt Ihr den Puttdis? Nein? Ich denke doch! Puttdis ist umgangssprachlich für „Kaputtdiskutierer“. Dabei kann man zwei Unterarten unterscheiden. Zum einen den Prinputtdis, zum anderen den Persputtdis. Ein Prinputtdis ist einer der aus Prinzip alles kaputt diskutieren will. Ein Persputtdis ist einer, der persönlich gar nicht anders kann, als alles kaputt zu diskutieren.

Vom Prinzip her kein Unterschied, am Ende – so es denn ein Ende gibt – ist jede Diskussion zu Tode diskutiert. Herausgekommen ist dabei allerdings nichts – und wird es auch bis in alle Ewigkeit nicht. Denn man hat sich in der Diskussion lichtjahreweit von dem entfernt, worum es einmal ging. Weil…ja weil der charakteristische Lieblingssatz des Puttdis der ist: „Das müssen wir ausdiskutieren!“

Der Prinputtdis ignoriert dabei völlig bewusst den Zeitpunkt an dem eine Diskussion beendet sein sollte, damit man etwas (was auch immer) anfangen kann. Der Persputtdis ignoriert diesen Zeitpunkt, weil er ihn einfach nicht erkennt.

Einem Puttdis mag das Pareto-Prinzip („Mit 20% Deiner Energie erbringst Du 80% Deiner Ergebnisse!“) zwar bekannt sein, doch es ist ihm – bewusst oder unbewusst – völlig gleichgültig. Er vergeudet lieber die restlichen 80% seiner Energie in sinnlosen, überflüssigen und nutzlosen Diskussionen. Puttdis gehören ganz sicher nicht zu denen, die man als „Macher“ bezeichnet. „Macher“ machen…Puttdis diskutieren kaputt.

Wäre es nach diesem Wesen gegangen, dann würden wir heute noch in irgendwelchen Erdlöchern hausen und darüber diskutieren, ob es denn draußen nun gefährlich ist oder nicht. Der „Macher“ ging raus, stellte fest, dass die Dinos weg waren und die Welt nun ihm und seinesgleichen gehört. Wobei „Macher“ durchaus diskussionsbereit sind…bis zu einem gewissen Punkt, an dem sie dann einfach anfangen. Der Puttdis diskutiert weiter…und weiter…und weiter. Und wenn er nicht gestorben ist, dann diskutiert er heute noch.

Nun, kennt Ihr dieses Wesen? Ja? Seht Ihr!

 

Kennt Ihr den Ophegewist? Nein? Ich denke doch! Der Ophegewist hat von nichts eine Ahnung, dafür ist er ständig in Hektik! Voller Hektik delegiert er sinn-, plan- und ziellos irgendwelche absonderlichen Aufgaben in der Gegend herum, die entweder schon längst erledigt sein könnten oder in Ruhe erledigt werden können. Was der der Ophegewist aber anpackt, wird erledigt. Oberflächlich, denn für mehr reicht es nicht. Alles, was er erledigt, wird ziemlich operativ erledigt…Operation misslungen, Patient tot.

Dabei wirkt seine Hektik auf andere – unglücklicherweise oft auf Vorgesetzte, die lediglich die Bewegung sehen – dynamisch und elanvoll und es heißt gerne „Der macht was!“. Hätte der Ophegewist vorher nachgedacht – nur ein ganz klein wenig! –, dann hätte aus dem Tun auch etwas werden können. So bleibt es bei ruinenhaftem Stückwerk…macht aber nichts, denn voller Hektik wird sich in die nächste Operation, sprich Aufgabe gestürzt.

Lieblingsmaterial des Ophegewist ist übrigens Sand…denn dahinein setzt er vieles. Wobei andere es dann wieder freischaufeln dürfen.

Wie furchtbar der Ophegewist ist, seht Ihr schon daran, dass Ophegewist eine Abkürzung für etwas vieeeel Längeres ist. Aber dieses Wesen hat keine Zeit (oder nimmt sie sich nicht), um die Dinge sinnvoll und planvoll anzugehen, denn sein Name ist für ihn Programm: Operative hektik ersetzt geistige windstille!

Der Ophegewist verbreitet vieles, aber sicher keine Ruhe, Sicherheit oder Motivation. Solange er Euch in Ruhe lässt, ist ja alles in Ordnung, doch wehe Euch, wenn Ihr in seine Fänge geratet. Geht einfach davon aus, dass Ihr anschließend a) ein Problem und b) Erklärungsbedarf habt. Den Ophegewist kann man nicht mehr fragen, der segelt längst hektisch irgendwohin…trotz Windstille…oder gerade deswegen?

Nun, kennt Ihr dieses Wesen? Ja? Seht Ihr!

 

Damit nun, wie eingangs geschrieben, ist das (vorläufige) Ende meiner kleinen Exkursion in die Welt der überflüssigen phantastischen Wesen erreicht. Es gibt aber noch so viele von ihnen…aber auch viele andere Dinge, über die ich gerne schreiben will.

In diesem Sinne…und wenn Ihr solchen überflüssigen phantastischen Wesen begegnet, lasst Euch nicht unterkriegen! Ignoriert sie…oder verstellt Euch. Denn Ihr könnt das…diese Wesen in aller Regel nicht, dazu reicht es nicht…

 

 

 

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Erstellt: 31.10.2008, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31