Zurück zur Startseite


 Platzhalter

Dark Ladies 1 hrsg. von Alisha Bionda

Anthologie

 

Rezension von Carina Schöning

 

Rezension:

Kurzgeschichtensammlungen und Anthologien haben leider in Deutschland einen eher schlechten Stand. Während sie im Ausland genauso erfolgreich sind wie reguläre Romane, fristen sie hier eher ein Schattendasein und die wenigen, die veröffentlicht werden sind zudem auch nicht immer besonders gut.

Die Düsseldorfer Autorin Alisha Bionda hat sowohl als Herausgeberin als auch Autorin schon an mehreren Anthologien und Kurzgeschichtensammlungen mitgearbeitet. Für ihr neuestes Projekt Dark Ladies konnte sie die verschiedensten Autoren im Phantastik Genre gewinnen, darunter auch kommerzielle Größen wie Christoph Hardebusch („Die Trolle“, „Stumwelten“), Christoph Marzi („Lycidas“, „Fabula“) und Boris Koch („Schwarzlichter“, „Der Drachenflüsterer“). Aber auch die weniger bekannten Autoren liefern hier interessante und abwechslungsreiche Beiträge ab. Die Anthologie erscheint in zwei Bänden im Fabylon Verlag und handelt wie der Titel schon vermuten lässt von dunklen Damen in der Phantastik wie Hexen, Dämonen. Walküren oder auch rachsüchtige Geliebten und gefallenen Engel. Dabei bekam jeder der Autoren vorab als Inspirationshilfe eine 3D Grafik der Künstlerin Gaby Hylla, die in der Anthologie auch sehr stimmig den einzelnen Geschichten voran gestellt werden. In Farbe kann man diese Bilder übrigens auf der Homepage der Künstlerin bewundern.

 

Nach einem kurzen Vorwort der Herausgeberin geht es auch schon mit der ersten von dreizehn Geschichten los. In „Luzifers Schöpfung“ von Martin Clauß stoßen die beiden Forscher Sid und Nora bei Ausgrabungen in Israel auf einen geheimnisvollen Tempel und treffen Lucifer persönlich, die dann die Schöpfungsgeschichte einfach rückwärts ablaufen lässt.

Weniger religiös, dafür aber recht brutal geht die verschmähte Lilian aus Sabine Ludwigs „Maclath“ vor. Bevor ihr geliebter Mike sich von ihr trennt, zieht sie lieber selbst einen Schlussstrich und beschwört die titelgebende Dämonin.

Auch „Der letzte Pendelschlag“ von Günter Suda handelt von einer nicht ganz so freiwilligen Trennung. Johann forscht bei einem dubiosen Esoteriker nach den Gründen für den plötzlichen Tod seines besten Freundes und erliegt unerwartet den Verlockungen seiner kürzlich verstorbenen Freundin Lucy.

Eva Markert zeigt überzeugend wie kurz und reduziert eine stimmige Kurzgeschichte sein kann und berichtet in ihrem „Eiskalt“ von einem jungen Inuit auf der Jagd.

Ähnlich kurz fällt auch „Das Geheimnis“ von Barbara Büchner aus. Ein namenloses Ehepaar versteckt im Keller ihres Schlosses ein unglaubliches Geheimnis, das nie an der Öffentlichkeit gelangen darf.

Martins Kays „Der Kuss Walhalls“ ist erfrischend modern und anderes. Der Soldat David stirbt mitten im Einsatz im Afghanistankrieg. Obwohl er weder besonders religiös noch gläubig ist, wird ausgerechnet er von der schönen und gefährlichen Walküre Marja vom Schlachtfeld geholt.

Corina Bomanns Beitrag „Der Fluch der Hexengräfin“ erinnert an einen klassischen Schauerroman und ist daher nur mäßig originell. Die verstorbene Hexengräfin hat bei ihrem Tod den Bürgern in Blankendorf prophezeit, dass sie in einer Vollmondnacht vor Ostern wiedergeboren wird und sich dann rächt. Ausgerechnet die neue Hebamme Ina wird mit dem Fluch konfrontiert und muss zusammen mit dem ortsansässigen Pfarrer und den freundlichen Geist eines Schäfers die Wiedergeburt verhindern.

Wesentlich besser gefallen da Harald A. Weissens „Stadttiere“. Die aus den abartigen Experimente eine römischen Offiziers entstandene Mischwesen aus Mensch und Tieren, machen in den dunklen Gassen Zürichs Jagd auf unschuldige Menschen.

Christoph Hardebuschs „Tag und Nacht“ gehört zwar auch zu den eher kürzeren Geschichten, ist aber ausgesprochen atmosphärisch. Während ein namenloser Krieger in einem seltsamen Ritual verstümmelt und gequält wird, rüsten sich seine Verfolger schon für die finale Schlacht.

Ein weiterer sehr origineller Beitrag kommt von Uschi Zietsch, der Mitinhaberin des Fabylon Verlags. In „Dornröschen“ erzählt sie ihre eigene Interpretation des berühmten Märchens der Gebrüder Grimm. Sehr düster und böse, aber auch mit einer hübschen sarkastischen Note.

Mit gefährlichen „Hexenspiele“ vergnügen sich Damian Wolfes Hauptfiguren Debbie und Laura und beschwören eine dunkle Dämonin, die sie nicht so einfach wieder loswerden können.

Lothar Nietsch erzählt in „Thanatos´Muse“ von der Begegnung mit dem leibhaftigen Tod, der aus einem Bild heraus steigt und die Hauptfigur wortwörtlich fast zu Tode tanzt.

In der letzten Geschichte „Die, die tote Herzen bricht“ von Boris Koch wird dann gekonnt Humor mit Erotik vermischt. Ein gefallener Engel muss sich von Satan persönlich zur Animier-Dame ausbilden lassen und fortan die Verdammten in der Wollust-Hölle quälen. Natürlich wird dies auch irgendwann langweilig und sie flieht in die Welt der Menschen.

 

Die Herausgeberin hat insgesamt ein gutes Händchen bei der Auswahl der Autoren bewiesen und präsentiert mit dem ersten Band der zweiteiligen „Dark Ladies“ Reihe eine bunte Mischung mit den verschiedensten Themen. Mal düster und atmosphärisch, mal voller prickelnder Erotik oder eben auch mit einem bösen Augenzwinkern. Die Umsetzung ist hervorragend und die tolle Verarbeitung und Ausstattung des schmalen Klappenbroschur-Bandes runden den positiven Eindruck ab. Zusätzlich zu den stimmigen und zum Teil auch recht detaillierten Innenillustrationen von Frau Hylla gibt es Kurzbiografien zu den ganzen Autoren. Erwähnenswert ist auch das gute Lektorat, denn das ist leider bei vielen Klein- und auch einigen Großverlagen keine Selbstverständlichkeit mehr.

 

Fazit:

Insgesamt bietet der erste Teil der „Dark Ladies“ dreizehn spannende und kurzweilige Geschichten mit düster-fantastischen Hintergrund und Figuren. Wer diese Art von Kurzgeschichten mag, kann bei den dunklen Damen von Alisha Bionda beherzt zugreifen.

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Dark Ladies 1

Anthologie

Hrsg. Alisha Bionda

Fabylon, 24. Februar 2009

Umschlagbilder und Illustrationen: Gaby Hylla

Klappenbroschur, 236 Seiten

 

ISBN-10: 3927071250

ISBN-13: 978-3927071254

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Biographie, Bibliographie, Rezensionen und mehr zu Alisha Bionda

 


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 10.04.2009, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 12:31