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Kolumne: E versus U

Autor: Holger M. Pohl

 

In dem einen oder anderen Forum, das ich so besuche, finden im Augenblick Diskussionen statt, die sich irgendwie ähneln. Und irgendwie etwas typisch ... Deutsches an sich haben. Wir Deutschen lieben die Ordnung. Wir lieben Schubladen. Wir lieben es, wenn die Dinge eindeutig sind. Sind sie es nicht ... dann machen wir sie eindeutig.

 

So kann zum Beispiel Fantasy von Natur aus nichts qualitativ hochwertiges sein. Erstens ist es einfache Kinderliteratur ... Entschuldigung, ist ja gar keine Literatur, sondern Schrott ... also einfacher Kinderschrott. Zweitens ist Fantasy natürlich nie E sondern immer U ... Unterhaltungsschrott.

 

Mir stellt sich dabei die Frage: lest Ihr Bücher eigentlich, weil Euch die Geschichte unterhalten soll oder weil Ihr verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Klassiker seid, der allen Anforderungen genügt und der in die literarische Hall of Fame aufgenommen werden soll? Lest Ihr eigentlich die Geschichte? Oder seht Ihr nur das Handwerkliche, das Literarische, das Wie und nicht das Was? Nicht alles im Leben kann exquisite Spitzenqualität sein. Das meiste ist ganz einfache, reale Handelsware.

 

Gerne unterscheiden wir daher in E-Literatur und U-Literatur (wer auch immer das aus der Musik übernommen hat oder wo es sonst herstammen mag ... und wo es genauso überflüssig ist). E-Literatur ist danach Literatur, die den selbstherrlichen Kriterien irgendwelcher Kritiker genügt und die man gerne und selbstverständlich in einem Atemzug mit den großen Klassikern nennen kann und muss. Nur E-Literatur ist es in den Augen mancher wert, überhaupt Literatur genannt zu werden. U-Literatur ist in aller Regel Schrott ... oder zumindest nichts, was in den Augen dieser Kritiker Anerkennung findet. Wie gut, dass es da die allerwichtigsten Kritiker gibt, für die man in aller Regel schreibt: den Leser!

 

Grob geschätzt würde ich sagen, dass 99% aller Bücher gleich welchen Genres nach dieser E/U-Klassifizierung Schrott sind. (Ich rede hier über Belletristik – nicht über Sachbücher!). Wie gut, dass sich viele Autoren aus dem Bereich der Phantastik von solch überheblicher Klassifizierung nicht abhalten lassen, weiterhin unterhaltsame Bücher zu schreiben. Unabhängig davon, ich kenne kaum einen Kritiker, der unterhaltsame Bücher schreibt. Bücher ja, wahrscheinlich sogar Werke mit literarischem Anspruch ... aber unterhaltsam?

 

Besonders die Fantasy sieht sich solchen Anfeindungen immer wieder ausgesetzt. Aber auch die SF, Horror usw. stehen solchen Einschätzungen immer wieder gegenüber. Manchmal drängt es mich förmlich dazu, diesen Klassifizierungsfreunden und Kritikern, diesen E-Literaten und E-Fetischisten entgegenzuhalten: OK, wenn Euch die Sprache und der Stil dieser Werke nicht gefällt, wenn es Euch zu einfach und platt ist, Ihr zu wenig „Literatur“ darin seht – macht es doch einfach besser! Schreibt den unterhaltsamen literarischen phantastischen Roman. In der Theorie könnt Ihr es (wie Ihr durch unzählige Zitate irgendwelcher Fachbücher beweist)! Ich schätzte aber mal vorsichtig, mit der Praxis wird es hapern.

 

Würden Verlage nur danach bestrebt sein, so genannte E-Literatur zu verlegen … wären Autoren nur darauf aus, so genannte E-Literatur zu schreiben … würde es viel weniger Verlage geben, viel weniger Autoren, viel weniger Bücher, viel weniger Arbeitsplätze, viel weniger Leser … und welch wunderbaren Geschichten der U-Literatur würden uns entgehen!

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HMP
Mittwoch, 15. Juli 2009 16:09 Uhr
Ich weiß zwar nicht, was Du damit sagen willst ... aber Du wirst schon Recht haben.

simifilm
Mittwoch, 15. Juli 2009 08:43 Uhr
Gähn. Ich weiss eigentlich gar nicht, was langweiliger ist – die angeblichen Verfechter der Trennung zwischen E und U, oder die vermeintlich ach so freien Geister, die mit den ewig gleichen abgestandenen Argumente gegen diese Trennung anrennen und dabei vor allem die Vorurteile reproduzieren, die sie der Gegenseite vorwerfen.

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Erstellt: 22.06.2009, zuletzt aktualisiert: 19.09.2016 18:31