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9 Fragen- 9 Antworten : Michael Haitel, pmaschinery und Andro SF

Redakteur: Michael Schmidt

 

Fantasyguide: Hallo Michael. Stell dich doch unseren Lesern mal vor!

 

Michael Haitel: :

Ich bin Jahrgang 1959 und arbeite hauptberuflich als Netzwerkadmin. Ich war schon mal zwischen 1980 und ca. 1992 aktiver SF-Fan, habe dann ein „Päuschen“ eingelegt, bis ich 2006 wieder zurückkehrte.

 

Fantasyguide: Du bist Mitglied und Aktiver beim SFCD. Was ist der SFCD und beschreibe mal deine Rolle

 

Michael Haitel: :

Der Science Fiction Club Deutschland wurde 1955 – u.a. von Walter Ernsting (aka Clark Darlton) – gegründet und ist damit der älteste, heute noch bestehende SF-Verein. Zuletzt war der Verein ein wenig müde geworden, und als ich 2006 wieder einstieg, hatte ich mir vorgenommen, doch einmal zu schauen, ob man aus dem „alten Hund“ nicht noch was machen könnte. Ich sehe heute die Aufgabe des Vereins als die eines Dienstleisters, kurz formuliert: Wenn es irgendetwas gibt, das der Verein für irgendetwas, was auf dem SF-Sektor in Deutschland (und gerne auch darüber hinaus) stattfindet, tun kann, dann sollte er das auch tun.

Ich selbst bin Herausgeber und Chefredakteur des Vereinsmagazins, der ANDROMEDA NACHRICHTEN, und versuche – bislang nicht ganz ohne Erfolg – aus diesem Magazin ein Vorzeigeobjekt des Vereins zu machen. Es gibt die üblichen kritischen Stimmen zu dem Preis, aber ich bin recht stolz darauf, 2009 mit den ANDROMEDA NACHRICHTEN den European SF Award für das beste Fanzine erhalten zu haben.

Ansonsten kümmere ich mich um die Website des Vereins, bin Moderator im SFCD-Forum, beteilige mich am SFCD-Blog, versuche da und dort unterstützend zu wirken, was halt geht, was sich zeitlich unterbringen läßt.

 

Fantasyguide: p.machinery ist dein Verlag. Erzähl uns doch mal kurz die Verlagsgeschichte.

 

Michael Haitel: :

Ein eigener Verlag ist mein alter Traum gewesen. Kennt man ja. Die Fans der 80er hatten gerne sowas im Hinterkopf: „Hach, selber SF schreiben und berühmt werden, hach, selber SF-Bücher verlegen.“ Damals war das schwierig, meist sogar aussichtslos. Heute sind die Möglichkeiten besser. Man ist älter, verdient gut, die technischen und verlegerischen Möglichkeiten sind ganz andere.

Angefangen hat p.machinery mit einer völlig anderen Stilrichtung: Ikebana, der japanischen Blumensteckkunst. Eine Freundin, selbst Ikebana-Künstlerin, suchte nach einem Buch, das Anfang der 80er im Ulmer Verlag erschienen war. Ich sollte mal im Internet schauen … Aber keine Chance, das Werk, das in einschlägigen Kreisen einen besonderen Ruf hatte, war ums Verrecken nicht zu kriegen. Also kam ich auf die Idee, es selbst neu aufzulegen. Der Verlag hatte nichts dagegen, da gab es gar kein Interesse mehr an dem Buch. Und die Autorin wohnt zum Glück in der Nähe von München. Es war eine schöne Zusammenarbeit und ich habe viel über Ikebana gelernt :)

Im Moment ist das Buch vergriffen, aber es wird noch in diesem Jahr eine Neuauflage geben.

 

Fantasyguide: p.machinery ist ein Gemischtwarenladen. Es gibt Bücher über Hunde, Malta, Reiseführer und SF. Vor- oder Nachteil? Und warum wählt ihr diesen Weg?

 

Michael Haitel: :

Jede Stilrichtung hat ihren eigenen Markt, gehorcht einerseits grundsätzlich gültigen, andererseits aber auch speziellen Gesetzen. Das Ikebana-Buch war z.B. eine ganz leichte Sache. Der Werbeaufwand war so minimal, wie man ihn sich vorstellen kann: ich habe mehrfach Flyer kopiert, sonst nichts. Trotzdem verkauften sich innerhalb von rund 2 ¼ Jahren 1500 Exemplare des Werkes.

Die Bücher über die Hunde kamen durch Kontakte zustande. Ich war selbst Hundebesitzer, liebe Hunde. Auch das Thema Reisebücher – Reiseführer werden es wohl nicht sein – kam durch Kontakte zustande; Bernd Robker kannte ich über FOLLOW. Malta wiederum ist meine heimliche Liebe, eine Insel, die ich inzwischen fünf Mal besucht habe und von der ich weiß, daß ich immer noch nicht alles kenne. Und SF …

Der „Gemischtwarenladen“ p.machinery, wie du ihn nennst, reflektiert einerseits meine eigenen Neigungen und Vorlieben, andererseits resultiert er eben aus bestehenden Kontakten, die weitere neue Kontakte nach sich ziehen. Beim Thema Ikebana z.B. versuche ich seit einer Weile, noch einen oder vielleicht auch zwei weitere Titel „an Land zu ziehen“. In diesem Bereich weiß ich, „wie der Hase läuft“ – oder wurde in meinem Glauben an mein Wissen jedenfalls bislang nicht enttäuscht :) –, und ich möchte diese Bücher machen, weil ich es schade fände, eine solche Möglichkeit außer Acht zu lassen, warum auch immer.

Ein Vorteil für mich ist, daß ich machen kann, was mir gefällt. Daß es Lesern und Buchkäufern auch gefällt, hat sich am Ikebana-Buch gezeigt; auch die beiden Hunde-Bücher sind gut gelaufen. Ein Nachteil ist möglicherweise, daß ich mir keinen Namen mache als der Spezialverlag für Ikebana, für Hundebücher, was auch immer. Andererseits kann ich für mich da keinen Nachteil drin sehen. Ich bin z.B. Malta-Literatur-Komplettsammler, und ich suche nicht nach Büchern aus dem Verlag XYZ über Malta, sondern Bücher über Malta, egal, von wem sie sind. Ich gehe davon aus, daß auch andere Buchkonsumenten so vorgehen. Und für die potenziellen Käufer, die „mal so“ in einen Buchladen gehen, um ein Buch zu kaufen, lassen sich vielleicht auch mal von einem „Gemischtwarenladen“ anziehen :)

 

Fantasyguide: Erzähl doch mal was über die Titel der SF Sparte

 

Michael Haitel: :

Bisher sind zwei Titel erschienen, naja, eigentlich vier.

Das eine ist die „Metall-Leben“-Trilogie von Jörg Hugger, der 2006 mit seinem „Forscher im Universum der Astralkörper“ einen ersten SF-Band im Eigenverlag vorlegte. „Metall-Leben“ ist Hard-SF, der man die Vorlieben des Autoren – er nennt z.B. K.H.Scheer und Mark Brandis – ansehen kann. Dabei ist die Grundidee mit dem „Metall-Leben“, quasi selbstorganisierende Nanomaterie, ebenso geschickt weitergedacht, wie die Geschichte der Hauptfigur, die nicht ganz so geradlinig verläuft, wie man sich das vielleicht vorstellt.

Der vierte Titel ist der Band 1 der neuen Reihe AndroSF, die ich für den SFCD produziere, gleichzeitig ein sekundärliterarisches Werk. Am Titel „2500 – Die fiktive Zukunft der Menschheit“ kann man schon erkennen, daß es um Perry Rhodan geht. Das Buch wurde anläßlich des am 17.07.09 erschienenen 2500. Band der Serie veröffentlicht. Es soll als Handbuch und Ratgeber für Neueinsteiger und alte Hasen dienen, kein „Brockhaus“ zum Thema, sondern was, um immer wieder mal reinzulesen. Ich selbst habe seit vielen, vielen Jahren – mehr als zwanzig auf jeden Fall – keinen Perry-Rhodan-Roman gelesen, aber nachdem ich das Buch gemacht habe, weiß ich so ziemlich alles über die Serie, was man aktuell wissen muß :)

 

Fantasyguide: AndroSF scheint ja eine Reihe zu sein. Was ist da in Zukunft geplant?

 

Michael Haitel: :

Richtig, AndroSF ist als Reihe gedacht. Aus verschiedenen Gründen – die hier mal keine Rolle spielen – macht diese Reihe der SFCD nicht selbst, sondern sie wird – von p.machinery – für den SFCD gemacht.

Für die Zukunft sind aus jetziger Sicht zu ziemlich gleichen Teilen sekundärliterarische Bücher im Wechsel mit literarischen Werken geplant, wobei letztere vor allem Kurzgeschichtensammlungen darstellen werden, allerdings: keine bunten Mischungen, weder von Stil noch Autoren her, sondern Autorenanthologien: ein Autor, seine Werke. Und bei den bislang vorliegenden Materialien sind einige Namen dabei – aber ich will da nichts verraten, noch nicht.

Es wird im übrigen Wiederveröffentlichungen alter, jedoch aktualisierter Materialien aus dem ANDROMEDA SF MAGAZIN geben; da gibt es noch einige Themen, die fortgeschrieben werden können und sollen. Und es sind auch neue Arbeiten geplant und in Arbeit. Der zweite AndroSF-Band z.B. wird wiederum ein sekundärliterarischer Titel und ist bereits dabei, zu entstehen.

 

Fantasyguide: Als Aktiver des SFCD: Es war doch mal ein Band mit den Gewinnern des DSFP im Bereich Kurzgeschichten geplant. Wäre das nicht was für den Verlag?

 

Michael Haitel: :

Klar. Das Thema ist auch noch nicht vom Tisch. Aber da steckt einiges an Arbeit drin, und noch immer gibt es – auch bei mir – Überlegungen, ob man nicht versucht, mit einer solchen Anthologie an einen „großen“ Verlag – Namen wie Heyne, Goldmann, Bastei wurden erwähnt, wenn ich mich recht entsinne – heranzutreten. Aber gut. Man wird sehen. Ich denke, richtig sinnvoll ist so ein Werk auch zu einem DSFP-Jubiläum, und wenn ich mich nicht verrechnet habe, feiert der DSFP – incl. seiner Vorläufer – in 2010 sein 25jähriges Jubiläum. Dann hätte man eine Anthologie mit 25 Geschichten, und das wäre dann was.

 

Fantasyguide: Erzähl uns doch mal an der Stelle was über den DSFP, seine Geschichte und was ihr für den Preis in Zukunft so geplant habt.

 

Michael Haitel: :

Für den DSFP bin ich eigentlich nicht so der richtige Ansprechpartner, da wäre Thomas Recktenwald, der derzeitige Komiteevorsitzende sicherlich der bessere Mann. Aber gut …

Geschaffen wurde der DSFP in den 80er Jahren, ich glaube, 1985 wurde der damals noch SFCD-Literaturpreis genannte Preis erstmals vergeben. Die Kriterien – die beste Kurzgeschichte und der beste Roman aus dem deutschsprachigen Raum des vorangegangenen Jahres – sind immer noch die gleichen wie damals. Die Arbeit hat sich wahrscheinlich sehr stark verändert, es gibt heute eindeutigere Regeln, eindeutige Bewertungsschemata usw. usf. Natürlich haben sich auch die Komiteemitglieder geändert, das Genre, alles.

Heute ist der DSFP jedenfalls ein durchaus mit Ernsthaftigkeit vergebener Preis. Nicht nur aufgrund der Dotierung gehe ich davon aus, daß die Preisträger sich durchaus geehrt fühlen dürfen, denn das Komitee macht alles, nur es sich nicht einfach, die Preisträger ausfindig zu machen und die Preisvergabe gut zu argumentieren.

Nebenbei sucht das Team immer wieder neue Leute, frisches Blut sozusagen, denn je mehr Mitglieder das Komitee hat, umso mehr kann gelesen werden, umso leichter und schneller kann eine Vorauswahl getroffen werden und umso feiner abgestuft und letztlich klarer sind dann die Ergebnisse.

 

Fantasyguide: Werfe doch mal einen kurzen Blick in die Zukunft und sag uns, was wir in nächster und auch ferner Zukunft noch von p.machinery zu erwarten haben?

 

Michael Haitel: :

Wie oben schon erwähnt, wird es vor allem Bücher aus der Reihe AndroSF geben. Darüber hinaus wird das Ikebana-Buch neu aufgelegt, auch das Hundebuch „Johnny - …“ wird neu erscheinen. Die ersten Titel für die Malta-Reihe sind in Arbeit, und einen Autoren für mehrere Reisebücher habe ich aufgetan, wie es aussieht, auch mit einem Namen, der nicht unbekannt ist. Man wird sehen.

B.a.w. wird das p.machinery-Programm bei BoD erscheinen. Irgendwann einmal, wenn es sich lohnt, wenn auch die Möglichkeiten besser sind als heute, wird sich das vermutlich ändern. Ich nehme mir da gerne den Verlag Dieter von Reekens als Vorbild, wenn ich darüber nachdenke; der hat immerhin auch bei BoD angefangen. Vielleicht stellt sich ja auch irgendwann heraus, daß ich einfach nicht das glückliche Händchen habe, daß es einfach nicht ausreicht, nur gerne Bücher zu machen, dann habe ich mich immerhin nicht finanziell ruiniert.

Die Zeit wird’s zeigen.

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

 

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Erstellt: 29.07.2009, zuletzt aktualisiert: 19.05.2015 22:47