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1001 schneeweiße Nächte

Reihe: Fables

Rezension von Christian Endres

 

Es bräuchte nicht des stattlichen Berges an EISNER-Awards, um Bill Willinghams Vertigo-Schöpfung Fables als eine der besten Comic-Serien der letzten Jahre hervorstechen zu lassen. Dennoch, der Oscar der Comic-Industrie ist eine nette Dekoration für Willingham und seine Märchencrew - noch dazu, da jeder einzelne hochverdient ist. Fables, das ist das zeitgenössische Äquivalent zu Gaimans 90er Jahre Vertigo-Hit Sandman. Wie auch in den Gefilden der Ewigen, brilliert Willinghams Modernisierung der Gestalten aus Märchen, Mythen und Sagen und Fabeln nicht nur in den längeren und komplexeren Storybögen der originalen Heftserie, sondern eben auch in den immer wieder eingestreuten Kurzgeschichten. Fast ein Dutzend dieser kürzeren Abenteuer präsentiert Panini nun in der Übersetzung der Graphic Novel Fables: 1001 Schneeweiße Nächte.

 

Allerdings hat Willingham den darin enthaltenen Kurzgeschichten noch eine Rahmenstory spendiert, welche die kurzen Episoden ummantelt: Sheherazade lässt grüßen, als die im Morgenland gefangene Snow White einem frauenfeindlichen Sultan Nacht für Nacht Geschichten über das Schicksal diverser Fables erzählt, um so dem ungnädigen Beil des Henkers aus Tausendundeiner Nacht zu entkommen. Sie selbst und ihre Schwester Red Rose, die böse Hexe, Bigby Wolf, Reynard Fuchs, King Cole, Prinz Charming, die Sieben Zwerge, der Froschkönig, die drei blinden Mäuse - sie und noch einige andere bekamen von Willingham eine prächtige Story auf den Leib geschrieben.

 

Wie in der Hauptserie verknüpft Willingham auch in den Episoden dieser Graphic Novel geschickt die wichtigsten Figuren und Elemente diverser klassischer Märchen und Volkssagen aus dem westlichen Kulturkreis mit innovativen Eigenkreationen und Ideen. Damit präsentiert er den Lesern einen ganz eigenen und stets sehr fantasievollen Blick auf die adaptierte Welt der so genannten Fables. Diesmal stehen Willingham nicht nur der wandelbare Ausnahmekünstler und reguläre Fables-Zeichner Mark Buckingham, sondern auch Vertigo-Veteranen wie Charles Vess oder John Bolton oder Talente wie Fables-Coverzeichner James Jean (auch das Cover dieses Tradepaperbacks ist übrigens wieder wunderbar anzusehen und hat schon jetzt gute Chancen auf den Titel Cover des Jahres) zur Seite. So ergibt sich am Ende eine durchgehend hochkarätige, abwechslungsreiche optische Mischung. Vor allem Routinier Buckingham, eben James Jean und Jill Thompson begeistern mit ihrem Artwork und den dazugehörigen Storys.

 

Vielleicht ist der Band in seiner Gesamtheit nicht ganz so stark und intensiv wie die ersten vier Sammelbände der »normalen« Heft- bzw. Panini-Sammelbandreihe samt des »Die letzte Festung«-One Shots. Dennoch bietet die wunderbar aufgemachte Graphic Novel ohne Frage eine stimmungsvolle Erweiterung und Ergänzung des Fables-Universums und versüßt die Wartezeit auf den nächsten regulären Band erheblich.

 

Märchenhafter Fantasy-Lesespaß der Edelmarke Willingham - ebenso abwechslungs- wie geistreich!

 

 

Eure Meinung:

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Comic:

1001 schneeweiße Nächte

Reihe: Fables

Autor: Bill Willingham

Zeichnungen: Mark Buckingham,

Charles Vess u. a.

Paperback m. Klappenbroschur

148 Seiten

Panini, Januar 2008

 

ISBN: 3866075480

 

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 25.02.2008, zuletzt aktualisiert: 17.11.2019 13:35