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Morgenrot von Tanja Heitmann

Rezension von Eileen Weinreich

 

Als Lea dem mysteriösen Adam zum ersten Mal begegnet, ist sie hin und weg von seiner zurückhaltenden und gleichzeitig warmen Art. Irgendetwas an ihm zieht die junge Literaturstudentin magisch an. Bald wird Lea allerdings eins deutlich: Adam ist kein normaler Mann. Er ist besessen von einem Dämon, der ausgerechnet sie dazu auserkoren hat, seine Gefährtin und damit ebenso ein Dämon zu werden. Adam will dies aber nicht zulassen und wehrt sich gegen den Willen seines zweiten Ich. Nach einem Kampf auf Leben und Tod zwischen Adam und anderen finsteren Gestalten, verliert Lea den Mann allerdings für einige Zeit aus den Augen Doch Adam hat Lea keineswegs vergessen.

 

Nach einigen Jahren findet Adam Lea wieder und weicht ihr fortan nicht mehr von der Seite. Er führt sie aus dem für das Mädchen unerfindlichen Gründen in eine merkwürdige Gesellschaft ein, die ebenfalls aus von Dämonen besessenen Menschen zu bestehen scheint. Noch ist Lea nicht klar, was Adams Verhalten soll. Doch schon bald setzen sich die Puzzleteile zusammen und Lea gerät in große Gefahr…

 

Kritik

 

Liest man lediglich den Klappentext des Romans, drängt sich schnell der Verdacht auf, man habe es mit „Morgenrot“ mit einem Roman zutun, der ein müder Abklatsch der romantischen Vampirromanreihe der Erfolgsautorin Stephenie Meyer darstellt. Beginnt man dann allerdings mit dem Lesen, stellt man fest, dass dem nicht so ist. Es ist viel schlimmer.

 

„Morgenrot“ von Tanja Heitmann ist ein Roman, wie er unentschlossener kaum wirken könnte. Bis ungefähr zur Hälfte des Romans schwankt die Story zwischen nicht vorhanden, Liebesgeplänkel und einem Hauch Horror. Das dominierenste Element des Romans allerdings ist in der Tat der Fakt, dass es schlichtweg keinen wirklich roten Faden gibt. Im letzten Drittel des Buches will Heitmann offenbar noch schnell so etwas wie einen spannenden Plot konstruieren, dieser allerdings kann den geneigten Leser auch nicht mehr hinter dem Ofen vorlocken. Die Geschichte als Ganzes wirkt zu diesem Zeitpunkt schon so dermaßen platt, dass einem die erzwungenen Wendungen gegen Ende wie eine Beleidigung vorkommen. Hinzu kommt, dass das, was Tanja Heitmann im letzten Drittel ihres Buches als Spannung fördernden Aspekt einfließen lassen will, extrem hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen wirkt. Könnte man „Morgenrot“ bis dahin vielleicht mit viel Wohlwollen als etwas unentschlossenen und ungeschickt gestrickten Teenieroman bezeichnen, raubt einem die Plotkonstruktion am Ende wirklich den letzten Nerv.

 

Ebenso unglaubwürdig und vollkommen kindisch dargestellt ist auch die gesamte Beziehung zwischen dem von einem Dämon besessenen Adam und der inzwischen Doktorin der Literatur gewordene Lea. Man könnte es am treffensten als unmotiviertes Katz- und Mausspiel bezeichnen: Lea ist scharf auf Adam, der sie aber stets und ständig aus vollkommen unerfindlichen und nicht nachvollziehbaren Gründen zurückweist. Statt Lea ihre eigene Stärke beweist und sich von Adam distanziert, spielt sie immer mal wieder die beleidigte Leberwurst, die kurz darauf aber nur eines Blickes aus Adams ach so schönen Augen braucht, um reumütig wieder zurück zu kriechen. Hier stellt sich doch unwillkürlich die Frage: Was will Frau Heitmann eigentlich damit bezwecken? Denn es wollen sich weder Romantik noch Erotik einstellen. Für den Leser ist in keinster Weise ersichtlich, wieso genau Adam Lea eigentlich nicht an sich heran lässt, da er ihr gegenüber ja offenbar auch alles andere als abgeneigt ist. Ein dramatischer oder tragischer Grund lässt sich hier keiner finden. Dementsprechend lässt einen das Ganze Spielchen zwischen Adam und Lea auch vollkommen kalt und lockt nicht das leiseste Gefühl hervor.

 

Rein vom Schreibstil her bietet „Morgenrot“ den typischen Durchschnitt. Der Stil ist recht weiblich, was sich deutlich an den ausufernden Beschreibungen diverser Kleidungsstücke, Umgebungen und paradiesvogelhafter Personen zeigt. Soweit ist dies nicht weiter schlimm, da „Morgenrot“ sicher ohnehin eher das weibliche Leserpublikum als Zielgruppe hat. Heitmanns Stil hat aber dennoch letztlich keinen Wiedererkennungswert. Er ist schnörkellos, die Dialoge sind zuweilen sehr platt und die auktoriale Erzählperspektive verhindert, dass man sich wenigstens ein bisschen in die Geschichte hinein versetzen kann.

 

Alles in allem sollte wirklich jeder die Finger von diesem Roman lassen. Auch, wenn man sich mit erotischer Vampirlektüre einer Lara Adrian beeindrucken lässt oder mit der eher romantischeren Version einer Stephenie Meyer – „Morgenrot“ ist weder Fisch noch Fleisch. Spannungsarmut, eine nicht vorhandene Story, platte Figuren und null Identifikationspotenzial sind hier an der Tagesordnung.

 

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Roman:

Morgenrot

Autor: Tanja Heitmann

Taschenbuch: 496 Seiten

Verlag: Heyne Verlag (8. Dezember 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453532805

ISBN-13: 978-3453532809

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.03.2010, zuletzt aktualisiert: 31.08.2018 17:18