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Das Kind des Tierkreises

Reihe: Missi Dominici, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Auch wenn schon viele Geschichten aus dem „Dunklen Mittelalter“ erzählt wurden, so finden gerade die francobelgischen Autoren immer noch Nischen, in denen sie sich austoben können. Nun, wo die Mythen und Legenden des eigenen Landes schon ziemlich ausgeplündert sind, sucht man nach neuen Orten, an denen man die beliebten Themen in einer anderen Variante erzählen kann.

So weit muss man dazu nicht einmal reisen, denn gerade der wilde Osten Europas ist Heimat vieler unheimlicher Geschehnisse, die sich leicht mit der eigenen Phantasie verknüpfen lassen.

 

So entführen Thierry Gloris und Benoit Dellac in ihrer Serie „Missi Dominici“ in die Gegend um Riga und das 13. Jahrhundert. Ronan Chantilly de Guivre und Ernst Wolfräm sind im Auftrag des Vatikan unterwegs. Sie sollen wie ihre Ordensbrüder als Angehörige der „Missi Dominici“ echte Reliquien einsammeln und nach Rom bringen.

Gerüchte führen den jungen Franzosen und seinen Lehrmeister diesmal in den fernen Ostseeraum. Auch wenn sie sich nicht in die Politik und die Machenschaften des Erzbischofs einmischen, so hören sie doch aufmerksam den Erzählungen über die mordlüsternen Liven, den Gerüchte von einem sogenannten „Kind des Tierkreises“ zu und machen sich ihre eigenen Gedanken. Sie sehen durchaus, dass vieles im Argen liegt und man sie fürchtet, müssen am Ende sogar eingestehen, dass sie sich nicht heraus halten können

Ronan als auch Ernst ahnen, dass hier Dinge vor sich gehen, die nicht nur den Glauben der einfachen Menschen an Gott erschüttern könnte, sondern auch die Kirche selbst. Denn vieles deutet auf übernatürlichen Einfluss hin, dem sie nachgehen müssen.

Denn wie die unbekannten Männer, die als apokalyptische Reiter auftreten oder das „Kind des Tierkreises“ besitzen auch sie besondere Gaben, die sie sehr wohl einzusetzen wissen. Das zeigt sich, als ein Mordaufschlag auf sie verübt wird, der alles von ihnen fordert und ein für alle Mal deutlich macht, dass sie sich nicht aus dem Konflikt heraushalten können, der nicht nur die Liven und die deutschen Ordensritter und Siedler betrifft, sondern auch das Erwachen uralter – vernichtet geglaubter heidnischer Kräfte.

 

„Das Kind des Tierkreises“ ist inhaltlich ein Mix aus Fantasy und Historie, wie man ihn von vielen francobelgischen Comics her kennt.

Auch die Helden unterscheiden sich nicht viel von ihren Kollegen. Da ist der junge und unerfahrene Mann, der sich erst noch seine Sporen verdienen muss, zusammen mit seinem Lehrmeister. Sie beide gehören einem Orden an, der ein wenig mehr über Magie und Okkultismus weiß als so mancher Gelehrte und nicht wirklich brave und züchtige Kirchenleute sind, sondern ihre eigenen Laster haben.

Diese beiden stolpern dann nach und nach in ein Abenteuer, dessen mystische Dimension größer und gefährlicher ist als zuerst vermutet. Das klingt sehr standardisiert, wird aber solide und ohne besonderen Längen oder kryptische Abschweifungen erzählt. Auch das ungewohnte Setting sorgt dafür, den Grad der Neugier zu erhöhen.

Gloris und Dellac nehmen sich Zeit eine bunte Mischung aus Action und Hintergrund zu erzählen, wobei einiges auch noch offen bleibt, um erst in späteren Bänden thematisiert zu werden, gerade was die Gegenspieler der Helden angeht.

Hin und wieder werden auch Klischees bedient (man denke nur an die durch und durch korrupten Kirchenleute, die in erster Linie an ihr wohl denken und Strafe aus Rom fürchten), aber sie fallen nicht all zu sehr ins Gewicht. Die Zeichnungen selbst sind detailreich in den ruhigen Szenen und dynamisch, wenn etwas passiert. Dellac kann die Darstellung der Figuren halten, wenngleich die Gestalten auch sehr schematisiert sind.

 

Alles in allem ist „Das Kind des Tierkreises“, der erste Band der „Missi Dominici“ eine Geschichte, die vor allem Fans mystisch-historischer Fantasy gefallen dürfte, die eine solide komponierte Handlung vor nicht so abgelutschter Kulisse mögen.

 

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Das Kind des Tierkreises

Reihe: Missi Dominici, Band 1

Autor. Thierry Gloris

Zeichner: Benoit „Aries“ Dellac

Farbe: Anouk Bell

Aus dem Französischen von Marcel Le Comte

Missi Dominici 1: L’infant Zodiacal, Frankreich 2009

Comic, Hardcover, 48 Seiten

Ehapa Comic Collection, Köln, erschienen Mai 2010

ISBN-10: 3770433505

ISBN-13: 978-3770433506

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 25.06.2010, zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 18:26