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Alan Wake (PC; USK 16)

Rezension von Cronn

 

Als ich aus dem dunklen Haus trete, erblicke ich die Straße hinab zum Touristenzentrum. Eine Stimme führt mich. Ich kann ihr nicht widerstehen. Ich muss ihr folgen.

Die Straßenlaterne dort unten ist ein Rettungsanker. Wenn ich sie erreiche, dann weiß ich, dass ich in Sicherheit bin. Dann kriegen sie mich nicht.

Sie - die Träger der Finsternis!

Während ich die wackelige Holztreppe hinab zur Straße laufe, denke ich über das Geschehene nach. Noch vor einer Woche war alles in Ordnung gewesen. Doch dann begann das Grauen. Es fiel über meine Frau und mich geradezu körperlich herein.

Die Träger der Finsternis haben Alice! Und nun wollen sie mich! Überall können die Gestalten auftauchen. Eine wabernde Schattenschwärze in der Luft und am Boden kündigt sie an. Dann kommen sie...

Ich laufe über den Kiesweg hinab, erreiche die geteerte Straße und nähere mich dem rettenden Licht der Laterne. Ich muss es erreichen, koste es, was es wolle. Und da höre ich es schon – das Rauschen in den Bäumen, das sie ankündigt; ich sehe die Schatten um mich her wabern. Sie beginnen zu tanzen, als besäßen sie ein Eigenleben.

Plötzlich tritt einer hinter einem Busch hervor – seine Konturen sind unscharf, verwischt, wie Tinte in Wasser. Menschlich schaut er aus, einem Holzfäller ähnlich, wie sie hier in der Gegend häufig anzutreffen sind. Aber doch ist da das Andere in ihm, das ihn zu einem teuflischen Gegner macht.

Mit einer Axt schlägt er zu. Ich weiche ihm aus und tauche unter dem Schlag weg. Dann bin ich an der Reihe. Mit meiner Taschenlampe leuchte ich ihn an. Der helle Lichtstrahl brennt die Dunkelheit aus dem Gegner heraus. Nur wenn sie völlig weg ist, kann ich ihn bekämpfen. Dieser Schutzmantel schmilzt unter dem Lichtstrahl hinfort wie Butter in der Sonne und nun gehe ich zum Gegenangriff über.

Aber halt! Mich trifft ein Wurfgeschoss von hinten! Verdammt, wie konnte ich vergessen, dass sie meistens nicht alleine kamen! Ich taumele nach vorn, renne ein Stück weit und wirbele herum. Dann nehme ich den Feind von vorhin ins Visier meiner Pistole und drücke mehrmals ab. Peitschend knallt der Schuss und hallt von den nächtlichen Bergen wider. Der Gegner sackt getroffen zusammen und verschwindet in einer Feuerlohe. Der zweite Feind ist nun an der Reihe!

Auch diesem brenne ich mit der Taschenlampe die Dunkelheit heraus, so dass er für meine Pistole ein leichtes Ziel wird. Ich lade nach, richte die Waffe auf ihn und dann...bricht eine Planierraupe hinter einem Holzstoß hervor!

Voller Panik werfe ich mich nach rechts, die von Geisterhand gelenkte Maschine ruckt vor und an mir um Haaresbreite vorbei. Ich sortiere mich geistig. Für diesen Poltergeist brauche ich eine stärkere Waffe als die Taschenlampe und die Pistole.

Jetzt wird es Zeit für die Leuchtpistole und die Blengranaten ...

 

Rezension:

Schon diese wenigen Zeilen machen klar, dass ALAN WAKE ein Spiel ist, das die Begriffe „Action“ und „Adventure“ neu definiert. Nach einer langen Wartezeit ist das Game endlich für den PC erschienen, nachdem es zunächst hierfür angekündigt, dann aber von Microsoft zum XBOX360-exklusiven Titel gemacht wurde. Knapp zwei Jahre später durfte Entwickler Remedy Entertainment das Game in Eigenregie für den PC herausbringen. Eine Partnerschaft sind sie mit dem Publisher Nordic Games eingegangen, der das Spiel in die Läden bringt. Und das sogar als „Limited Edition“, auf deren Inhalt später noch eingegangen wird.

Doch zunächst soll diese Rezension mit der Beschreibung der Story begonnen werden.

 

Hintergrund:

Remedy Entertainment, die Macher von „Max Payne“, haben schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie ein gutes Händchen für das Erzählen von interessanten Geschichten haben.

Mit ALAN WAKE allerdings gelingt ihnen ein Meisterstück und es ist schwierig, nicht allzu viel von der Story zu verraten, wenn man deren Faszination beschreiben will.

Die Titelfigur ist ein Schriftsteller, der unter einer Schreibblockade leidet. Mit seiner Frau Alice fährt er daher in den Urlaub nach Bright Falls, einem kleinen Ort im Nordwesten der USA. Doch als die beiden dort angekommen sind, beginnt das Grauen. Alice verschwindet spurlos und Alan Wake wird von seltsamen Gestalten verfolgt, die nur ein Ziel haben – seinen Tod.

Geheimnisvoll ist dabei zusätzlich, dass er auf seinem Weg immer wieder Manuskriptseiten eines Buches von ihm findet, das er nicht geschrieben hat. Die Bewohner von Bright Falls wirken ebenfalls nicht allesamt freundlich. Welche Rolle spielt beispielsweise der auf Berühmtheiten spezialisierte Arzt in seiner Luxusklinik? Und die merkwürdige Frau in Schwarz, die Alan immer wieder in seinen Flashbacks sieht – ist sie eine Hilfe oder eine Bedrohung?

Alan muss sich seinen Dämonen stellen und eine Weg finden, Alice aus der Tiefe der Dunkelheit zurückzuholen.

 

Die Story von ALAN WAKE ist etwas Besonderes. Sie ist voller Wendungen, doch das ist man von guten Spiele-Storys inzwischen gewohnt. Was sie aber zu einer Besonderheit macht, ist nicht nur das durchdachte Ende, sondern auch der exquisite Weg dahin!

Sam Lake, der Storyschreiber von ALAN WAKE, erzählt die Geschichte nicht nur durch Zwischensequenzen, wie in anderen Spielen. Er bezieht sowohl einzelne Gameplay-Elemente, als auch die Spielumgebung in das Storytelling mit ein.

So wird durch das Sammeln von Manuskript-Seiten mehrerlei gewährleistet. Zum einen erhält der Spieler Hinweise auf zukünftige Situationen, kann sich darauf einstellen und auch noch nach Ende der Haupthandlung ein zufriedenstellendes „Aha“-Erlebnis, wenn er dann erkennt, welchen Sinn dieses Manuskript hatte.

Auch erzählt Sam Lake die Story mittels Fernsehsendungen der fiktiven Serie „Night Falls“. Sie beleuchten die Hintergründe und auch ihre Tipps ergeben erst nach Beendigung des Spiels einen tiefergehenden Sinn.

Die Radiosendungen hingegen beziehen sich meist auf Elemente im Spiel, sprich Ereignisse in der Spielwelt und Handlungen von Alan Wake.

Auch die anderen NPC-Charaktere sind tiefergehend gezeichnet und keine bloßen Klischee-Figuren. Jede einzelne hat ihre Beweggründe, ihren persönlichen Hintergrund.

All dies im Verbund erzeugt eine Verwobenheit der Story, die auf dem Game-Markt ihresgleichen sucht - und nicht findet!

Die Story von ALAN WAKE ist einzigartig und großartig! Eine wahre Perle unter den PC-Spielen!

 

Gameplay:

Dahinter steht das Gameplay nur knapp auf dem zweiten Rang. ALAN WAKE spielt sich in der Verfolgerperspektive. Mittels der Taschenlampe brennt man den Gegnern den „Schutzschild“, die Dunkelheit, weg. Erst dann kann man sie bekämpfen. Als Waffen stehen Pistolen, Jagdflinten, Leuchtpistolen, Blendgranaten und Leuchtfackeln zur Verfügung. An einigen Stellen besetzt man auch große Scheinwerfer, aber die sind rar gesät.

ALAN WAKE bemüht sich um Abwechslung. Obgleich man meist durch den Wald läuft, gibt es auch andere Abschnitte, so muss man beispielsweise Anlagen kurzschließen, um weiterzukommen, Strom herstellen, Bossgegner und einen Arenakampf bestehen. Aber gottlob sind die Bossgegner fair zu besiegen und es artet nicht in ein wildes Herumgrenne aus. Überhaupt lebt ALAN WAKE von seiner einzigartig sinistren Atmosphäre. Das Konzept „Licht – Dunkel“ wurde konsequent ins Gameplay übernommen. Straßenlampen sind sichere Plätze und in der Dunkelheit lauert zumeist das Grauen.

Die Gegner kündigen sich durch ein deutlich charakteristisches Geräusch und ein Wabern der Schatten um Alan Wake herum an. Auf diese Weise ist man bereits vorgewarnt, weiß aber noch nicht, wann die Feinde zuschlagen werden – die Folge davon ist: Spannung und Gänsehaut!

Der Kundige freut sich zudem über mannigfaltige Anspielungen auf das Horror- und Thriller-Genre. So entdeckt man Hommagen an Stephen King mit dem Gartenlabyrinth aus „Shining“, Alfred Hitchcock wird mit den im Spiel auftauchenden Rabengegnern geehrt, welche an seinen Film „Die Vögel“ erinnern und auch David Lynchs „Twin Peaks“ stand Pate für das Setting. Sogar „Lost“ wird zitiert, indem auch ALAN WAKE in Episoden aufgeteilt ist, die am Ende mit einem Knalleffekt samt Songtitel enden und die neuen Episoden mit einer Zusammenfassung im Stile von „Was bisher geschah“ beginnen. Damit findet man als Spieler auch wieder in die Story, wenn man mal ein paar Tage nicht gespielt hat. Grandios!

Auch nach dem Ende der Haupthandlung ist ALAN WAKE noch nicht vorbei. Die DLCs „The Signal“ und „The Writer“, welche bei der XBox noch als Bezahl-DLCs zu haben waren, sind bei der PC-Version gratis dabei! Auf die rund zehnstündige Spielzeit des Hauptprogramms darf man also noch ein paar Stunden hinzurechnen.

 

Grafik und Sound:

ALAN WAKE ist vor knapp zwei Jahren auf der XBOX-360 erschienen. Gottlob hat Remedy Entertainment an der Grafikschraube für den PC gedreht. Somit ist das Spiel hinsichtlich der Grafikqualität besser als auf der XBOX, allerdings findet sich die Grafik nicht in der Oberklasse wieder. Hier und da gibt es unscharfe Texturen, die aber meistens geschickt kaschiert wurden.

Ein besonderes Lob gebührt den finnischen Entwicklern für ihr Beleuchtungs-System. Die Lichtquellen, wie Straßenlaternen, Taschenlampen, etc. wirken sehr authentisch. Auch die Nebeleffekte, wie auch die immense Weitsicht tragen viel zur gelungenen Atmosphäre des Titels bei.

Der Sound spielt in einer gesonderten Liga. Wo andere Games beim Soundtrack Abstriche machen, geht ALAN WAKE konsequent seinen Weg in Richtung Cinema. Wummernde Bässe, dröhnende Drums, dann wieder schmeichelnde Streicher und ein harmonisches Piano – der Soundtrack spielt auf der Klaviatur der Musik wie auf derjenigen der menschlichen Emotionen und zwar in virtuoser Weise. Die Songs sind da das Tüpfelchen auf dem „i“ und runden den Soundtrack perfekt ab.

 

Boxinhalt:

In der „Limited Edition“ sind folgende Goodies enthalten: „Alan Wake Files“ in gedruckter Form. Hierbei handelt es sich um eine Story, welche die Geschichte von Alan Wake aus einer anderen Perspektive beleuchtet.

Ebenfalls enthalten ist der Soundtrack als Audio-CD, zwei Bonus-DVDs mit mehreren Making-Ofs und Trailern, sowie einem Musikvideo und den Trailern zu den DLC „The Signal“ und „The Writer“. Dazu gibt es noch sechs Postkarten aus Bright Falls, zum Teil unterschrieben von „Alan Wake“, sieben Sticker und ein DinA3-Poster.

Damit ist diese Edition randvoll mit Bonusinhalten und das auch noch zu einem sehr fairen Preis! Allein der Soundtrack und die Making-Ofs rechtfertigen schon den Kauf dieser Box von daher gibt es eine klare Kaufempfehlung!

 

Fazit:

ALAN WAKE ist ein Hammergame für alle Freunde von Spielen, welche von der Story angetrieben werden. Eine derart verquickte, in sich stimmige und intelligent aufgebaute Geschichte gab es in Computerspielen bislang selten. Einzig einige Folgen der „Silent Hill“-Reihe bieten da annäherungsweise Vergleichbares, aber kein vollkommen adäquates Spielgefühl.

ALAN WAKE hat lange gebraucht, bis er für den PC erschien. Aber es hat sich definitiv gelohnt! Der Publisher Nordic Games hat gut daran getan, diese Perle des PC-Storytellings auf die heimischen Bildschirme zu bringen!

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Eure Meinung:

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Game:

Alan Wake

EuroVideo

Plattform: Windows 7 / Vista / XP

USK: 16

 

ASIN: B0071L6OR4

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 04.04.2012, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50