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Hard Reset – Extended Edition (PC; USK 16)

Rezension von Cronn

 

Rezension:

Als ich auf die Piazza trete, erkenne ich über mir den stählernen Himmel, um dessen gewaltige Mitte sich die blinkende Korona der Oberstadt dreht.

Immer wieder bin ich beeindruckt ob der gewaltigen Kraft, die es braucht, um ein Wunderwerk von diesen Ausmaßen zu schaffen und am Schweben zu halten. Zudem ist es ästhetisch hervorragend gelungen, wenngleich nicht jedermann mit mir einer Meinung sein wird.

Hier unten kommt von der Korona der Oberstadt lediglich das Abwasser in Form von Regen an und hier und da ein wenig Restlicht. Ansonsten versinkt die Unterstadt in Neonreklame-Glitter, Schmutz und zerstörten Reklame-Hologramm-Automaten.

Irgendwo zwischen all dem Unrat soll sich der Verursacher des Leaks befinden, der es den menschenfeindlichen Maschinen ermöglicht hat, in die Stadt einzudringen und für Chaos zu sorgen. Dieser jemand hat die Überwachungssysteme ausgetrickst, sie gehackt und nun haben wir den Salat: überall schwirren vermaledeiten die Maschinen herum!

Ich packe mein Sturmgewehr fester und schreite mit den Armeestiefeln weit aus. Ich habe keine Angst vor den Robotern! Fluchend spucke ich aus. Im Schein der Neonreklame sehe ich im Wasser Schlieren von Öl…

Ein Roboter war hier!

Bevor ich weiter nachdenken kann, springt mich das mechanische Monster aus einer dunklen Ecke voller Müll heraus an. Er wirft mich nach hinten und bearbeitet mich mit seiner Kreissäge, die er unter seinem metallenen Bauch trägt.

Das Sägeblatt fräst einen hässlichen Kratzer in meinen Exoskelett-Brustpanzer, ohne jedoch schweren Schaden zu hinterlassen. Dann ist der Moment gekommen, in dem ich zurückschlage!

Ich lege das Sturmgewehr an, ziele kurz und jage dem heranrasenden Roboter eine Salve Mini-Geschosse in den Stahlleib. Dieser wird nach hinten gerissen, landet auf dem Straßenpflaster und vergeht in einer kleinen Explosion.

Schon will ich meinen Rundgang weiter aufnehmen, als ich das vertraute Geräusch eines Titanen höre. Von links kommend, bohrt sich das hässliche Kreischen in meinen Gehörgang, und ich weiß, dass ich nun härtere Geschosse benötige. Mit einer schnellen Bewegung schalte ich das Sturmgewehr in den Thermo-Granaten-Modus und mache mich bereit.

Soll er nur kommen, der Titan-Roboter! Mich wird er nicht kriegen!

Als drei der Hünen um die Ecke rammen, bleibt mir die Spucke weg. Ärgerlich ziehe ich eine Braue hoch.

Möge der Tanz beginnen!

 

Hard Reset – Extended Edition heißt das neueste Action-Game aus dem Hause Kalypso. Der Publisher hat das Game des brandneuen Entwicklers Flying Wild Hog. Unter diesem Label haben sich ehemalige People Can Fly-Mitarbeiter mit anderen polnischen Game-Entwicklern zusammengetan, die bereits an The Witcher und Sniper: Ghost Warrior, sowie Painkiller gearbeitet haben. Für Know-How ist also bestens gesorgt. Dennoch wurde das schnell angekündigte und bereits im September 2011 im Internet veröffentlichte Werk Hard Reset ob der terminlichen Schnelligkeit kritisch beäugt. Nun liegt die Ladenversion vor, die nochmals von den Entwicklern mit zusätzlichen Inhalten versorgt wurde. Wie gut ist den »Fliegenden Wildschweinen« ihr Erstlingswerk gelungen?

 

Story:

»In der letzten verbleibenden Stadt der Menschen, Bezoar, gerät Major Fletcher, ein kampferprobter Armeeveteran und Soldat der CLN, in einen Konflikt zwischen die zwei größten Feinde der Menschheit. Dabei entdeckt er, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint…«

Der Klappentext zeigt sich recht dünn, und auch die Story von »Hard Reset – Extended Edition« ist nicht groß episch angelegt. Einen Story-Meilenstein sollte man also nicht erwarten. Dennoch animiert die Hintergrundgeschichte rund um Verrat und den Kampf gegen die Maschinen für die Dauer der Spielzeit durchaus und wirkt in sich stimmig.

 

Gameplay:

»Hard Reset – Extended Edition« ist ein Game, das sich retro anfühlt. Weder kann man sich ducken, noch benutzt man Rollenspiel-Anleihen, um dem Spiel andere Facetten zu geben. In »Hard Reset – Extended Edition« geht es vor allem um eines: mit Schnelligkeit und Genauigkeit so viele Gegner wie möglich so schnell wie möglich zu zerstören, um zu überleben.

Zum Retro-Design passt, dass sich Lebensenergie nicht einfach so erneuert, wenn man aus dem Schussfeld geht, sondern man sie durch grün-leuchtende Hilfe-Pakete auflädt, welche getroffene Gegner liegen lassen. Auch Waffenenergie wird auf diese Weise nachgeladen.

Beim Thema Waffen könnte der ein oder andere Gamer gleich laut aufheulen: Es gibt nur zwei Waffen im Spiel!

Aber Halt! Diese zwei Waffen können mittels Modifikationen verändert werden. So wird aus dem normalen Sturmgewehr eine Flinte oder ein Granatwerfer. Ähnlich verhält es sich mit der Energiekanone, der zweiten Waffe von »Hard Reset – Extended Edition«. Durch das Einsammeln von gelben Paketen erhält man Upgrade-Energie. Ist diese voll, darf man eine weitere Funktion der Waffen freischalten. Diese kann man sogar noch in drei unterschiedlichen Stufen ausbauen, so dass die theoretische Waffen-Anzahl sogar noch weiter erhöht wird. Das Upgrade-System funktioniert einwandfrei und nötigt einen zu interessanten Entscheidungen, die sich auf das Gameplay auswirken: nun doch lieber die Magnet-Granaten-Funktion freischalten oder lieber die zielsuchenden Geschosse?

Auch der Kampfanzug darf aufgerüstet werden und bietet dann bessere Zielsysteme oder erhöhte Gesundheit.

Die Gegnertypen sind extrem unterschiedlich designt und passen in das Cyberpunk-Setting. Roboter mit Kreissägen, kybernetische Mischungen aus Mensch und Maschine oder gar titanenhafte Roboter-Monster, die aus einem 50er-Jahre-B-Movie entsprungen sein könnten. Das alles wirkt herrlich überdreht und dennoch nicht vordergründig witzig. »Hard Reset – Extended Edition« nimmt sich und seine Welt ernst. Und das ist gut so.

Leider geht die Performance bei zu vielen Gegnern auf dem Bildschirm arg in die Knie, so dass die Bild-Framerate ab und zu kräftig absinkt.

Zwischen den Level wird die Geschichte durch gezeichnete Storyboards weitererzählt. Diese sind teilweise animiert, mit Sprechblasen versehen und wirken passend zum Setting. Über den Zeichenstil lässt sich streiten, dennoch sind sie nicht auf Grundschul-Niveau, was positiv hervorzuheben ist. Wer auf grob gezeichnete Comics steht, dem werden die Zwischensequenzen gefallen. In den Level selbst gibt es Funksprüche, welche die Level-Ziele hervorheben.

Rätsel gibt es keine, außer dem üblichen „Suche-den-Generator-und-zerstöre-ihn-damit-die-Energiesperre-weg-ist“-Typ. Aber das passt zum Retro-Stil des Games.

Die Entwickler haben der Box-Version des Games sogar noch zusätzliche Inhalte verpasst. Nun gibt es fünf neue Kampagnen-Level, vier neue Gegner-Typen und sogar einen neuen Boss-Gegner. Das ist ein klarer Bonus im Vergleich zur Download-Variante und sorgt dafür, dass beide Daumen nach oben zeigen! Gut gemacht!

 

Grafik und Sound:

Die Grafikengine wurde von »Flying Wild Hog« selbst gestrickt und muss sich nicht hinter anderen Engines auf dem Markt verstecken.

Die Grafik-Engine von »Hard Reset – Extended Edition« brilliert durch ausgezeichnete Licht-Schatten-Effekte. Diese werden durch Wasser- und Partikeleffekte ergänzt und erweitert. Mit Hilfe von hochaufgelösten Texturen zaubert das Game eine dichte Atmosphäre auf den Bildschirm, die für offene Münder sorgt. Derart sogar im nahen Bereich hochauflösende Texturen sind nicht häufig anzutreffen und beeindrucken stark.

Auch der Sound ist vollkommen im grünen Bereich. Hier sitzt einfach alles – von der elektronisch angehauchten Synthie-Musik bis hin zu den fetzenden Explosionen der Roboter und dem knarrigen Waffensound - »Hard Reset – Extended Edition« bietet soundtechnisch gelungenes Futter für die Ohren.

 

Survival-Modus:

In diesem Modus geht es darum, gegen immer stärker werdende Wellen von Gegnern sich zu behaupten. Das macht Spaß, würde aber kooperativ noch besser funktionieren. Vielleicht liefern die Entwickler ja einen derartigen Modus per Patch nach.

 

Fazit:

»Hard Reset – Extended Edition« ist ein Game, das in jeder Programmzeile Retro-Charme zu versprühen scheint. Unter der Oberfläche jedoch ist es aufgrund seiner exzellenten Grafik-Engine und dem Sound-Design absolut auf der Höhe der Zeit.

Das Game ist für Hardcore-Egoshooter-Fans eine kleine Perle und ein Geheimtipp!

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PC-Spiel:

Hard Reset – Extended Edition

Flying Wild Hog/Kalypso, 8. März 2012

Plattform: Windows 7 / Vista / XP

USK: 16

Exklusiv in der Extended Edition

 

  • 4 neue Gegnertypen
  • 1 neuer Boss-Gegner
  • 5 neue Kampagnen-Level mit insgesamt etwa 2 zusätzlichen Stunden Spielzeit
  • 2 neue Level für den Überlebensmodus
  • verbesserte Grafikengine

 

 

ASIN B006MA005C

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 11.04.2012, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50