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Gefährliche Lügen von Amy Kathleen Ryan

Reihe: Sternenfeuer 1

Rezension von Christel Scheja

 

Amy Kathleen Ryan wuchs in Wyoming auf und studierte dort auch Anthropologie und englische Literatur, bevor sie mit dem Schreiben anfing. Heute ist sie eine erfolgreiche Autorin, die von ihrem Handwerk leben kann. Mit „Gefährliche Lügen“ erscheint der erste Band von „Sternenfeuer“, ihrer Science Fiction Saga für Jugendliche.

 

Um die Menschheit zu retten sind vor mehreren Jahrzehnten zwei Schiffe aufgebrochen, um zu einem weit entfernten Planeten zu reisen und dort das Erbe der Erde weiter zu bewahren. Waverly und Kieran sind die ältesten Vertreter der ersten auf dem Schiff „Empyrion“ geborenen Generation. Da sie in das richtige Alter kommen, scheint nun jeder zu erwarten, dass sie auch heiraten und Kinder bekommen werden.

Während der junge Mann nicht abgeneigt ist, und sich wirklich in sie verliebt zu haben scheint, fragt sich das junge Mädchen eher, ob sie wirklich einen Bund mit ihm eingehen will. Sie mag ihn nett finden, er ist klug und aufmerksam – aber kann sie wirklich glücklich mit ihm werden?

Doch ehe sie eine Antwort darauf finden kann, wird das friedliche Leben jäh zerstört, denn plötzlich erscheinen Shuttles aus dem ein Jahr früher gestarteten Schwesterschiff „New Horizon“. Die Besatzung ist ganz und gar nicht freundlich. Sie metzeln viele von denen, die sie begrüßen wollten, nieder und entführen alle Mädchen.

Auf dem anderen Schiff gaukeln sie – allen voran ihre Anführerin Anne Mathers – ihnen vor, dass dies alles nur zu ihrem Besten geschehen ist, denn angeblich habe die „Empyrion“ kurz vor ihrer Zerstörung gestanden.

Waverly kann von Anfang an nicht glauben, was die Fremden sagen und bleibt misstrauisch. Ihre Ängste bewahrheiten sich, als sie Stück für Stück mehr hinter die Wahrheit kommt und erkennt, dass alles, was man ihnen versucht hat, weis zu machen nur Mittel zum Zweck waren.

Zudem ist die Empyrion noch nicht zerstört, aber nahe daran zu explodieren. Während die letzten Erwachsenen unter Einsatz ihres Lebens versuchen, das Reaktorleck zu behandeln, kämpft Kieran darum, die Jungen zusammenzuhalten und ihnen Mut zu machen, nicht ahnend, dass er dabei Mittel benutzt, die bereits die Besatzung der „New Horizon“ verändert hat.

 

Auch wenn die „Sternenfeuer“-Saga auf zwei Raumschiffen spielt und nicht mehr auf der Erde, so gehört die Reihe doch zu den romantischen Dystopien, denn sie vereint die beiden wichtigsten Elemente dieser jungen Spielart der Science Fiction miteinander: eine scheinbar harmonische junge Liebe zwischen einem klugen jungen Mann und einer ebenso hübschen wie gescheiten Protagonistin. Beide sind in einer Welt voller Regeln gefangen, die ihnen lange nicht so viel Freiheit bieten, wie sie denken. Denn mit dem Überfall der Leute von der „New Horizon“ bekommt auch die schöne und heile Welt auf der „Empyrion“ Risse.

Während Waverly am eigenen Leib zu spüren bekommt, wohin wahnhaftes Denken führen kann und wie eine Katastrophe die Menschen moralische und ethische Grenzen vergessen lässt, kämpft Kieran ums Überleben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann er der Anführer werden, den die anderen brauchen – auf der anderen Seite aber geht er genau den Weg, den schon jemand anderer gegangen ist.

So bekommt letztendlich auch die romantische Beziehung zu Waverly Risse, was vermutlich aber erst in Band 2 deutlicher zu spüren sein wird.

Eingehüllt in eine fiktive Geschichte, die sich ein wenig an historische Fakten anlehnt – man denke nur an die Reise der Pilgerväter über den Atlantik in ihre schöne neue Welt – übt die Autorin aber auch Gesellschaftskritik.

Mittels Waverly schärft sie den Blick, mehr auf die Misstöne hinter der heilen Welt, in der die Jugendlichen aufwachsen und deren Fassade man auch später noch aufrecht zu erhalten versucht, bestätigt die jungen Leser darin, die freundlichen Lügen zu hinterfragen. Kieran steht für all diejenigen, die sich dem System anpassen, weil sie keine andere Lösung darin sehen, die anderen zu retten. Zudem macht sie deutlich, dass die Religion auch sehr oft übelst missbraucht werden kann.

Unangenehm fällt auf, dass die Geschichte lange braucht, um in die Gänge zu kommen, vermutlich weil die Autorin erst einmal in ihre Welt einführen will, in der Mitte mehrfach stockt und sich die Ereignisse am Ende überstürzen. Es fällt auch auf, dass die Mädchen weit weniger aktiv sind als die Jungen und sich schneller fügen und damit alte Rollenmuster bestätigt werden.

Die Charaktere sind zwar halbwegs ausgearbeitet, bleiben aber bis auf Waverly und Kieran mehr oder weniger blass, da sie zu Stichwortgebern reduziert wurden, was eigentlich schade ist, da man an ihrem Schicksal nicht ganz so viel Anteil nimmt.

Alles in allem mag am Ende des Buches zwar ein Konflikt gelöst worden sein, ein weiterer aber ist bereits auf dem Weg und wird Waverly wie auch Kieran auf dem Sprung vom Kind zum Erwachsenen begleiten. Spannung ist gewahrt, auch wenn der ein oder andere Leser vermutlich schmerzhaft wenigstens ein Happy End in der Liebe vermissen wird.

 

Alles in allem ist „Gefährliche Lügen“ der erste Band der „Sternenfeuer“-Saga ein solide verfasster Science Fiction-Roman, der sich stellenweise etwas schwer darin tut, seine Botschaft zu vermitteln und leider auch nicht so spannend und dramatisch ist, wie man es sich wünschen würde.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Gefährliche Lügen

Reihe: Sternenfeuer Band 1

Autorin: Amy Kathleen Ryan

gebunden, 425 Seiten

Knaur/Pan, Februar 2012

Übersetzer: Momo Evers und Falk Behr

 

ISBN-10: 3426283611

ISBN-13: 978-3426283615

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B007BLOD7C

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 07.06.2012, zuletzt aktualisiert: 11.06.2019 19:38