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13 Eerie – We Prey for you (BR; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Beginnen wir mit etwas anderem; graben wir doch mal richtig tief im Müll der zeitgenössischen Filmkunst: Sharknado. Genau, richtig gelesen. Ein Machwerk, dass so dermaßen unterirdisch Pfui Bäh ist, dass es fast schon wieder Spaß macht – sofern der Alkoholpegel ein entsprechendes (= bedenklich hohes) Maß erreicht hat. Und wer sich schon immer die Frage gestellt hat, wie sich relativ bekannte und auch halbwegs ernst zu nehmende Darsteller wie Tara Reid oder Ian Zierig in solch eine Gülle verirrt haben, der bekommt zumindest vom 90210-Zierig die entsprechende Auflösung: Geld, um den Lieben daheim Essen und Gesundheitsvorsorge zu bieten. Ganz simpel. Denn wer kein Superstar mit Millionengagen in Hollywoodland ist, den plagen die gleichen irdischen Nöte wie Ottonormalverbraucher.

 

Was uns direkt zu Michael Shanks respektive Brendan Fehr führt. Michael … wer? Brendan … was war das? Ich kann es verstehen, wenn man die beiden Akteure nicht kennen sollte. Okay, Michael Shanks gehörte immerhin gute 10 Jahre zur Stammbesetzung der irgendwie trashigen, irgendwie erfolgreichen TV-Serie Stargate SG-1 (dem Ableger von Roland Emmerichs letztem überzeugenden Spielfilm), und auch ein Brendan Fehr hatte unter anderem in Final Destination (1999) und einem Mini-Mini-Mini-Auftritt in X-Men: Erste Entscheidung (2011) gewissermaßen seine 15-20 Minuten Ruhm – aber seitdem? Insofern und aufgrund von Zierigs Schicksal macht es dann wieder sehr viel Sinn, warum die beiden ausgerechnet in einem B-Movie vom Schlage 13 Eerie wieder auftauchen.

Nicht, dass es das Schlechteste wäre. Wie auch das Casting von einer reinrassigen und gewiss talentierten Scream Queen vom Schlage Katharine Isabelle. Die Dame steht dazu; die Dame hat Ausstrahlung, die Dame hat Talent – und komplettiert damit die ersten drei positiven Ansätze, die einem entweder kurz vorm Genuss des Werks von Regisseur Lowell Dean auffallen oder maximal, wenn der Abspann ein Ende gefunden hat. Das ferner bewusst auf die ausnahmslos handgemachten Spezialeffekte hingewiesen wird, lässt die Erwartungshaltung gleich noch mal ein paar Prozentpunkte mehr steigen. Sofern das gewiss überschaubare Budget nicht alles ruiniert …

 

Doch gemach. Kommen wir erst mal zur Story des Films, die gewiss keinen Preis für Innovationen oder intellektuell hochgestochenen Inhalt gewinnen wird. Wozu auch? Wer solch ein Werk, dessen Monster-Konterfei auf dem Cover schon eindeutig die Marschrichtung vorgibt, aus dem DVD- oder Blu Ray-Regal zieht, der weiß, was er will, was ihn erwartet – und das der Inhalt möglichst rasant und kurzweilig ausfällt und eventuell mal ohne dümmliche Jungfern in Nöten, sexbesessene Teenager und ähnlichen Schnodder auskommt, den wir aus gefühlten 2,5 Millionen mieser Möchtegern-Horrorschocker kennen. Schließlich bedeutet kein oder kaum Geld nicht, dass man innerhalb dieser eng gesetzten Grenzen nicht doch kreativ sein kann!

Was gleich auffällt, ist die ausgesuchte Location: weites Land, jede Menge Natur, praktisch keine Zivilisation. Was einst eine Art insulanes Hochsicherheitsgefängnis darstellte, wurde in der Zwischenzeit von Verfall und Wildwuchs übernommen und irgendwann von Forensik-Ausbildern des FBI entdeckt und sofort als »Bodyfarm« für talentierte Nachwuchs-Rechtsmediziner gesichert; eine Art Trainingslager für all jene, die das Zeug haben, in besagtem Bereich eines Tages Karriere zu machen. Ein halbes Dutzend davon sitzen nun in einem alten Schulbus gen Insel und fragen sich, was sie dort erwartet, während sie nicht umhin kommen, die unheimlichen Hinterlassenschaften von »13 Eerie« mit einer gepflegten Gänsehaut zu goutieren. Aber es kommt ja noch besser, wird man auf dieser verwaisten Insel in Zweierteams abgelegte Leichen suchen und obduzieren, während der eigentlich ganz nette Professor Tomkins (Michael Strait) die ganze Chose hinter seinen Computermonitoren und bei 'ner heißen Tasse Kaffee in einer zum Hauptquartier umgemodelten alten Hütte verfolgt … der Glückskerl.

Aber wie es der Teufel will, muss ja auch immer einen geben, der die Party gehörig vermiest; in diesem Fall den Fahrer des Schulbusses, Ex-Knacki Larry (Nick Moran). War es ihm zunächst noch völlig schnuppe, wohin er den Trupp kutschiert, gerät er beim plötzlichen Anblick eines toten Skinheads völlig aus dem Häuschen. Hat der Mann etwa noch nie einen Toten gesehen? Wusste er denn nichts von Tomkins’ Untersuchungsobjekten aus dem Kühler des Leichenschauhauses? Aber ja. Bloß: diese Leiche trägt einen grellen Gefängnisoverall – und hat mit Larry gesessen. Und außerdem wäre da noch diese eklige, schwarze Brühe, die auf der tätowierten Haut des Verstorbenen klebt. Aber wie es so ist: Larry ist nun mal mit einer zweifelhaften Vergangenheit gesegnet, also nimmt man sein Gefasel nur bedingt für volle Münze. Stattdessen geht die fröhliche Leichenschnitzeljagd munter weiter.

Jedenfalls, bis die ersten sonderbaren Dinge vorfallen. Etwas das plötzliche Verschwinden von Teilen des Proviants. Das vermeintliche Auftauchen unbekannter Gestalten. Schließlich trifft es die beiden Studenten Josh (Brendan Fletcher) und Patrick (Jesse Moss) als erste – und neben der ziemlich untoten Bedrohung gesellen sich Misstrauen innerhalb der Gruppe und eine gehörige Portion Hüttenkoller dazu …

 

Ich sagte ja: Neu geht anders. Aber man merkt schnell, dass Regisseur Dean einen soliden Ansatz, verbunden mit einem Konzept gehabt hatte, als er das Projekt »13 Eerie« anging. Was man über die Legionen anderer Schnellkurbler ja nicht wirklich behaupten kann. Auch wenn sich der Film hie und da beängstigend nahe am Abgrund zum Billig-Trash bewegt und auch die einzelnen Charaktere bisweilen haarscharf am Klischee vorbeischrammen, kriegen beide stets, wenn auch oft im allerletzten Moment, die Kurve. Was neben der grundsoliden Kameraarbeit und der eben wirklich gut ausgesuchten Drehorte zu einem mehr als gerüttelt’ Maß den Darstellern zu verdanken ist. Leute wie Shanks, Fehr oder Isabelle sind eben Profis und als solche nehmen sie ihren Job respektive das ihnen dargebotene Drehbuch trotz etwaiger Limitierungen und möglicher Logiklöcher so ernst wie möglich – und nur so sollte man auch vor allem Genreproduktionen angehen. Und, wer weiß, vielleicht qualifiziert man sich dadurch ja auch zu Höherem …?

 

Doch abermals zurück zum eigentlichen Film. Der kann guten Gewissens als kleine, aber feine Überraschung der positiven Art abgehakt werden. Er liebäugelt zwar mit den typischen Konventionen, wälzt sie aber gottlob nicht aus. So ist die junge Entourage von Professor Tomkins keineswegs ein plumper, notgeiler und trotz ihrer Bildung strunzdummer Haufen, der erst letzte Woche das Teenageralter hinter sich gelassen hat. Stattdessen: Mitt- bis Endzwanziger, denen auch innerhalb der 85minütigen Möglichkeiten entsprechend Freiraum zugestanden wird; die auch mal Zweifel haben oder die Order des Profs infrage stellen. Absolut herausragend – Katherine Isabelle, die gekonnt das letzte aus ihrem Alter Ego respektive ihrer Drehbuchvorlage rausholt und nicht plump, bemüht oder – noch schlimmer - übertrieben wirkt. Sie ist ohne Zweifel gewissermaßen der Shining Star dieser Produktion und schafft es, dass man auch über die zweifellos vorhandenen Mängel drüber weg sieht – beispielsweise wenn eine als Leiche deklarierte Gestalt im Closeup überdeutlich nach Luft schnappt. Dafür kann man in besagter Nahaufnahme und in wirklich hervorragender Qualität das äußerst engagierte Werk der Maskenjungs und –mädels bestaunen, deren Tagewerke absolut berechtigt auf dem Cover angepriesen werden. Hier kommen die Monster nicht aus Photoshop und statt digitalem Blut spritzt echtes von der künstlichen Sorte. Old School und 100%ig überzeugend. Neben Frau Isabelle gibt das einen weiteren dicken, fetten Stern auf dem Fleißkärtchen. Abzüge machen muss man im Gegenzug allerdings an drei Stellen. Erstens: dem Storyaufbau, welcher nicht jedem munden wird. Das erste Mal wird’s nach gut einer halben Stunde rot auf dem heimischen Schirm. Es wird sich eben Zeit gelassen. Subjektiv gesehen hatte ich kein Problem damit, bei anderen könnte es genau umgekehrt sein. Was Regisseur Dean aber bei seinen nächsten Werken definitiv noch auf die Kette kriegen muss ist der Faktor Spannung. Da hapert’s mitunter noch gewaltig. Doch wie gesagt: für ein Debüt alles andere als schlecht.

Dies trifft leider mal wieder nicht auf unsere schnippelfreudigen Genossen von der FSK zu, die im Falle von »13 Eerie« mal wieder einen richtig »guten« Tag hatten. Satte vier Minuten fielen der Schere zum Opfer; mitunter fallen sie kaum auf, wohingegen andere Passagen plötzlich nur sehr bedingt Sinn machen. Hie und da wurden auch die härteren Stellen einfach drin behalten dafür das »Drumherum« entfernt … man muss ja nicht alles verstehen.

 

Fazit:

»13 Eerie« ist gewiss kein Meilenstein des Horror-/Zombie-/Survivalgenres, aber dafür, dass dies Lowell Deans filmischer Einstand ist, schlägt sich der Film erstaunlich wacker und bietet neben den Hauptdarstellern Michael Shanks und besonders Katherine Isabelle ferner mit den absolut überzeugenden handgemachten Masken zwei gewichtige Pluspunkte, dank denen man auch die kleineren bis mittelschweren Makel verzeihen kann. Einzig mal wieder die Schnitte der FSK … für einen kurzweiligen, garstigen Horrorfilmabend reicht’s aber allemal.

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Eure Meinung:

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BR:

13 Eerie – We Prey for you

Originaltitel: 13 Eerie

Kanada, 2013

Regie: Lowell Dean

Sprache: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Region: Region B/2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1

Umfang: 1 BR

FSK: 18

Sony, 17. Oktober 2013

Spieldauer: 87 Minuten (gekürzt)

 

ASIN (Blu Ray): B00EADTRL6

ASIN (DVD): B00EADTRU2

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Katherine Isabelle

Michael Shanks

Brendan Fehr

Brendan Fletcher

Nick Moran

Jesse Moss

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Erstellt: 19.02.2014, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23