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Miss Fishers mysteriöse Mordfälle, Staffel 1

Rezension von Christel Scheja

 

Denkt man an Privatdetektivinnen kommt einem als Zuschauer automatisch „Miss Marple“ von Agatha Christie in den Sinn, und erst später die wenigen modernen Ermittlerinnen, die nicht bei der Polizei angestellt sind und meistens in Amerikas großen Städten agieren und dabei durchaus wissen, wie sie sich verteidigen müssen.

Die australische Serie „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ verbindet beides miteinander, denn sie ist in den 20er Jahren angesiedelt und die Heldin ist keine wohlerzogene, zurückhaltende, britische Lady, sondern eine selbstbewusste Frau, die sich auf dem Parkett der guten Gesellschaft genau so gut zu bewegen weiß, wie auf den Straßen und in den dunklen Ecken Melbournes. Polyband veröffentlicht die erste Staffel der Serie nun in einem schön aufgemachten Digipack im Schuber.

 

1928 kehrt Phryne Fisher in ihre Heimatstadt Melbourne zurück, müde von dem Geplänkel der feinen englischen Gesellschaft, in die ihre Familie durch eine überraschende Erbschaft vor ein paar Jahren aufgestiegen ist. Sie will ihr Leben nicht länger von den Konventionen Londons bestimmen lassen und es selbstbestimmt weiter führen. Zudem lässt ihr das Verschwinden ihre Schwester Janey immer noch keine Ruhe. Sie will um jeden Preis herausfinden, was vor vielen Jahren passiert ist und den Mörder endlich seiner gerechten Straße zuführen.

Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird sie in einen Mordfall verwickelt. Eine Freundin verliert überraschend ihren Mann durch einen Giftanschlag. Doch wer ist dafür verantwortlich? Bei der Suche nach Antworten erkennt Phryne ihre Bestimmung und gewinnt in Dorothy „Dot“ Williams eine sehr bodenständige Gesellschafterin.

Deshalb beschließt sie sich in der Stadt häuslich einzurichten und als Privatdetektiv zu arbeiten. Das bringt sie immer wieder in Berührung mit Detective Inspector John Robinson und seinem Assistenten Constable Hugh Collins, zu denen sich schon bald so etwas wie Freuntschaft und zu „Jack“ sogar mehr entwickelt.

Auch die Taxifahrer Bert und Cec kommen immer wieder zur Hilfe, wenn Not am Mann ist. Denn Phryne hat ihre eigenen Wurzeln nicht vergessen und ist zu den einfachen Leuten genauso herzlich und freundlich wie zu den Mitgliedern der feinen Gesellschaft.

In der Folge deckt sie einen Abtreibungsskandal auf, klärt den seltsamen Mord in einem Jazzlokal auf, wird gebeten, die Tochter eines Werftbesitzers wiederzufinden und entlastet eine Buchhändlerin, die des Mordes angeklagt wird. Ob im Theater oder in einer Gallery, immer wieder findet sie durch Witz und Verstand, manchmal aber auch durch handfestes Zupacken den Mörder, denn sie kann durchaus kämpfen, mit einer Pistole umgehen, hat nicht nur einen Führer – sondern auch einen Flugschein.

Später ermittelt sie kurzerhand inkognito in einem Zirkus und schickt sogar Dot heimlich als Beobachterin in eine Fabrik, die ihren Arbeiterinnen übel mitgespielt hat.

Nur einer scheint ihr gewachsen zu sein: Murdoch Foyle, den sie in Verdacht hat, der Mörder ihrer Schwester zu sein. Nur konnte ihm bisher nichts nachgewiesen werden. Doch als er mit List und Geschick aus dem Gefängnis ausbricht, wird es ernst, denn er hat es eindeutig auf Phryne abgesehen und scheut sich nicht, jedes Mittel anzuwenden, um sie in die Hand zu bekommen, selbst wenn andere darunter leiden müssenen …

 

Mit „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“ hat Polyband eine Perle unter den Krimiserien veröffentlicht, die nicht nur durch ihre Heldin, sondern auch durch das Setting aus dem Rahmen fällt.

Mit schönen Kulissen und dem bis in kleinste Details passenden Design erwachen die späten 20er Jahre wieder zum Leben. Man fühlt sich nicht nur durch die Kleidung, sondern auch die Einrichtung, die Vehikel und die Lebensart in diese Zeit versetzt. Frisuren und Gesichter stimmen, nichts ist in irgendeiner Form anachronistisch, so dass man sich einfach in diese Zeit fallen lassen kann, die durch die Nähe zum asiatischen Raum noch einen leicht exotischen Flair bekommt.

Wirklich Leben gewinnt die Serie aber erst durch die vielschichtigen Figuren und ihre Entwicklung im Lauf der Episoden. Phryne Fisher fällt bereits aus dem Rahmen, da sie selbstbestimmt in Melbourne lebt und arbeitet, sich mit den Männern auf gleicher Ebene sieht und Fähigkeiten beherrscht, die man von einer Lady eigentlich nicht erwartet. Auch nimmt sie sich das Recht, in der Liebe genau so offenherzig zu sein wie die Männer ihrer eigenen Familie.

Doch so taff sie auch sein mag, sie hat sich auch ein großes Herz bewahrt, was vor allem die Menschen in ihrem direkten Umkreis zu spüren bekommt. Sie nimmt sich nicht nur Dorothys an, die durch die Machenschaften ihrer Heldin ihre Stelle verliert und nicht einmal ein Zeugnis erhält, sondern kümmert sich auch um die scheinbar elternlose Jane, versucht ihr und anderen einfachen Mädchen eine bessere Bildung zu ermöglichen.

Zwischen ihr und Inspector Robinson entwickelt sich schon bald eine interessante Dynamik. Man merkt sehr wohl, dass beide stark voneinander beeindruckt sind, ihre Gefühle aber nicht auszusprechen wagen. Offener, aber amüsanter ist die Beziehung zwischen Dorothy und Hugh, die beide recht schüchtern sind und großen Problemen gegenüberstehen – denn sie ist strenggläubige Katholikin und er Protestant.

Dorothy selbst ist der genaue Gegensatz zu ihrer Arbeitgeberin – sittsam und bodenständig, manchmal etwas irritiert vom Verhalten ihrer Herrin, lernt aber auch sie mit der Zeit dazu, mehr für sich und ihre Interessen zu kämpfen. Aber auch sie hat ein feines Gespür für die Sorgen und Nöte anderer, was sie einmal sogar fast zur Kolumnistin in einer Frauenzeitschrift macht.

Neben all diesen zwischenmenschlichen Interaktionen zieht sich aber auch noch ein roter Faden durch die erste Staffel. Wie ein dunkler Schatten schwebt das Verschwinden von Janey über Phrynes Leben, ist die Schuld, die sie antreibt. Und Murdoch Foyle, der mutmaßliche Mörder taucht nicht nur am Ende auf, seine Machenschaften beeinflussen ihr Leben schon viel früher.

Die Fälle selbst können sich ebenfalls sehen lassen, haben sich die Drehbuchautoren doch so einiges einfallen lassen und mit der Autorin der zugrundeliegenden Romane ständig kurzgeschlossen, um ihre Geschichten mit ihren Vorstellungen abzustimmen. So spielen sie immer wieder in anderen Gegenden Melbournes, beziehen auch die einfacheren Schichten mit ein und sprechen Probleme an, die damals gerne noch unter den Tisch gekehrt wurden, vor allem von der Polizei, selbst so etwas wie Korruption.

Die einzelnen Folgen bieten einen guten Mix aus Abenteuer und Krimi, garniert mit sich dezent entwickelnden Beziehungen. Das alles geschieht vor einer atmosphärisch gestalteten Kulisse, die bis ins Detail stimmt. Auch die Musik ist passend zu den Folgen und Inhalten ausgesucht.

Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit, an Extras gibt es nicht nur ein sehr informatives Booklet, sondern auch einige interessante Featurettes über die Dreharbeiten, in denen Cast und Crew zu Wort kommen.

 

 

Fazit:

 

Wer ein Faible für ausgezeichnete, in sich völlig stimmige Krimis vor historischer Kulisse hat, sollte auf jeden Fall zu „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle greifen, denn hier stimmen Inhalt und Gestaltung. Abwechslungsreiche Einzelepisoden und ein sich durch die Staffel ziehender roter Faden, sorgen von Anfang bis Ende für Spannung und machen jedenfalls ziemliche Lust auf weitere Geschichten um die Ehrenwerte Miss Fisher!

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Eure Meinung:

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MEDIUM:

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle Staffel 1

Regisseur(e): Tony Tilse, Daina Reid, David Caesar, Kate Dennis, Emma Freeman

Künstler: Roger Lanser, Shelley Birse, Elizabeth Coleman, Chris Corbett, Deborah Cox, Ysabelle Dean, Liz Doran, Kelly Lefever, Jo Martino, Michael Miller

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 5

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 24. April 2015

Produktionsjahr: 2012

Spieldauer: 728 Minuten

ASIN: B00SZFQJ3O

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Essie Davies

Nathan Page

Ashleigh Cummings

Hugo Johnstone-Burt

Miriam Margolyes

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Erstellt: 04.05.2015, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56