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Charleens Counsel im Juli: Haben wir Vorurteile?

Liebe Leser,

 

herzlich Willkommen zur ersten Ratgeberkolumne im Fantasyguide. Ich bin Charleen, Teilzeitbuchhändlerin, Liebhaberin der fantastischen Literatur und nun auch Ratgeberin für die kleinen Fragen des Lebens und die großen Fragen der Fantasy und Science-Fiction Fans. Fragen für zukünftige Kolumnen können gern an meine Mailadresse geschickt werden (charleen@fantasyguide.de).

 

Für meine erste Kolumne möchte ich gern diskutieren, welche Rolle das Geschlecht des Autors bei der Auswahl unseres Lesestoffs spielt.

 

In meinen eigenen Regalen ist mir aufgefallen, dass auf 20 männliche Autoren circa 10 weibliche kommen. Ich glaube, damit liege ich ungefähr im Durchschnitt. Klar, epische Fantasy im Stil von Song of Ice and Fire oder First Law wird eher nicht von Frauen geschrieben, aber auch die Damen haben einiges zu bieten. Jonathan Strange and Mr. Norrell von Susanna Clarke oder die All Souls Triology von Deborah Harkness sind ebenso episch und großartig, jedoch vielleicht nicht jedermanns/fraus Geschmack. Aber mal ehrlich, entscheidet der aufgeschlossene Leser tatsächlich nach Autorennamen? Durch meine Arbeit habe ich die meisten Fans eher als total offen erlebt. Ich kann und will mir ehrlich gesagt auch einfach nicht vorstellen, dass jemand aus »unseren« Kreisen sich für ein Buch nicht entscheidet, weil es von einer Frau geschrieben wurde. Hey, und was ist mit Ursula LeGuin? Sie hat doch bestimmt auch viele männliche Fans!

 

Ich glaube eher, dass es bei der Auswahl darum geht in was für eine Geschichte wir eintauchen möchten. Dabei ist es den meisten doch ziemlich egal, wer diese Geschichte letztendlich geschrieben hat. Also keine Sorge, wir sind keine Sexisten! Wenn jetzt jemand etwas gegen starke, weibliche Charaktere und Figuren hätte, wäre das ganze Thema schon anders. Ich persönlich lese gern von weiblichen Helden, die ihren »Mann« stehen können und gelegentlich den Jungs auch mal zeigen wo es lang geht. Überlegt doch mal, wie aufgeschmissen Ron und Harry ohne Hermine gewesen wären.

 

Also keine Sorge meine Damen und Herren, lest weiter und liebt eure Bücher, Helden und Heldinnen und schreibt mir ganz viele E-Mails mit eurer Meinung zum Thema. Sonstige Fragen und Anregung sind natürlich auch willkommen. Bis zum nächsten Mal,

 

eure Charleen

 

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FrankW
Donnerstag, 23. Juli 2015 12:43 Uhr
Da habe ich doch gleich mal spontan meine Fantasy-Ecke durchsucht, und was musste ich feststellen? J.K. Rowling ist doch tatsächlich die einzige Frau, die dort zu finden ist. Das war mir bisher überhaupt noch nicht aufgefallen. Allerdings muss man sagen, dass Rowling vom kommerziellen Erfolg her wohl jeden anderen Autor - egal ob Frau oder Mann - in den Schatten stellt.

Zur in der Kolumne erwähnten Hermione aus "Harry Potter" muss ich allerdings anmerken, dass Rowling als Frau Hermione trotz all der Situationen, in denen sie Harry beisteht und selbst in Gefahr gerät, an diversen Stellen doch auch direkt cliché-mäßig Mädchen-haft darstellt.

(Im Gegensatz dazu erzählt z.B. Jonathan Stroud als männlicher Autor seine "Lockwood & Co."-Geschichten aus der Sicht eines nicht cliché-haften Mädchens in der Ich-Form.)


Da diese Kolumne in Zukunft ja anscheinend öfters geplant ist: Was würdet ihr denn davon halten, zu jeder Kolumne einen gleichnamigen Thread im Forum zu eröffnen? Darin könnte man das betreffende Thema besser diskutieren und nicht nur kommentieren.

Yip
Mittwoch, 22. Juli 2015 17:43 Uhr
Ich, männlicher Fan, liebe LeGuin, v. a. WINTERPLANET & den ERDSEE-Zyklus. In Letzterem v. a. den 4. Band - von einer Szene darin hab ich mir eine Bildmontage gebastelt & die hängt an der Wand neben meinem Bett … LeGuin "owns" Drachen wie niemand sonst! :-D

Im SF-Bereich gibt es eine Menge lesenswerter Frauen: Ich persönlich finde mich mehr bei Kurzgeschichten (= KGen) wieder als bei Epen, und da sind v. a. die 2 Anthologien von Pam Sargent WOMEN OF WONDER (einmal "Classic Years", einmal "Contemporary Years") empfehlenswert. Wow!

Und dann ist da - bei den SF-KGen - ja noch ein gewisser "Herr" Tiptree, der Jüngere. Wenn mensch sich mal ordentlich das Hirn weg blasen lassen will, dann lese mensch "The women men don't see"! Auch als Gegenentwurf zu den heutigen weiblichen Rambos (die ich auch ganz gerne auf Leinwand oder Papier erlebe, aber dann denke, dass das doch nicht alles an emanzipierten Frauen sein kann) …

Pogopuschel
Mittwoch, 22. Juli 2015 17:05 Uhr
Ach, geschrieben wird epische Fantasy (auch in Richtung Martin) durchaus von Frauen. Nur wird sie leider kaum noch auf Deutsch veröffentlicht. In den 90ern gab es da deutlich mehr Autorinnen, die neben Martin, Jordan, Goodkind, Feist usw. in den Regalen standen. Aber auch heute noch gibt es epische Fantasy von Frauen, man muss sie nur finden. Z. B. Kate Elliot (Sternenkrone), Melanie Rawn (Drachenprinz), Janey Wurts (Der Fluch des Nebelgeistes), Mercedes Lackey, die kürzlich verstorbene Tanith Lee, Barbara Hambley, Maggie Fury (Der Schattenbund), Patricia A McKillip (Riddlemaster of Hed), Jennifer Roberson (Schwerttänzer), C. J. Cherry (Morgaine-Zyklus), Kristine Kathryn Rusch (Buch der Fey), Meghan Whelan Turner, Jacquelin Cary, Anne Bishop, J. K. Jesmin, Elisabeth Bear, Celia S. Friedman (im Deutschen zunächst als C.S. Friedman vermarktet, damit man nicht direkt merkt, dass es sich um eine Frau handelt) uvm.

Die sind jetzt natürlich nicht alle mit Martin und Abercrombie vergleichbar, aber von fast jeder Autorin gibt es Werke oder zumindest Elemente in den Werken, die in Richtung düstere grim-and-gritty-Fantasy gehen oder ein episches Intrigengeflecht wie bei Martin enthalten.

In meinem Regal dominieren aber auch die Männer, 70:30 würde ich sagen. Name, Geschlecht und Herkunft der Autorin oder des Autors sind mir bei meiner Bücherwahl aber vollkommen egal, mir geht es um die Geschichte - die muss mich reizen. Ob Frauen da jetzt anders schreiben? Oder ob die Verlage schon eine Vorauswahl treffen, die zu einem solchen Ergebnis in meinem Regal führt? Ich weiß es nicht.

Ursula K. Le Guin lese ich auch sehr gerne, wobei mir ihre Science Fiction etwas besser gefällt. Die Lektüre von Erdsee ist aber auch schon zu lange her, um da noch ein qualifiziertes Urteil abzugeben.

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Charleens Counsel


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Erstellt: 21.07.2015, zuletzt aktualisiert: 18.03.2017 14:23