Der Hexer von Salem

Rezension von David Grashoff

 

Was passiert eigentlich wenn man Cthulhu mit einer Atombombe bewirft? Er kommt wieder und diesmal strahlt er! So oder so ähnlich steht es im Cthulhu Now Band und bringt die Aussichtslosigkeit des Kampfes der Menschen gegen die großen Alten auf den Punkt. Welche Perspektive hat schon ein Charakter bei Cthulhu? In Ruhe Alt werden sicherlich nicht. Vielleicht den Wahnsinn? Ein grauenhafter Tod? Vielleicht gleich beides zugleich?

Auf jeden Fall stehen die Chancen, dass ein Charakter zum gefeierten Helden des Guten wird, eher schlecht. Diese Aussichtslosigkeit, dieser Kampf gegen einen übermächtigen Gegner, ist auch der Grund warum einige Spieler vor einer Cthulhu Kampagne abschrecken.

Für Spielleiter, die nicht auf eine gepflegte Runde Cthulhu verzichten möchten, dabei aber auch den Wunsch ihrer Spieler nachkommen möchten, nach Charakteren die etwas besser sind als ein durchschnittlich Menschen, gibt es jetzt Der Hexer von Salem.

Wem jetzt Erinnerungen an die alten Zeiten kommen, in denen man an der Bahnhofsbuchhandlung oder in Unterführungen an Rondells mit jede Menge Groschenromane – oder wie man heute in Euro-Zeiten sagt Heftromane - stieß, liegt gar nicht verkehrt, basiert dieses eigenständige Cthulhu Produkt doch auf die gleichnamigen Serie, die von Wofgang Hohlbein geschrieben wurde, und für viele junge Leser den Einstieg in den Cthulhu Mythos gewesen sein dürfte.

 

264 Seiten stark ist dieses Hardcover Buch, das gewohnt hochwertig in Design, Layout und Bindung ist, wie man es von den Cthulhu Produkten aus dem Hause Pegasus kennt. Allein das etwas blasse, bräunliche Druckbild trübt etwas das Lesevergnügen. Das Cover zeigt Robert Craven, den Hexer von Salem, vor zwei dämonischen Augen; ein sehr ansprechendes Bild, das schon mal Lust auf mehr macht.

 

Da Der Hexer von Salem ein eigenständiges Rollenspiel ist, das auch ohne das Grundregelwerk von Cthulhu spielbar ist, muss natürlich eine Kurzfassung der Regeln her, was hier auf gut 40 Seiten abgehandelt wird. Dabei ist die Liste der Berufe schon relativ kurz geraten und auch die Fertigkeitsliste ist ein wenig gerafft worden. Der Vorteil ist eine sehr einfache Charakterschaffung, die zügig von der Hand geht, und bei der man Charaktere bauen kann, die wesentlich besser sind, als der Cthulhu Durchschnittscharakter. Dafür stehen ihnen mehr Fertigkeitspunkte und drei mal mehr Trefferpunkte zu und sie können Hexerei lernen und Zauber beherrschen, was weitaus einfacher und ungefährlicher ist als beim großen Systembruder.

 

Hat man sich erst einmal in die Regeln eingearbeitet – was für Cthulhu Kenner kein Problem darstellen sollte – bekommt man einen Einblick in die Welt des Robert Cravens, samt Zusammenfassung aller erschienenen Bücher und Hefte. Wer die Serie nicht kennt, sollte sich zumindest diesen Abriss der Abenteuer des Hexers zu Gemüte führen, um die Atmosphäre des Spieles zu erfassen, die sich doch grundlegend von der des „normalen“ Cthulhus unterscheidet. Das wird einem dann auch im nächsten Kapitel schnell klar, in dem die Geschöpfe des Mythos a la Hexer vorgestellt werden. Dabei fällt auf, dass die meisten Kreaturen ein wenig entschärft wurden, wenn auch die großen Alten natürlich immer noch ein paar hundert Nummern zu groß für die Charaktere sein dürften.

 

Der komplette Hintergrund von Der Hexer von Salem ist auf ein actionreiches, dynamisches Spiel ausgelegt. Es darf zwar auch recherchiert und gerätselt werden, doch liegt hier das Hauptaugenmerk auf spannende und actionlastige Abenteuer, egal ob in den viktorianischen 1890er oder den wilden Zwanziger. Dabei ist das vereinfachte Regelwerk sehr hilfreich, weil es ein flüssiges Spiel erlaubt.

Nicht umsonst fällt im Hexer von Salem mehrmals der Begriff Pulp, der den Spielstil des Bandes beschreiben soll. Pulps sind eigentlich nichts anderes als Groschenromane, in dem das Gute und das Böse klar definiert sind, die Charaktere als coole Helden daher kommen, die das Böse mit einem Lächeln im Gesicht bekämpfe. Genau spielt sich Der Hexer von Salem und es macht richtig Spaß das sonst so ernste Cthulhu auf diese Weise zu spielen. Ein wenig Indiana Jones, ein wenig John Sinclair und jede Menge Robert Craven; Hohlbeins Kreation macht auch auf dem Rollenspielparkett eine gute Figur.

 

Den Abschluss dieses Bandes macht ein sehr umfangreiches Abenteuer, samt Handout, von Thomas Finn, das den Charakteren einen guten Einblick in die Welt des Robert Craven ermöglicht.

 

Der Hexer von Salem ist ein absolut empfehlenswertes Buch, das frischen Wind in den rollenspielerischen Cthulhu Mythos bringt. Die Mischung aus Horror und Pulpelementen, eingebettet in das gelungene Setting von Hohlbeins Version des Mythos, kommt sehr gut rüber und erweitert das Lovercraftsche Universum, um eine weitere unterhaltsame Facette.

 

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zuletzt aktualisiert: 17.01.2015 12:10 | Users Online
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