Helligkeit fällt vom Himmel von James Tiptree Jr.

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Eine Novafront zieht an dem entlegenen kleinen Planeten Damiem vorbei und lockt einen bunten Haufen Besucher an: Forscher, Touristen, Heilung Suchende und einen Trupp jugendlicher Pornostars mit ihrem Agenten, der in aufsehenerregender Kulisse einen Film drehen will. Sie alle kommen in dem Gästehaus unter, das von drei Wächtern betrieben wird, die von der Föderation zum Schutz der Bewohner des Planeten abgestellt wurden. Die Dameii sind Wesen von ätherischer Schönheit und mit grauenvoller Vergangenheit. Finster ragt die Vergangenheit in die heiter-erotische Gegenwart und finster scheinen die Absichten einiger der Besucher. Schon bald werden in der kleinen Zwangsgemeinschaft die Masken fallen, wird erneut Gewalt ausbrechen, werden Betrug und Mord, echtes und falsches Heldentum, Schuld und der Drang nach Vergeltung und eine in allem wirkende Liebe und Sehnsucht nach Schönheit in einem großen letzten Gericht enden.

 

Rezension:

Alice B. Sheldon veröffentlichte zwei Jahre vor ihrem Tod ihren zweiten Roman unter ihren langjährigen Pseudonym James Tiptree Jr..

 

Dass ihre Romane neben ihren Erzählungen nur einen geringe Beachtung erfuhren, mag erstaunen, die Lektüre von Helligkeit fällt vom Himmel, mit dem der Septime Verlag seine einzigartige Werkausgabe abschließt, liefert Rückschlüsse auf die Ursachen.

 

»Helligkeit fällt vom Himmel« lässt sich in drei Teile gliedern. Im ersten Teil platziert die Autorin ihre Figuren wie in einem klassischen Krimi von Agatha Christie. Damiem ist eine ferne Welt, die unter dem Schutz einer Föderation steht. Auf dem Planeten selbst betreibt die Föderation nur eine Station mit drei Wächtern: Die junge Administratorin Cory, ihr Stellvertreter und Partner Kip sowie den Arzt Dr. Baramji.

Der Durchzug einer Novafront sorgt für gesundheitsunschädliche physikalische Erscheinungen. Aus diesem Grunde wurde es einer kleinen Gruppe von Touristen erlaubt, als Gast in der Station den Höhepunkt der letzten Strahlenfront zu erleben. Zum Schutz der einheimischen Dameii, Humaniode mit schmetterlingsähnlichen Flügeln, werden alle Besucher streng auf Herz und Nieren geprüft. Doch leider passiert bei der Landung ein Fehler: zwei Reisende werden ungeplant mit abgesetzt, zudem eine der Flugbereiterinnen. Weitere Gäste sind ein elfjähriger Prinz, ein schweigsamer Mann, eine Schwesternpaar, von denen eine im Koma liegend auf einer speziellen Bahre transportiert wird und eine vierköpfige Kinderpornogruppe mit ihrem Manager, die während des Durchgangs der Nova-Front einen Film drehen will.

Es häufen sich Anzeichen dafür, dass diese Gäste Probleme bereiten werden und schnell wird klar, dass es mit den Dameii zu tun haben wird. Denn sie produzieren eine spezielle Flüssigkeit, die einst das teuerste Produkt des Universums war. Skrupellose Verbrecher hatten die Dameii versklavt und die Produktion der Drüsen durch das Foltern der Dameii-Kinder angeregt. Erst massiver militärischer Einsatz seitens der Föderation konnte die Verbrechen beenden. Gerade erst beginnt sich die Population der Dameii zu erholen und die ersten Kinder werden geboren.

 

Alice B. Sheldon häuft Vorzeichen auf Vorzeichen, Warnungen werden ausgesprochen, Nachlässigkeiten und Schwächen der Station aufgezeigt. Es stellt sich nur die Frage, wer und wie wird die tragischen Ereignisse auslösen.

 

Der zweite Teil bringt dann die Katastrophe. Nicht nur ein übergroßes Verbrechen lastet auf Damiem und seine Bewohner, ein weiteres enthüllt sich und es hat unmittelbar mit der Nova zu tun, deren Reste während des Höhepunktes des Geschehens zu beobachten sind.

 

Im letzten Teil werden die Figurenbeziehungen geflickt, neue Perspektiven eröffnet und wie zu Beginn die Vorahnungen, werden Enden aufeinander gehäuft.

 

Es ist schwer, dem Roman geglückte Momente zu entnehmen. Man findet mühelos Stoff für etliche Kurzgeschichten, aber eine stringente Handlung mit funktionierender Dramaturgie fehlt. Es gibt ein Zuviel an dramatischen Ereignissen, Deus-ex-machina-Lösungen, unverzeihliche Fehler der Figuren und ein am Ende kaum auszuhaltender Bombast an emotionaler Bewegung. Mag es ein Alterswerk gewesen sein oder die Schwierigkeit, sich auf ein schmerzhaftes Lektorat einzulassen, der Roman ist gründlich misslungen. Dabei finden sich einige autobiographische Bezüge in ihm. Die Rangerstation und ihre Aufgaben erinnern an Alice’ Jugendreisen durch Afrika, das Verhältnis von Cory und Kip klingt nach ihrer eigenen Beziehung und die Gedankengänge zum Alter und dem Sterben deuten auf die Beschäftigung der Autorin mit diesen Themen hin. Insofern gehört »Helligkeit fällt vom Himmel« unbedingt in die Werkausgabe, denn der Roman vervollständigt den Blick auf Leben und Werk dieser großartigen SF-Autorin. Man sollte ihn jedoch nicht als Einstieg nutzen.

 

Fazit:

»Helligkeit fällt vom Himmel« von James Tiptree Jr. ist ein Werk jenseits der berühmten Erzählungen Alice B. Sheldons. Es komplettiert die meisterhafte Werkausgabe des Septime Verlages, stellt aber im Gegensatz zu den Erzählungsbänden kein Muss für SF-Fans dar.

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Eure Meinung:

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Buch:

Helligkeit fällt vom Himmel

Original: Brightness Falls from the Air, 1985

Reihe: James Tiptree Jr. Werkausgabe Band 10

Autor: James Tiptree Jr.

Übersetzerin: Andrea Stumpf

Gebundene Ausgabe, 511 Seiten

Septime Verlag, 19. Februar 2018

Cover: Jürgen Schütz

 

ISBN-10: 3902711477

ISBN-13: 978-3902711472

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B078RRJSC6

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 04.11.2019 16:41 | Users Online
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