Meister der Pyramiden von Artjom Maier

Rezension von Frank W. Werneburg

Klappentext:
Eine Gruppe von hochrangigen Freimaurern führt, auf der Suche nach Wissen, ein uraltes Ritual durch. Kurz darauf erhält die NASA merkwürdige Satellitenbilder von einem ihrer Marsorbiter, auf denen ein unbekannter, fremder Planet auf der anderen Seite der Sonne zu sehen ist. Ist das nur Zufall?
Gleichzeitig macht sich ein daoistischer Meister aus den Wudang Bergen in China, zusammen mit seinem Schüler und einer neuen Schülerin, auf den Weg um die Harmonie im Universum wiederherzustellen. Auf diesem Weg lernen die Schüler viel über die Geschichte des Planeten, über sich selbst und darüber, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als wir auf den ersten Blick erkennen können.

Rezension:
NASA-Mitarbeiter entdecken auf Bildern einer Marssonde einen Planeten, der sich der Erde direkt gegenüber auf der anderen Seite der Sonne befindet. Sofort beginnen hektische Maßnahmen. Auch die anderen raumfahrenden Nationen werden aufgeschreckt. Unterdessen ruft ein alter Dào-Meister in China seinen Schüler dringend zu sich. Er behauptet, ›die Dinge‹ wären aus dem Gleichgewicht geraten. Nur eine Reise nach Ägypten, die unbedingt in Tibet beginnen müsste, könnte letzteres wieder herstellen.

Artjom Maiers Roman fällt etwas aus dem Rahmen, indem er SciFi und Fantasy tief miteinander verflicht. Area 51, ein streng geheimes russisches Marsprojekt und chinesische Mystik werden darin zu einem überraschend rund wirkenden Ganzen verwoben. Während sich die Handlungsstränge in den USA und Russland recht schnell vereinen, bleibt der um den chinesischen Dào-Meister bis zum Ende des Buches völlig unabhängig. Obwohl sie am selben Problem arbeiten, erfahren die Militärs und Wissenschaftler einerseits sowie der Dào-Meister und seine beiden Schüler andererseits nichts voneinander. Und dabei bleibt es auch. Dabei sind die verfolgten Ansätze verständlicherweise vollkommen gegensätzlich. Während die eine eine reine SciFi-Handlung ist, ist die andere eindeutig Fantasy-orientiert. Genau diese weitgehend unabhängig ›nebeneinanderher‹ ablaufenden Genres machen den besonderen Reiz dieses Buches aus. Verflechtungen von Science Fiction und (Urban) Fantasy sind natürlich nichts Neues, der hier beschrittene parallele, aber unabhängige Handlungsweg ist mir aber in dieser oder ähnlicher Form noch nie begegnet.

Dass es in China ein eigenständiges Genre namens Wuxia oder korrekter Wǔxiá gibt, war mir bisher vollkommen unbekannt. Erst der Klappentext dieses Buches brachte mich zum Nachforschen. Die Beschreibung, die die Wikipedia über dieses Genre liefert, entspricht allerdings nicht ganz dem, was der Fantasy-Part dieses Buches bietet. In der Wiki heißt es beispielsweise: »Der Wǔxiá-Roman und der Wǔxiá-Film beschreiben chinesische Schwertkämpfer, Schlachten, Soldaten- und Reiterkämpfe, die überwiegend an historischen oder pseudohistorischen Schauplätzen spielen.« Kämpfe irgendeiner Art fehlen im Fantasy- beziehungsweise Wǔxiá-Handlungsstrang dieses Buches aber völlig.

Der Autor erzählt seine gelungene und (meiner Kenntnis nach) einzigartige Geschichte aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers. Sowohl experimentierfreudigen SciFi- als auch ebensolchen Fantasy-Fans kann ich dieses Buch nur empfehlen.

Fazit:
Science Fiction trifft mystische Urban Fantasy – und das auf eine beeindruckend ungewöhnliche Weise.

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zuletzt aktualisiert: 10.06.2021 20:07 | Users Online
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