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Projekt Erde von Sabrina Kirnapci

Rezension von Christian Lange

 

Anfang März 2006 erschien im Gryphon-Verlag das Erstlingswerk von Sabrina Kirnapci – "Projekt Erde". Der knapp 270 Seiten dicke Roman ist laut Buchrücken eine Mischung aus Abenteuerromen, Science-Fiction, Fantasy und Krimi.

Das Cover (von der Autorin selbst gestaltet) zeigt einen Himmelskörper, geteilt in Tag- und Nachtseite, um den ein Raumschiff kreist. Das Cover ist sehr gut gelungen, erschließt sich dem Leser aber erst, nachdem man den Roman gelesen hat. Der Titel hat konkret mit dem Inhalt zu tun, verrät dem potentiellen Käufer aber ebenfalls nicht viel.

Der Buchrücken gibt neben einem Photo von Sabrina Kirnapci einen kurzen Überblick über die Biographie der Autorin, sowie einen Abriss der Handlung des Romans. Im Innern findet sich eine Danksagung der Autorin, sowie ein paar Seiten Werbung für weitere Bücher des Verlages.

 

Hinweis: Sabrina Kirnapci betreibt eine eigene Homepage (www.sabrina-kirnapci.de), auf der man Informationen über Sie und ihre Projekte finden kann. Es gibt auch ein Forum, über das man mit der Autorin in Kontakt treten kann.

 

Zum Inhalt: Vier Erdenbürger, der alternde Rockstar Castle, Hausfrau Nicole, Naildesigner Steffen und Castle-Fan Luna, werden entführt, um das PROJEKT ERDE vor dem Untergang zu retten. Zusammen mit einem Dichter, einem Magier, einer Göttin und einem Vampir sollen die Vier helfen, die Inspirationsblockade auf der Erde zu durchbrechen.

 

 

Sabrina Kirnapci hat mit "PROJEKT ERDE" ein überzeugendes Erstlingswerk abgeliefert. Geschickt mischt sie verschiedene Genres mit Klischees, aktuellen Bezügen und mixt daraus einen lustigen, spannenden, unterhaltsamen, aber auch zum Nachdenken anregenden Cocktail.

 

Aber der Reihe nach. Romane, die sich aus verschiedenen Literaturgenres bedienen, um etwas Neues zu schaffen, wandeln immer auf einem schmalen Grat. Es ist schließlich nicht vorhersagbar, wie die Leserschaft reagieren wird. Akzeptieren sie den "Stilbruch" und lassen sich auch auf ungewohnte Materie ein?

 

"PROJEKT ERDE" hat sehr gute Chancen, sich eine eigene Leserschaft zu erobern. Die Anleihen aus den verschiedenen Literaturgattungen sind so gewählt, dass z.B. auch ein Fantasy-Laie das Buch problemlos verstehen kann. Dabei hat die Autorin es verstanden, nichts ernst zu nehmen, und doch nichts lächerlich zu machen. Jeder, der ein wenig offen ist, kann sich von diesem Buch bestens unterhalten lassen.

 

Die Figuren, denen sich die Autorin bedient, entspringen ganz bewusst gängigen Klischees. Trotzdem sind sie es nicht. Die Autorin schafft es, hinter die Fassade zu schauen. So schafft es die Autorin, die Figuren sehr schnell für den Leser lebendig wirken zu lassen. Im Laufe der Handlung entwickeln sie sich und entwachsen dem Klischee dem sie entsprungen sind. Allerdings hat es die Autorin nicht immer geschafft, die Handlungen ihrer Protagonisten nachvollziehbar zu gestalten.

 

Die Handlung beginnt langsam. Man begleitet die vier Protagonisten einzeln und nacheinander, während sie in ähnlicher Art und Weise zum "PROJEKT ERDE" gelockt werden. Während die Handlung für Protagonist 1 noch neu ist, schmunzelt man bei Nr. 2, nickt wissend bei Nr. 3 und wartet bei Nr. 4 nur noch auf das zu erwartende Kapitelende. Die Idee der Autorin in allen Ehren, aber hier hat sich wohl bei ihr jenes Phänomen eingeschlichen, dass sie mit dem Roman eigentlich ankreidet.

Trotzdem schafft sie es, nach dem eher ruhigen ersten Drittel den Romans, das Tempo zu steigern, und den Leser zu "zwingen" das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen. Geschickt streut sie in die Handlung Indizien und Hinweise ein, die den Leser spekulieren lassen und ihn mehr als neugierig auf das Ende machen.

 

Doch es sind letztlich nicht nur die Figuren oder die Handlung oder die Genremischung, die diesen Roman ausmachen. Es ist vor allem ein Appell gegen Schubladendenken, Bürokratie, Bevormundung, Schwarz-Weiß-Denken und ein Aufruf zur Kreativität und Toleranz.

Sabrina Kirnapci versteht es diese, ihr scheinbar sehr wichtige Themen, glaubhaft in die Romanhandlung einzubauen, ohne dabei zu sehr mit dem erhobenen Zeigefinger zu agieren. Sie zeigt anhand ihrer witzigen Handlung, wohin eine Gesellschaft geraten kann, die nicht mehr kreativ ist, sondern sich von Bürokratie nur noch verwalten lässt.

 

Fazit: "Projekt Erde" ist ein äußerst gelungenes Erstlingswerk. Sabrina Kirnapci verknüpft gekonnt verschiedene Genres um anhand einer sehr lustigen, unterhaltsamen und spannenden Geschichte, ihre Leser zum Nachdenken anzuregen.

Ein "buchgewordener" Aufruf für mehr Kreativität. Sehr empfehlenswert!

 

PS: Das Buch ist nicht über die großen Online-Buchhändler wie amazon.de zu erhalten. Man kann es aber über die Verlags-Seite www.gryphon-verlag.de oder über einen lokalen Buchladen beziehen.

 

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Projekt Erde

Autor: Sabrina Kirnapci

März 2006 – Gryphon Verlag, München

270 Seiten

ISBN 3-937800-69-7

Erhältlich bei: Gryphon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.03.2006, zuletzt aktualisiert: 05.10.2019 18:58