Final Account

Filmkritik von Cronn

Die Zeit des 1000jährigen Reiches (das aber nur 12 Jahre Bestand hatte) und des Zweiten Weltkriegs ist nun bereits mehr als 70 Jahre zurück. Die Zeitzeugen werden immer weniger und da ist es prinzipiell ein löbliches Unterfangen, deren Erlebnisse filmisch festzuhalten und somit zu dokumentieren.
Der Filmemacher Luke Holland hat mit seinem Projekt Final Account den Versuch unternommen, einige der letzten lebenden Zeugen zu interviewen. Wie gelungen die filmische Dokumentation geworden ist, soll die nachfolgende Rezension aufzeigen.

Verlagsinfo:
»Final Account« ist ein eindringliches Porträt der letzten lebenden Generation von gewöhnlichen Menschen, die an Adolf Hitlers Drittem Reich mitgewirkt haben. Der über einen Zeitraum von zehn Jahren entstandene Film wirft wichtige, aktuelle Fragen über Autorität, Konformität, Komplizen- und Täterschaft, nationale Identität und Verantwortung auf.

Kritik:
Der Regisseur Luke Holland hat im Alter von 14 Jahren erfahren, dass seine Mutter ein Flüchtling war und seine Großeltern im Konzentrationslager von den Nazis ermordet wurden. Das hat sein Leben nachhaltig beeinflusst. Mit Filmen wie Ich war Hitlers Sklave oder Good Morning, Mr. Hitler hat sich das gezeigt.
Im Jahr 2008 hat der Regisseur mit seinem Projekt »Final Account« begonnen, als ihm klar wurde, dass es ein Wettlauf gegen die Zeit wurde, die letzten Zeitzeugen vor ihrem Tod zu befragen. Herausgekommen ist ein eindrucksvolles Dokument, das aber nicht frei von Unzulänglichkeiten ist.

Zu Wort kommen in »Final Account« SS-Wachmänner, Bauern, ein Schüler der Napola-Elitekaderschmiede und andere mehr, die Dritten Reich lebten. Dabei ist der Schwerpunkt auf die SS-Männer gesetzt. Für Kenner der Materie ergeben sich bei der Sichtung des Films wenig neue Aspekte, vieles wurde bereits vorher in anderen Dokumentationen, auch in Büchern, aufgezeichnet.

Doch es gibt Momente im Film, die sehr eindrucksvoll sind und einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lassen, so beispielsweise, wenn ein ehemaliger Napola-Schüler über die Frage nachdenkt, ob er ein Täter ist oder nicht. Hier wird deutlich, welche tiefgehenden Folgen das System der Nationalsozialisten bei den Menschen in der Psyche angerichtet hat. Die Schäden sind immens und gerade das Sich-Selbst-Infrage-Stellen zeigt sich hier als ein Weg, der das Ich-Verständnis der Befragten über die Belastungsgrenze bringt und aufzeigt, dass sie sowohl Täter als auch Opfer sind.

Fazit:
»Final Account« ist ein durchaus wichtiger Beitrag zur Zeitzeugen-Historie, der zwar für Kenner der Materie oft nichts Neues aufzeigt, aber dennoch eindrucksvolle intime Einblicke in die seelischen Nachwirkungen erlaubt.

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zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01 | Users Online
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