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Diner des Grauens von A. Lee Martinez

Rezension von Christian Endres

 

Was passiert, wenn der Duke of Werewolves und der Earl of Vampires in einem ebenso abgelegenen wie abgedrehten Kaff irgendwo in der Nähe von Mexiko landen und den Kampf um ein harmlos erscheinendes Diner aufnehmen, das von den Mächten der Finsternis begehrt wird? Die Antwort liefert Martinez’ spaßiger Debütroman ...

 

Seltsame Dinge geschehen in Rockwood, einem kleinen, unbedeutenden Fleck auf der Landkarte im Süden der Vereinigten Staaten. Ein Friedhof spuckt x-Mal so viele Zombies aus, wie er eigentlich Leichen haben dürfte, und diese Zombies pilgern dann zu allem Überfluss auch noch alle in die gleiche Richtung – zu Gil´s All Fright Diner, um genau zu sein, wo sie der neuen Besitzern Loretta das Leben schwer machen und sie verghoulen – pardon, vergraulen – wollen. Und auch wenn die toughe Loretta mit ihrer doppelläufigen Schrotflinte nicht leicht einzuschüchtern ist und in Sheriff Kopp einen wert- und verständnisvollen Verbündeten hat, ist sie froh, als in einem klapprigen Pick-up zwei seltsame Gestalten vor dem Diner halten und ihr fortan helfend zur Hand gehen, zumal diese beiden Gestalten Erfahrung mit Kreaturen der ewigen Nacht haben – schließlich sind sie ja selbst zwei davon: Vampir Earl und Werwolf Duke. Doch auch das ungleiche Duo bekommt Schwierigkeiten, als die verführerische Tammy alle schwarze Magie, die Rockwood sowieso schon anhaftet, bündelt und das Diner seinen ursprünglichen Zweck erfüllen lässt, um die Rückkehr der Großen Alten einzuleiten ...

 

A. Lee Martinez’ temporeiches Romandebüt verbindet viele Elemente der Fantasy- und der Horrorliteratur, wobei gerade letztere sowohl durch die klassischen, Loveraft’sche Einflüsse, als auch durch »Barker’sche Innovation« vertreten ist. Auch lässt Martinez den Humor in seinem Roman keineswegs zu kurz kommen, und wenn die Zombie-Kühe ihre Besitzer beißen oder der Geisterterrier mutig kleffend auf das ektoplasmatische Böse losgeht, dann ist nicht alles so bierernst zu nehmen und vielleicht auch nicht ganz so ernst gemeint. Auch Fans von Splatter-Filmen kommen zum Teil auf ihre Kosten, wenngleich das ganze auch immer wohl dosiert und unglaublich trocken geschrieben ist, so dass man letztlich gar nicht anders kann, als über die sich in der Sonne auflösenden, über ihre weitere berufliche Karriere debattierenden Ghoule zu grinsen. Spätestens wenn Martinez den neurotischen Earl seine Liebe zu Friedhofswächterin Cathy – einem Geist – entdecken lässt und auch die braven Kleinstadt-Eltern mit ihrem übersteigerten Misstrauen gegenüber ihrer hormongesteuerten Tochter ihr Fett weg bekommen ist klar: Hinter Diner des Grauens (orig. Gil´s All Fright Diner) verbirgt sich weitaus mehr als eine plumpe Parodie oder ein schlechter Horrorroman mit viel Blut und Leichenteilen ...

 

Die solide Aufmachung des Taschenbuchs erfreut vor allem durch das herausstechende Cover, das auch die diversen Originalausgaben geschmückt hat und eigens für das Buch angefertigt worden ist – in Zeiten, da Standard-Cover gleich im Dutzend eingekauft werden, eine erfreuliche Abwechslung, gerade da sich das Cover durch einen ganz eigenen Charme hervortut, den irrwitzigen Charakter des Buches sehr gut nach außen transportiert und damit ein echter, aber auch wahrheitsgemäßer Blickfang und Kaufreiz ist.

 

Fazit: Der Vergleich mit Douglas Adams, mit dem das Buch hochtrabend beworben wird, ist unfair und ähnelt der Unsitte, Autoren humorvoller Fantasy immer sofort mit Terry Pratchett oder Robert Asprin zu vergleichen, was den jeweiligen Debüt-Autoren und ihrem Romanerstling eigentlich von vorne herein jede Chance nimmt, da die Erwartungen einfach viel zu hoch geschraubt werden. A. Lee Martinez’ Debütroman und der darin enthaltene, gelungene Mix aus Horror und Humor hat dann eigentlich auch nur wenig mit den kultigen Werken von Douglas Adams gemein (Humor ist für mich noch kein gemeinsamer Nenner – wo kämen wir denn da hin?), doch will ich mit dieser Aussage nun keine Wertung vornehmen, da es zwischen den Romanen kaum eine Schnittstelle gibt, die einen direkten Vergleich wirklich sinnig erscheinen lässt. Dennoch ist richtig, dass man mit Diner des Grauens tatsächlich seinen Spaß haben kann. Ein gutes Buch mit einigen überraschenden Wendungen, einigen netten Einfällen und vor allem durchgängig hohem Unterhaltungsfaktor und -wert.

 

Wer also auf humorvoll (und vor allem gekonnt!) in Szene gesetzte Stereotypen und Klischees steht, sich von Kraftausdrücken und ein bisschen Sex nicht abschrecken lässt und einfach mal wieder etwas vollkommen anderes aus dem Bereich Phantastik oder Horror lesen möchte, der kann bei Diner des Grauens bedenkenlos zugreifen und sich auf ein paar schöne Lesestunden einstellen – immerhin bekommt man hier als Leser den Weltuntergang mit Pommes Frites serviert ...

 

Kurz und knapp: Vielleicht etwas seichte, aber nichtsdestotrotz verdammt gut gemachte Unterhaltung voller Kurzweil, Wortwitz und Spaß. Zugreifen!

 

 

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Diner des Grauens

Autor: A. Lee Martinez

Broschiert - 344 Seiten - Piper

Erscheinungsdatum: Mai 2006

ISBN: 3492266150

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.04.2006, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57