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Hit the Road, Jack! von Torsten Sträter

Reihe: Jacks Gutenachtgeschichten Bd.3

Rezension von Pascal Kamp

 

Diesen ungewöhnlichen Titel trägt das neue Werk von Torsten Sträter, bei dem es sich um eine Kurzgeschichtensammlung der Reihe „Jacks Gutenachtgeschichten“ handelt. Um genau zu sein: Um den dritten und letzten Teil. Nie wieder Gutenachtgeschichten von Sträter! Sollte man sich nun darüber freuen oder doch lieber trauern?

 

Der Nachfolger der von der Presse hochgelobten Bücher „Hämoglobin“ und „Postkarten aus der Dunkelheit“ kommt im gewohnten Umfang von rund 200 Seiten daher und bietet dem Leser 13 Kurzgeschichten aus Sträters Reich der grotesken Alpträume.

Auch in diesem Buch schreibt Sträter wieder genau so, wie man ihn lieb gewonnen hat, falls man die Vorgänger kennt, oder lieb gewinnen wird, wenn man sie nicht kennt. Sträters Schreibstil gehört für mich zweifelsohne zu den besten des Landes. Und das soll schon etwas heißen! So viel gekonnte Ironie und geniale Metaphern findet man nicht alle Tage!

 

Die Geschichten, teilweise erfrischend kurz, teilweise ungewöhnlich lang, behandeln die verschiedensten Themen, nie jedoch die alten Schreckenselemente, wie man sie von Poe, Lovecraft oder auch King kennt. Sträter schreibt wirklichkeitsnahen Horror. Horror, der sich im Haus nebenan mit den Leuten von Gegenüber abspielt. Ein gutes Beispiel dafür ist wohl der Türke, der in Herne ein Internetcafé eröffnen möchte und mit seinem Cousin dort eine entsetzliche Entdeckung macht.

So geschehen in der Geschichte „lyi geceler, Mr. Lewis“, die wohl mit zu den besten Geschichten des Buches gehört. Auch „unbekannter Teilnehmer“, eine Geschichte, die uns anschaulich erklärt, warum man gefundene Handys lieber nicht anrühren sollte, ist ein wahres Highlight des Buches. Doch leider ist nicht jede Geschichte so gelungen. „Das Dessert“, mit dem das Buch beginnt, wird dem Leser noch etwas fade schmecken und ihm fehlt das gewisse Etwas. „Von Schuld und Schneiderkreide“ ist für mich die schwächste Geschichte des Buches und hat meiner Meinung nach nichts in einem Buch voller Horrorgeschichten zu suchen. Hier geht es nicht um Horror und auch wenn Sträter im Vorwort erklärt, es ginge ihm hierbei darum, „ein Schlaglicht auf einen wahrhaft kranken Geist zu werfen“, erachte ich diese Geschichte für ungeeignet. Nicht misslungen, aber eben ungeeignet.

Aber solche kleineren Patzer werden durch Geschichten wie „Das Lächeln Asiens“, in der dem Leser erklärt wird, was bei einer Diashow in den Räumen ihrer örtlichen Bankfiliale geschehen kann, allemal wettgemacht.

In der Mitte des Buches findet sich ein kurzer Comic mit dem Titel „Berechtigter Münzeinwurf“, der Sträter-Wiederholungstätern bereits aus „Hämoglobin“ bekannt sein sollte. Freunden kurzer Comics wird diese Geschichte mit Bildern von Andree Neemann sicherlich gut gefallen und alle anderen Leser werden die fünf Seiten wohl verkraften können.

 

Einziger Wehmutstropfen: Auch wenn es sich bei ELDUR noch um einen kleinen Verlag handelt, wäre ein ordentlicheres Korrektorat auf jeden Fall wünschenswert gewesen. So viele Rechtschreibfehler und vergessene Punkte sollten in keiner Publikation zu finden sein und sind eines Torsten Sträters nicht würdig.

 

Fazit:

Bei „Hit the Road, Jack!“ handelt es sich wieder einmal um einen Volltreffer Sträters und man muss sich fragen, warum er hier seinen Schlussstrich ziehen möchte. Ideenmangel kann man zumindest hier keineswegs entdecken und daher kann mein Ratschlag an Interessenten nur lauten: Buch kaufen, sich mit einer Kuscheldecke aus Nerzimitat von QVC (wie Sträter rät) auf die Couch pflanzen und das Leseerlebnis genießen.

 

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Buch:

Hit the Road, Jack!

Reihe: Jacks Gutenachtgeschichten Band 3

Autor: Torsten Sträter

Taschenbuch, 198 Seiten

Eldur, Februar 2006

 

ISBN: 393741911X

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.05.2006, zuletzt aktualisiert: 21.02.2018 19:43