Das Handbuch für Luschen

Rezension von Stefan Sasse

 

Mann oder Lusche? Diese Frage beschäftigt sowohl weibliche wie auch männliche Weltbürger rund um die Uhr, zumindest, wenn man Ausbilder Schmidt Glauben schenken darf. Inzwischen sieht die Sache düster aus: wo man hinsieht – Luschen. Echte Männer wie Sylvester Stallone, Bruce Willis oder Obelix gibt es fast nicht mehr. Woran liegt das? Klar, viel zu viele Luschen, die mit ihrem Luschentum inzwischen für eine zunehmende Verluschung der Welt sorgen. Wo das Problem erkannt ist, sollte es leicht zu bannen sein.

So oder ähnlich sollen wir uns vermutlich den fiktiven Gedankengang des fiktiven Ausbilders Schmidt vorstellen, den die meisten vermutlich von SWR oder seinen Comedy-CDs her kennen. Mit allem gebietendem Ernst (ergo: keinem) macht sich Ausbilder Schmidt nun daran, uns Männern das Luschentum so richtig auszutreiben und uns wieder zu den Wurzeln zurückzuführen. So erfahren wir in der „Geschichte der Luschen“, dass es neben den berühmten Luschen Kolumbus und Napoleon eine eigene Wortgeschichte gibt: die Laschen, ursprünglich Stoffbändel an den Baretten von Söldnern, wurden zu Luschen. Messerscharf gefolgert: eine Lusche ist etwas Hängendes ohne Funktion.

Kleine Comicstrips erzählen dabei Episoden aus dem Leben des Ausbilders selbst, anhand derer sich die Lusche ein Beispiel nehmen kann und soll. Praktische Tipps erklären außerdem der Lusche, was nötig ist, um zum Mann zu reifen. So gibt es beispielsweise beim Frisör auf die Frage nach dem gewünschten Schnitt für echte Männer nur eine richtige Antwort: kurz! Ein echter Mann steht auch früh morgens auf und braucht keinen Unfug wie ein Frühstück; den ersetzt er durch einen Waldlauf. Anstatt abends noch etwas zu lesen und gleich wieder aufstehen zu müssen um aufs Klo zu gehen schläft der echte Mann den Schlaf des Gerechten.

Neben all diesen Symptomen wird nun natürlich ein gewisser Zweifel in einem laut: Bin ich eine Lusche? Keine Frage, natürlich. Aber es gibt Ausnahmen, und diese findet der Luschentest zweifelsfrei heraus! Entlarvend wirkt auch das Luschenvokabular. Gegen Ende des Bandes erfahren wir, dass es auch in der Vita des Ausbilders düstere Flecken gibt, die sich noch lichten lassen. Eigentlich klar, dass er Leichen im Keller hat!

 

Nach diesem Überblick soll nun eine Kritik folgen. Wichtige Frage: lohnt es sich für jemand, der die CDs nicht kennt, dieses Ding zu kaufen? Klar Antwort: nein. Der Humor setzt oftmals effektiv die Kenntnis der Person voraus, und auch, wenn die Witze meist prinzipiell auch ohne Kenntnis des Ausbilders verstanden werden können – witzig sind sie dann sicher nicht.

Lohnt es sich also für jemanden, der die CDs kennt, den Band zu kaufen? Auch nein. Dieser Band eignet sich für knallharte Ausbilder-Schmidt-Fans, die die CDs lieben und über jeden Witz lachen können. Für den Rest bieten sich kaum bessere Kalauer. Die wenigen Seiten, auf denen ich überhaupt laut auflachen konnte und nicht nur müde die Mundwinkel zum Grinsen verzog rechtfertigen es nicht, Geld für den Band auszugeben. Wenn ein Anspruch, irgendwelche Tipps zum Mannsein zu geben auch nie wirklich ernsthaft erhoben wurde: dieser krude Mix an Klischees und Unfug stört oftmals einfach nur. Der Comicstil weiß durchaus zu gefallen, erzählt jedoch keine allzu amüsanten Geschichten, denen zu allem Überfluss auch noch eine Pointe fehlt: dass sie zu Ende sind merkt man daran, dass auf der nächsten Seite der nächste Unfug anfängt. Schade, das hätte mehr werden können.

 

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zuletzt aktualisiert: 17.08.2020 17:41 | Users Online
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