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Bleiche Stille von Laurel K. Hamilton

Reihe: Anita Blake Band 5

Rezension von Carsten Kuhr

 

Anita Blake hat es nicht einfach im Leben. Ihre Mutter starb als sie noch ein Kind war, dann entdeckte sie, dass sie Geister sehen und Tote beschwören kann. Inzwischen ist sie anerkannte Totenerweckerin, hat Schlachten mit Zombies und Dämonen überlebt, besitzt eine Lizenz als Vampir-Henkerin und ist gut im Geschäft.

Die Polizei ihrer Heimatstadt St. Louis hat sich ihre Dienste gesichert, und privat machen ihr zwei faszinierende Persönlichkeiten den Hof. Der Eine ist tagsüber angesehener College-Dozent und Freizeit-Bergsteiger, nachts führt er als Leitwolf die örtlichen Lycantropen an. Ihr anderer Verehrer ist nicht ganz so tagesaktiv. Gestatten, Jean-Claude, Meister-Vampir und einer der mächtigsten, reichsten und attraktivsten Vampire des Kontinents. Beide buhlen um ihre Gunst, und das obwohl Anita klar gemacht hat, dass Sex vor der Ehe ein Tabu für sie ist.

Anitas gieriger Boss hat einmal mehr über ihren Kopf hinweg einen Auftrag angenommen. In Branson, Missouri, einem abgelegenen Kaff, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und gealterte Stars der Country Music auftreten, soll ein Luxushotel entstehen. Zwei Familien streiten um die Eigentumsrechte für den malerischen Hügel, auf dem das Ressort gebaut werden soll. Um die Besitzrechte zu klären, muss ein ganzer Friedhof mit Leichen aus zwei Jahrhunderten auferweckt werden.

Wenn das überhaupt jemand ohne Menschenopfer hinbekommt, dann Anita. Nicht genug, dass sie sich sofort mit ihrem Auftraggeber anlegt, mit einem Lehrling geschlagen ist, auf Elfen trifft, die sie zu verzaubern suchen, wird sie von einer auf ihre Zuständigkeit pochende Polizistin widerstrebend zum Tatort eines Mehrfachmordes gerufen. Für Anita ist klar, dass nur ein Vampir hinter der Tat stecken kann. Als eine ganze Familie ausgesaugt und deren jugendlicher Sohn entführt wird, ist auch Anita klar, dass sie alleine nicht weiterkommt. Ein pädophiler Vampir-Massenmörder übersteigt selbst ihre Kräfte. Obwohl die lokalen Behörden und das FBI ihr jedwede Einmischung untersagt haben, bittet sie Jean-Claude um Hilfe. Zusammen mit einem Werwolf machen sie sich auf, die lokale Vampir-Meisterin um Unterstützung zu bitten -ein Versuch, den sie alle nur allzu bald bitter und blutig bereuen...

 

Eines der Dinge, die die Anita Blake Romane auszeichnen ist, dass es der Autorin gelingt, uns ihre phantastische Welt, mit einer Gesellschaft, in der das Übernatürliche Bestandteil des Lebens ist, als glaubwürdige Grundlage zu präsentieren.

Uns erschließt sich ein Welt, in der die Diskriminierung von Gestaltwandlern gesetzlich verboten, nichtsdestotrotz aber ebenso alltäglich ist, wie die Verunglimpfung von Vampiren als grundsätzlich Verdächtigte für jedes Verbrechen. Nicht etwa die faszinierende Welt, in der Vampire, Zombies, Werwölfe und Hexen zum Alltag gehören stehen im Mittelpunkt der Beschreibungen, sondern das jeweilige Verbrechen das es aufzuklären gilt, ist in diesem Kontext überzeugend eingebettet. Dabei verwöhnt Hamilton mit markanten Charakteren und Beziehungsgeflechten, die mich faszinieren.

Vorliegend widmet sie sich neben jeder Menge Gewalt, Blut und Mysterien erneut dem Zwischenmenschlichen, besser Zwischenvampirischen unserer toughen Heldin. Die morbide Anziehungskraft, die von Jean-Claude ausgeht, die Faszination des Unbekannten, des Rätselhaften gerade auch wegen der damit verbundenen Risiken und des Gefühls eigentlich etwas Verbotenes zu tun, werden unterschwellig sehr schön herausgearbeitet. Auch versteht es Hamilton diesmal durch den Kunstgriff, Anita einen Lehrling an die Seite zu stellen, der die Position der sonst so aufrechten, prinzipientreuen Anita einnimmt, während sie selbst sich mehr ihren Emotionen hingibt, unsere Heldin menschlicher, verletzlicher und gleichzeitig nachvollziehbarer als in den vorhergehenden Bänden zu gestalten.

Der Inhalt des Buches ist nichts für schwache Nerven. Wenn Stephen King oder Matt Reilly einen »Hannibal Lecter« Roman verfasst hätten, es könnte nicht blutiger und spannender zugehen. Die Autorin erschlägt uns förmlich mit ihrer atemlosen Spannung, wobei plakative, grell-blutrote Schockeffekte in ungewohntem Ausmaß vorkommen. Diesmal steckt unsere Protagonistin die Gewalt, die Gefahr nicht mehr unberührt weg, diesmal stößt sie an ihre Grenzen.

 

Mit jedem Buch komplettiert Hamilton ihre fassettenreiche Welt mehr, ohne auf die rasante Action, oder den sarkastischen Unterton zu verzichten. Solange es ihr gelingt, auf diese Niveau fortzufahren, sind die Romane ein Muss für jeden Weird Fiction Fan.

Eure Meinung:


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Bleiche Stille

Reihe: Anita Blake Band 5

Autorin: Laurel K. Hamilton

Übersetzerin: Angela Koohen

Titelillustration: Craig White

Bastei-Lübbe 2006, 509 Seiten

ISBN: 3404155483

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.08.2006, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46