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Atomgewicht 500 von Hans Dominik

Rezension von Peter Sperling

 

Einen Klappentext weist das Buch, das erstmals 1934 erschien nicht auf. Über den Autor und den Verlag hinaus gehende Informationen sind dem Buch nicht zu entnehmen.

 

Inhalt:

Die Geschichte spielt in den USA in einer fiktiven Realität um 1920. Die verfeindeten Chemieunternehmen Dupont Company und United Chemical versuchen mithilfe großer Temperaturen und hoher Drücke ein neues radioaktives Element herzustellen. Bei Dupont führt dieses Vorhaben bei einem erfolgreichen Versuch zu einem schweren Unfall. Chemical United kann noch keine Erfolge verbuchen. Der dort arbeitende deutsche Dr. Wandel hat die theoretischen Grundlagen dazu entdeckt, darf aber aufgrund betriebsinterner Querelen seine Versuche nicht durchführen. Im Streit scheidet er von der United Chemical und nimmt ein Angebot der Konkurrenz an. Dort gelingt es ihm, mehrere geeignete Elemente „zusammenzuschmieden“. Er revolutioniert dadurch das gesamte Energieerzeugungswesen der Welt.

Gefahr droht allerdings durch die Tätigkeit des Industriespions White, der die Arbeiten bei United Chemical im Auftrag der Dupont Company sabotiert. Daher entsteht dort bei einem Versuch ein hochexplosives Element. Die Gefahr kann nur durch die Zusammenarbeit der verfeindeten Unternehmen und der heldenhaften Wissenschaftler unter Einsatz ihres Lebens erkannt und abgewendet werden.

Dieser Mut beschert der Welt einen „neuen, segenbringenden Kraftstoff“ und dem Leser einen Ausblick auf die „vielen glücklichen, friedlichen Tage und Jahre“ die vor der Menschheit liegen.

 

Das mir vorliegende gebundene Exemplar hat sicher schon bessere Tage gesehen, hat mir aber einige vergnügliche Stunden bereitet. Aus der Perspektive unserer Zeit sind die Ideen, die Dominik in seinem Text verarbeitet, natürlich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Andererseits kann erst jetzt gewürdigt werden, wie weitsichtig er damals war. Dass Elemente durch chemische Reaktion nicht neu gebildet werden können, weiß heute jeder Schüler. Die im Buch beschriebenen Reaktionsbedingungen erinnern den Leser eher an mittelalterliche, Gold herstellende Alchimisten, als an moderne Wissenschaftler. Aber die Herstellung neuer Elemente gelingt schließlich seit einigen Jahren in Teilchenbeschleunigern und die Energiegewinnung durch radioaktiven Zerfall ist Alltag geworden. Dass das Thema immer noch aktuell ist, beweist der Neubau des Fusionsreaktors ITER im nächsten Jahr.

 

Die Blauäugigkeit in Bezug auf das Gefahrenpotential entspricht wohl dem Zeitgeist: Der Transport radioaktiver Flüssigkeiten erfolgt wahlweise in einer Thermosflasche oder in einer Schachtel in der Hemdbrustasche. Die strahlenden Elemente werden auf dem Schreibtisch des auf die Erfindung stolzen Firmendirektors gelagert; Da sich die Elemente durch den radioaktiven Zerfall stark aufwärmen, werden sie kurzerhand im Gartenteich gekühlt!

 

Das im Roman gezeichnete Frauenbild außen vor zu lassen gelingt leicht: Außer einer Putzfrau(!) kommt im ganzen Roman nicht eine einzige Frau vor!

 

Das Bild des (männlichen) Wissenschaftlers hingegen ist vergleichbar mit einem Heiligen: Durchgehend sind sie heldenmutig, unerschrocken und moralisch unantastbar. Sie haben immer alles im Griff, und sollte dennoch etwas schief gehen, genügen einige kurze Berechnungen und eine Lösung ist zur Hand. Sie sind bis an die Grenze der Überheblichkeit und darüber hinaus von dem Gedanken durchdrungen, alle Gefahren zu kennen und durch richtige Berechnungen absolute Sicherheit bieten zu können.

 

Die Charaktere sind durchgehend in dem Sinne ideal, dass sie entweder gut und genial oder böse und dumm sind. Das Schwarz-Weiß-Denken reicht bis zur Naivität, die Geschichte ist aber darauf aufgebaut, dass die Figuren diese charakterliche Eindimensionalität aufweisen.

 

Dem interessierten Leser könnten folgende Informationen hilfreich erscheinen: Schon zu Beginn wird im Roman die Verschmelzung zweier Helium Atome mit einem Uran-Atom beschrieben. Das daraus entstehende Element ist heute als Isotop des Curium bekannt, müsste aber eine Atommasse von ca. 247 haben und wird natürlich nicht mit dem beschriebenen Verfahren gewonnen. Das später in der Geschichte hergestellte Element mit dem Atomgewicht 500 ist auch heute noch nicht entdeckt. Rechnerisch müsste es allerdings herstellbar sein, der Theorie nach ist es sogar stabil, also nicht radioaktiv. Leider kann es daher nicht als Energiequelle der Zukunft in Erscheinung treten.

Mit dem Ausblick, dass die Entdeckung dieser unerschöpflichen Energiequelle der Beginn einer Geschichte ist, „die von vielen glücklichen, friedlichen Tagen und Jahren zu erzählen weiß“, hat sich Dominik ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt.

 

Fazit:

Atomgewicht 500 ist als „historische Quelle“ interessant für jeden, der sich mit der Geschichte der SF-Literatur und Hans Dominik im Speziellen auseinandersetzt.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Atomgewicht 500

Autor: Hans Dominik

Gebrüder Weiss, 1934

gebundene Ausgabe, 280 Seiten

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.12.2006, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22