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Offenbarung

Reihe: Blue Evolution, Volume 3 Bd. 3/3

Rezension von Martina Klein

 

Auf der Internetseite vom Verlag wird der Inhalt dieses letzten Heftes der Reihe „Blue Evolution“ wie folgt zusammengefasst: „Maliks Tod und Wiederauferstehung. Die Prophezeiung der Chuab-Priester. Lt. Renés spiritueller Pfad. Die Vernichtung Hanors und Mükros’, Anführer der hellen und dunklen Mächte. Apokalypse - die Vernichtung der Welten und Neubeginn.“

 

Das verrät jedoch nur einen Bruchteil des furiosen Finales der aus eigentlich 6 Heften bestehenden „Trilogie“ um den aus dem im Südosten Deutschlands gelegenen Sachsenburg stammenden Jungen Malik, der im Verlauf der Geschichte vom unschuldigen Jungen zum übernatürlichen Wesen zwischen den Welten – nämlich unserer heimischen Erde und der bösen Gegenwelt mit dem unaussprechlichen Namen Do-Nahrlogimoppig-Fyl – mutiert.

 

Genauer gesagt und aus der wirklich guten und umfangreichen Einführung in das, was bisher geschah, am Anfang des Hefts zitiert (hier gekürzt):

 

„Jahrtausende wurde auf Do-Nahrlogimoppig-Fyl, einer mit der Erde symbiotisch verbundenen Welt aus einem fernen Universum, ein immerwährender Konflikt ausgetragen. Einer der beiden ewigen Kontrahenten verstand sich als Bewahrer eines empfindlichen Gleichgewichts, während der andere nach dessen Zerstörung strebte. ...

 

Dann kam eine Zeit, die man den Großen Befall nannte, in der Do-Nahrlogimoppig-Fyl von den Plagen erobert wurde. Sie waren fürchterlich. Ihr Anführer, Mükros, lies alle gegnerischen Kräfte vernichten und beherrschte seitdem die Welt. Da er über Torgeneratoren, die Reisen zwischen den Welten ermöglichten, auch die Erde befallen wollte, ließ Hanor, der Oberste des Rates der Weisen (des geheimnisvollen Unterwasservolkes auf der Erde), die Verbindungen auf irdischer Seite zerstören. ...

 

Aber Mükros’ Plagen eroberten einen Generator nach dem anderen und töteten die Wächter. ...

 

Doch dann entdeckten die Boten beider Mächte einen jungen Menschen, der die Anlage zu Fähigkeiten besaß, die es in dieser Konzentration seit Tausenden von Jahren nicht mehr gegeben hatte. Malik, ein Junge aus dem mittleren Europa, wurde aus seinem gewöhnlichen Dasein gerissen und geriet zum Spielball der Mächte. ... Am Ende gelang es Mükros’ Spähern, das Umfeld des Jungen zu korrumpieren. Malik fiel in eine große Verzweiflung und wurde empfänglich für die Einflüsterungen der Finsternis.

 

Vier Jahre, nachdem Malik sich in aller Unschuld die Aufmerksamkeit der Mächte zuzog, nahm die Dunkelheit seinen Geist gefangen und das Gefüge der Welt implodierte. Die Tore zur Erde wurden geöffnet. ...

 

Doch auch wenn das Bild endgültig und klar erscheint, so ist es unvollständig. Es ist ein Traum, geträumt von dem jungen Mann, den das Interesse der Großen in eine Tragödie gestürzt hat, in der so viele Freunde sterben mussten, und der, alleingelassen in der Welt der Menschen, an der Schwelle zum Schatten steht. ...“

 

So, ein Traum also... Dabei ist die Realität von Malik eigentlich schon schrecklich genug: Nach und nach hat er in den vorangegangenen Teilen der Geschichte einen Menschen, den er liebte, nach dem anderen verloren und ist nun mutterseelenallein auf der Welt. Er gerät immer tiefer in den Strudel seiner dunklen Gefühle. Dieser Band beginnt nun mit dem Tod von Ruby, einem Mädchen das ihm eigentlich helfen wollte, das er jedoch im Drogenrauch tötete. Drogen und Gewalt pflastern buchstäblich seinen Weg. Er tötet, ohne es überhaupt zu merken. Sein Verstand „unterwirft sich (immer mehr) dem steten Griff des Schattens“.

 

Seitdem rast Malik ziellos in seinem Auto über die Autobahn und ist dabei voller Selbsthass und Drogen. Mittlerweile ist er – auch optisch! – erwachsen geworden und schon längst kein unschuldiger Jungendlicher mehr, obwohl er erst 20 Jahre alt ist.

 

Währenddessen glaubt sich das Böse in Gestalt von Mükros dem Siege zum Greifen nah. Die letzte Schlacht scheint laut den Prophezeiungen unausweichlich – selbst das weise Unterwasservolk auf der Erde kann sie nicht verhindern. Maliks Tod ist die einzige Hoffnung, die noch bleibt, da er den Versprechungen der Finsternis offenbar nicht länger widerstehen kann. Aber er müsste diesen Tod selbst herbeiführen...

 

Während seiner rastlosen Fahrt trägt er sich wirklich mit dem Gedanken an Selbstmord und fällt schließlich eine folgenschwere Entscheidung... - „Im Rausche seiner Entscheidung fährt Malik in einen tonnenschweren Tod.“ - um abermals einen der formvollendeten Sätze aus dem Comic zu zitieren.

 

Er erwacht in einer Art „Zwischenwelt“. Nilu, die Gehilfin des Unterwasser-Herrschers Hanor, nimmt sich seiner an und wird dabei verfolgt von der bösen Nessis, die ihrerseits dem bösen Mükros dient. Nach einigem Hin und Her wollen die beiden Malik gemeinsam wieder zum Leben erwecken. Sie benutzen dazu ein Kernkraftwerk auf der Erde, indem sie den Kernreaktor überlasten und dabei – ganz nebenbei – einen Super-GAU verursachen.

 

Malik ist „frei“ und aller Zwänge seines alten Lebens ledig. Er „transzendiert“ nun ganz in das Reich der Finsternis. Will heißen: Unterdessen sind die drei „Wanderer zwischen den Welten“, also die böse Nessis, die ehemals gute Nilu und eben Malik auf Do-Nahrlogimoppig-Fyl angekommen. Sie begeben sich zu Mükros, der mittlerweile nahezu allmächtig geworden ist. Er sitzt vielsagend auf seinem „Thron der Schmerzen“, der aus den Körpern zahlloser armer Seelen besteht und stetig zu einer enormen Masse anwächst. Die alles entscheidende letzte Schlacht steht nun wirklich unmittelbar bevor...

 

Die Soldaten der Erde, die eigentlich die Torgeneratoren beschützen sollten, sind zu einem verstreuten und machtlosen Haufen verkommen. Die Gruppe um die Soldatin Lt. René, die wir schon aus den vorangegangen Teilen der Geschichte kennen, sind gefangen im Tempel der geheimnisvollen Hohepriester der Chuabs. René nutzt diese Auszeit zur inneren Reinigung und vertieft sich in die riesige Bibliothek der Priester, während ihre Leute – zunächst von den Priestern auf Miniaturgröße geschrumpft – auch später - nach Wiedererhalt ihrer üblichen Gestalt - nicht so gut mit der Situation klarkommen wie ihre Anführerin und deshalb sterben müssen. Schließlich wird sie von den Priestern gar auf eine ganz neue Bewusstseins- und Daseinsebene geschickt und bildet damit den Anfang der nun folgenden Ereignisse.

 

An anderer Stelle erhält Malik, der nun endgültig zu den Bösen gehört, seinen ersten Auftrag von Mükros: Er wird - sozusagen als Test seiner Loyalität - auf die übriggebliebenen Soldaten seines Volkes gehetzt. Sein „richtungsloser Zorn findet endlich ein Ziel“, um nochmals zu zitieren. Er schickt eine verheerende Feuerwalze durch den Dschungel, um sie alle zu verbrennen – und somit den Widerstand gegen Mükros’ Plagen.

 

Im Inneren des Kristalls der Priester der Chuabs wird Lt. René wiedergeboren als deren Abgesandte. Sie erfährt von den Priestern – nebenbei gesagt den in Wahrheit mächtigsten Wesen überhaupt: „... Die Welten werden sich gegenseitig vernichten. Es ist nicht unsere Aufgabe, in diesen Konflikt einzugreifen. Wir werden nur dafür Sorge tragen, dass die Zerstörung gründlich erfolgt und damit einen Neuanfang ermöglicht.“ Sie, die Chuabs, sind das einzig Beständige auf den Welten und haben viele Zivilisationen kommen und gehen sehen. Als Abgesandte bei diesem Prozess soll René dabei helfen, das alte Leben zu vernichten und das neue zu erschaffen. Sie wird unsterblich.

 

Der eigentliche Comic endet mit dem Beginn des Großen Krieges. Es folgt ein schriftlicher Epilog: Das Ende der Welten kommt natürlich unaufhaltsam „... und die Meere waren rot vom Blut und die Himmel waren schwarz vom Rauch“. René und Malik waren die einzigen Überlebenden, beauftragt mit der Erschaffung neuen Lebens auf beiden Welten – nein, nicht, was Ihr denkt! Vielmehr waren sie jetzt eins mit den Elementen geworden – René mit dem Wasser, und Malik mit dem Feuer – und wie einst werden natürlich die Elemente das neue Leben erschaffen. „René kehrte zur Erde zurück, während Malik auf Do-Nahrlogimoppig-Fyl blieb. Und so warteten Feuer und Wasser auf ihren Planeten gemeinsam auf das neue Leben und die Jahrtausende vergingen. Bis irgendwann die ersten Spuren sichtbar wurden und sich die Vision der Chuabs endlich erfüllte.“

 

Diese wirklich sorgfältig ausgearbeitete Geschichte ist sehr komplex. Es gibt also neben den Bildern wieder sehr viel Text zu lesen. Sprachlich ist der Comic daher wirklich äußerst ausgefeilt. Die z.T. sehr gewaltigen Zeichnungen passen gut dazu. Alles ist irgendwie sehr mystisch und schwermütig. Außerdem herrscht, schon bedingt durch das Thema, viel Gewalt, der die Figuren irgendwie sehr ohnmächtig gegenüber stehen.

 

Die Grafik

 

... ist wie gesagt sehr eindrucksvoll und noch besser als bei den vorangegangenen Heften. Besonders das Titelbild, das René nach ihrer Wiedergeburt zeigt, ist wirklich außerordentlich gelungen und ein echter Hingucker – nicht bloß, weil es ein nacktes Mädchen zeigt! Die Rückseite des Heftes, auf dem ein ganzer Haufen Nackter zu sehen ist, erinnert mich persönlich etwas zu sehr an die typischen Bilder aus dem Film „Das Parfüm“ (nur hier sozusagen plus Monster), wo ich das auch schon irgendwie übertrieben fand, und hat mich daher nicht ganz so stark beeindruckt.

 

Insgesamt hat sich die Bildsprache in diesem Heft gegenüber den letzten noch stark verbessert, da sie stilistisch sicherer und einheitlicher geworden ist. Die Farben sind schön düster und passen gut zum endzeitlichen Szenario.

 

Die Reihe „Blue Evolution“, die mit diesem Heft ihren Abschluss findet, ist ein echter Geheimtipp für Leute, die wissen wollen, was die einheimischen Comickünstler so an Comics mit echt „fantasy“-mäßigem Inhalt zu bieten haben.

Eure Meinung:


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Comic:

Offenbarung

Reihe: Blue Evolution, Volume 3 Bd. 3/3

Autor & Zeichner: M. Kretschmer, S. Schwarzbold, S. Haack, S.Loose

Verlag: THENEXTART Verlag

Format: Heftformat, US-Comic-Format

Sprache: Deutsch

Seitenzahl: 32 Seiten, Farbe

Auflage: 1000

ISBN-Code: 3-939400-05-X

Erhältlich bei Amazon

und bei THENEXTART Verlag

weitere Infos:


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Erstellt: 31.12.2006, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:38