Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol.4

Filmkritik von Oliver Kotowski

 

Die Unabhängigen Elf wollen den Flüchtlingen mit Gewalt einen Platz in der japanischen Gesellschaft des 21. Jh. schaffen; jedoch weist für die Sektion 9 manches daraufhin, dass die Terroristen manipuliert werden. Regisseur Kamiyama greift die Mangas Shirows auf.

 

Nach dem dritten und vierten Weltkrieg haben sich in Japan viele Flüchtlinge angesammelt, die nicht in die Gesellschaft integriert werden und unter sich stetig verschlechternden Unständen leben. Zu verschieden sind die Interessen der jeweiligen Machtgruppen in Politik und Wirtschaft um sich gemeinsam des Themas anzunehmen. Nun ist eine Terrororganisation, die Unabhängigen Elf, auf den Plan getreten um ein Leben in Würde für die Flüchtlinge zu erzwingen – unter anderen mit einem Attentat auf die Premierministerin Kayabuki, die scheinbar ernsthaft um eine Lösung bemüht ist. Es gibt Hinweise auf eine Manipulation durch mysteriöse Hintermänner. Der skrupellose Kazundo vom CIS scheint eigene Vorhaben zu verfolgen – doch handelt er im Interesse der Regierung oder dagegen? Die Sektion 9 hat es nicht immer leicht im Dickicht von Korruption, Macht besessenen Streben, gewalttätigen Idealismus und persönlichen Motiven einen Überblick zu erhalten.

 

Dieses ist die vierte von acht DVDs der zweiten Staffel der Anime Serie Ghost in the Shell – Stand Alone Complex. Sie enthält die Episoden 11 bis 13. Episode 11 Im Dickicht: Da die Kapazitäten der Sektion 9 mehr als ausgelastet sind, sollen weitere Leute angeworben werden. Doch die Kandidaten sind leicht zu übertölpeln. Während Major Kusanagi dabei ist die Bewerber, die sie observieren sollen, abzuschütteln, geschieht etwas Sonderbares: Der Kontakt zu Batou und Togusa, welche die potentiellen Neuzugänge überwachen, bricht ab. Hat sich jemand unbemerkt durch die Firewall des Majors gehackt? Sie gelangt durch die leeren Straßen des sonst belebten Viertels in ein Antiquitätengeschäft, in dem alte Erinnerungen aufbewahrt werden – die Prothesen eines Jungen und eines Mädchens rühren sie seltsam an. Episode 12 Für die Namenlosen: Sektion 9 ist den Unabhängigen Elf auf der Spur: Ishikawa und Boma entdecken eine Datei, die möglicherweise ein Virus enthält, welches den Infizierten bestimmte Handlungen aufzwingt. Der Major, Batou und die anderen jagen Kuze, der das Attentat auf die Premierministerin begangen hatte. Togusa dagegen soll eine Printcopy des Essays "Die Unabhängigen Elf" von Patrick Sylvester aufspüren, stellt jedoch fest, dass der Kontaktmann sich zwar sicher ist eine Ausgabe zu besitzen, sie aber nicht auffindet. Auch die Mitglieder der Unabhängigen Elf, die etwas Großes planen und eigentlich eine Ausgabe des Essays am Herzen tragen wollten, haben keine bei sich. Episode 13 Gesicht: Kuze bewegt beim Sprechen seine Lippen nicht. Zunächst hatte man angenommen, er habe irrelevante Nervenbahnen abgeschaltet um effizienter zu werden, doch eine eingehende Analyse der Aufzeichnungen ergibt: Die entsprechenden Muskeln fehlen. Weiter ist das Gesicht zu ebenmäßig um die Kopie eines natürlichen Gesichts zu sein. Doch zu spät: Als man einen der potentiellen Hersteller befragen will, ist dieser bereits ermordet worden. Die Polizei verfügt über ausreichende Indizien um den Mörder schnell zu fassen – allein es führen die Hinweise zum zwielichtigen Sektion 9 Ermittler Paz.

 

Obschon die Geschichten dieses Mal deutlich langsamer sind und wohl einige Schlüsselszenen enthalten, sind die Plots doch recht verschieden. Die Episode 11 leitet einerseits mit der Erweiterung der Sektion 9 eine später wichtig werdende Entwicklung ein und ist als "Police Procedure" mit humorigen Unterton zu verstehen, während darin eingebettet die seltsame Entdeckung des Majors ist – da man an dieser Stelle nur wenig damit anfangen kann, ist es wohl ein Mystery-Element; doch wenn ich mich nicht sehr täusche, wird es nachträglich zu einer Schlüsselszene werden. Die Episode 12 konzentriert sich voll und ganz auf die Unabhängigen Elf; ein lokaler Höhepunkt im politischen Thriller um die Terroristen – Krimi und Action mit überraschendem Ergebnis. Episode 13 ist dann wieder ganz Krimi, wobei zunächst unklar ist, ob der Täter kriminelle oder politische Motive hat. Außerdem wird hier der undurchsichtige Paz etwas näher beleuchtet. Wiederum gilt, dass die Episoden fest in einem Metaplot eingebunden sind und mittlerweile z. T. kaum verständlich sind, wenn man die früheren Episoden nicht kennt.

 

Die Figuren werden wieder nur skizziert: Da ist der etwas introvertierte und eigensinnige Major Kusanagi, eine brilliante Soldatin und Geheimdienstlerin und ihr Gegengewicht der aufbrausende und ruppige Batou, der zweite Mann der Einheit, der wesentlich mehr Wert auf Kooperation legt. Beide sind schwer vercybert und herausragende Kämpfer. Der charismatische Togusa dagegen ist ein ehemaliger Polizist, der kaum Cyberware nutzt, in Gefechten sehr verletzlich ist, aber ein kluger Kopf und guter Ermittler ist. Paz wird in der Episode 13 etwas näher betrachtet; auch er ist ein Ermittler, doch sein Hintergrund liegt im Dunkeln; seine Aussage: "Ich schlafe nie mit einer Frau zweimal," und sein legeres Auftreten lassen einen bürgerlichen Hintergrund zweifelhaft erscheinen. Vercybert scheint der Kettenraucher nicht zu sein, doch er ist ein tödlicher Messerstecher. Auf Antagonisten-Seite wird nur der Attentäter Kuze betrachtet; er ist aufmerksam und nachdenklich – will er vielleicht wirklich etwas Gutes erreichen? Die Figuren wirken alle plausibel und haben ihre dunklen Flecken – sehr gut gelungen.

 

Die Reihe bedient sich ausgiebig der phantastischen Elemente des Cyberpunks: Alle Mitglieder der Sektion 9 sind vercybert, manche schwer, wie Major Kusanagi und Batou, die jeweils Vollkörperprothesen nutzen, manche nur leicht wie Chief Aramaki und Togusa, die wohl nur über einen direkten Zugang zum Datennetz verfügen. Die virtuelle Realität spielt in den Folgen eine größere Rolle: Mal dringt man in Datenbasen ein um dort nach Hinweisen zu suchen, mal hackt man sich in die Wahrnehmung oder das Erinnerungsvermögen von Cyborgs um ihnen eine drastisch manipulierte Realität zu präsentieren. Die Tachikomas, spinnenartige mit KI ausgestattete Panzer, spielen wieder nur eine untergeordnete Rolle.

 

Erneut wirft die Serie Blicke auf die abgenutzten und ärmlichen Viertel, aber auch auf die kalte Eleganz der Machtmenschen. Insgesamt wird auf den Einfluss des Umfeldes auf die Einwohner aber deutlich weniger eingegangen und damit ist das Setting eher ein Ambiente.

Der Zeichenstil bleibt wenig überraschend unverändert: Das Setting wird recht realistisch in düsteren Farben gezeichnet und die Figuren können ihre Herkunft aus den Big Eyes/Small Mouth Mangas nicht verleugnen, auch wenn sie klar realistischer gezeichnet sind. Deutlich wird es bei der Mimik: Sie ist nicht überzogen, wie beim BE/SM, sondern zurückhaltend, wie es bei Profis zu erwarten ist.

 

Die Tonspur gibt es im japanischen Original und in deutscher Übersetzung; es gibt auch deutsche Untertitel. Nach der jeweiligen Episode folgt ein kleiner humoriger Sketch: Das Leben der Tachikoma, die dieses Mal zusammenhängen und noch keinen Abschluss finden. Als Extra gibt es ein Interview mit dem Regisseur Kenji Kamiyama, der den Hintergrund und Aufbau der Serie erläutert – sehr interessant, aber auch mit einigen Spoiler versehen. Weiter sind noch einige Trailer zu Panini Videos Animes und der deutsche Abspann enthalten.

 

Fazit:

Die zweite Ghost in the Shell Staffel geht spannend weiter, auch wenn es etwas langsamer wird. Wer Cyberpunk Animes mag, braucht nicht zu zögern – sollte jedoch nicht mitten in der Staffel einsteigen.

 

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Ghost in the Shell, S.A.C. 2nd GIG, Vol.4

Bildformat: 16:9

Synchro: dt. (DTS, DD 5.1), jap. (DD 5.1)

Untertitel: dt.

Spieldauer: 75 Min.

4/2007 DVD

Episoden 11-13 + Extra

3-86607-228-7

EVT: 26.01.2007

erhältlich bei Panini


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zuletzt aktualisiert: 19.11.2018 18:04 | Users Online
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