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Novalis Traum von Tobias Bachmann

Rezension von Christel Scheja

 

Noch immer erfreut sich düstere Phantastik bei den kleineren Verlagen entsprechender Beliebtheit, da das Genre zwischen Horror und Fantasy wohl die größte Bandbreite an Themen und Inhalten bietet. Neben recht gewalttätigen und brutalen Stories gibt es auch solche, die den Horror subtiler und unterschwelliger vermitteln oder auch solche, die vor allem auf die Vermittlung eines bestimmten Stimmungsbildes setzen. So wie z. B. Tobias Bachmann in seiner Sammlung "Novalis Traum".

 

Seine zehn Geschichten, von denen sieben Erstveröffentlichungen sind, beschäftigen sich mit Träumen, die "die wichtigste Inspirationsquelle für Schriftsteller sind", wie er in seinem Nachwort selbst sagt.

"Traumfänger" bestätigt diesen Eindruck, so dass das zweiseitige Stimmungsbild auch als eher als Einleitung, denn als Erzählung zu sehen ist.

"Novalis Traum" entführt in die Vergangenheit. Der berühmte Dichter sinnt mit einem Professor über den Sinn, Zweck und die Konstruktion einer Maschine nach, die Träume nicht nur einfangen, sondern auch neu erschaffen kann - aber was beschwört man damit noch herauf?

"Der Nine-Inch-Nail" steht am Ende einer Traumkette, die sich in ihrer Widerwärtigkeit und Grausamkeit immer mehr steigert, so dass ein Mann dazu getrieben wird, seinen Wahnvorstellungen in einer Waldhütte ein Ende zu bereiten. Aber haben seine Qualen damit wirklich ein Ende?

"Sonnenfeuer" soll ein Monster verschlungen haben, dass in einem alten, abseits stehenden Haus lebte, bis eine Schar Kinder es ihn ihrem Übermut heraus lockten. Doch ist die Geschichte wahr? Oder werden sich die Behauptungen der Einwohner des Dorfes als Lügen entpuppen? Ein Mann macht sich auf, um das grausige Geheimnis zu ergründen.

"Die Treppe" beherrscht die Träume eines Mannes. Er kann ihr nicht entgehen, denn keine der Türen, die ein Ausweg zu sein scheinen, wollen sich für ihn öffnen. Bis er endlich erkennt, was gespielt wird.

"Die Anstalt des Dr. Ambrosius" beherbergt nicht nur die Geisteskranken der Gegend, sondern auch eine höchst gefährliche junge Frau, die man all zu leicht unterschätzt.

"Der Rhesus-Club" bietet nur erlesenen Mitgliedern Eintritt - aus gutem Grund, wie sich heraus stellt, als ein Außenstehender sich Zugang verschafft.

"Türen der Vergangenheit" öffnen sich immer dann, wenn der Wahnsinn einem klare Momente zu verschaffen scheint - aber sind auch diese nicht auch nur trügerische Illusion?

"Observer" ist der englische Begriff für einen Beobachter. Ein Mann hat das Gefühl, von einem solchen nicht in Ruhe gelassen zu werden. Warum?

"Alle Jahre wieder" schließt die Sammlung und ist eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art.

 

Allen Geschichten ist gemein, dass sie vor allem mit den surrealen Stimmungsbildern arbeiten, die man vor allem aus seinen eigenen Träumen kennt. Reales vermischt sich mit Unwirklichem und erscheint doch wirklich. Aber es gibt immer wieder entscheidende Hinweise, dass dies nun doch nicht der Fall ist. Die zehn Geschichten bieten aber durchaus Abwechslung. Neben ruhigen und atmosphärischen Erzählungen, in denen nicht viel passiert gibt es auch gruslige Horrorszenarien oder Begegnungen mit dem Unterbewussten, über die man noch einige Zeit nachdenken kann.

 

Alles in allem setzt Tobias Bachmann aber eher auf die Kraft seiner Sprache und seine Bilder als billigen Schockeffekten und dürfte damit vor allem die Freunde gepflegter dunkler Phantastik in den Bann schlagen, die mit der Auswahl voll und ganz zufrieden gestellt werden dürften.

Eure Meinung:


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Novalis Traum

Autor: Tobias Bachmann

broschiert, 160 Seiten

Atlantis, erschienen Dezember 2006

ISBN 3-936742-47-2

Titelbild von Timo Kümmel

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.02.2007, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45