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Der schwarze Gral von Arsen Rewazow

Rezension von Carina Schöning

 

Russische Literatur ist zurzeit auf dem deutschen Markt stark gefragt. Nachdem uns Sergej Lukianenko in seinen „Wächter“Romanen seine Fassung des modernen Moskaus gezeigt und Svetlana Martynchik und Igor Stepin unter dem Pseudonym Max Frei uns in deren „Echo-Labyrinth“ entführt haben, kommt nun die russische Antwort auf Dan Brown und die ganzen Nachahmer, die auf den schnellen Erfolg gehofft hatten. Der Debütroman von Arsen Rewazow kann durch eine ganz eigene und originelle Verschwörungstheorie überzeugen.

 

In „Der schwarze Gral“ erhält der junge Russe Josif Mesenin einen neuen und folgenschweren Auftrag für seine PR Agentur. Ein Unbekannter bietet ihm eine Menge Geld wenn er möglichst unauffällig und häufig die Begriffe Deir-el-Bahari, Calypsol, Einsamkeit und die Nummer 222461215 in Presse und Werbung unterbringen kann. Da seine Firma nicht die profitabelste ist freut er sich erstmal über den unerwarteten Geldsegen, bis sein Freund Ilja Donskoj tot und ohne Kopf in seiner Wohnung aufgefunden wird. Für die ansässige Miliz ist es ein ganz gewöhnlicher Mord, doch Josif und seine Freunde Matwej und Anton vermuten, dass mehr dahinter steckt. Wahrscheinlich sind die Begriffe von seinem geheimen Auftraggeber und der Mord irgendwie miteinander verbunden. Bei ihren Recherchen stoßen sie auf eine alte Tempelanlage von Hatschepsut, dem ersten weiblichen Pharao Ägyptens und einer geheimen und verfolgten Bruderschaft.

 

Auf eigener Faust reist Josif nach Jerusalem und Italien, um mehr über die Haten zu erfahren und gerät immer mehr in geheime Intrigen und dunkle Verschwörungen. Er erhält mehrere anonyme Drohungen und überlebt nur haarscharf einen Mordversuch, doch die offiziellen Stellen wollen davon nichts wissen. Die Miliz hält sich lieber ganz heraus und selbst im Vatikan will man ihm nicht helfen.

 

Dann verschwindet Anton aus unerklärlichen Gründen, Matwej wird angeblich wahnsinnig in eine Irrenanstalt eingeliefert und Josif erwacht nach einer durchzechten Nacht neben der aufgeschlitzten Leiche seines ehemaligen Mitarbeiters Starikow. Er kann sich an nichts erinnern und für die Miliz sieht es ganz klar nach Mord aus. Niemand glaubt ihm seine komischen Theorien von einer globalen Verschwörung der Haten und einem erneuten Atomkrieg.

 

„Der schwarze Gral“ ist halb mystischer, halb historischer Thriller im Stil von Dan Brown und den vielen mehr oder weniger gelungenen Nachahmungen. Diesmal ist der Held jedoch nicht nach dem klassischen Muster á la gebildeter Archäologe gestrickt sondern eher Antiheld. Josif Mesenin ist arbeitsfaul, lebt risikoreich, trinkt gerne und viel, und hat eine Affäre mit einer verheirateten Frau. Trotzdem kommt er dennoch sympathisch rüber und vermittelt einen guten Eindruck von seiner unkonventionellen Lebensart und Humor. So bastelt er zum Beispiel aus einem alten lateinischen Brief über die Haten lieber ein dramatisches Bühnenstück statt den Text einfach zu übersetzen. Die anderen Figuren bleiben mehr oder weniger blass und werden auf die wichtigsten Eigenschaften reduziert: Matwej der gesellige Frauenheld und Anton der erfolgreiche Karrieremensch. Einzig die Geliebten der Männer Mascha und Olga verhalten sich unvorhersehbar und sorgen immer wieder für ein emotionales Durcheinander bei den Ermittlungen.

 

Das Tempo der Handlung ist rasant und die vielen wechselnden Schauplätze sorgen für eine konstante Spannung und ein förmliches Verschlingen des Romans bis zum Ende. Leider ist dieses schon ab der Mitte des Romans abzusehen und auch nicht gerade gut konstruiert. Dennoch kann der Roman überzeugen. Das Thema der Haten-Verschwörung ist sehr gut ausgearbeitet und erinnert stellenweise stark an die vielen Verschwörungstheorien über die Illuminaten. Auch hier agiert eine geheime Bruderschaft seit Jahrhunderten und versucht politisch Einfluss zu nehmen. Die Mystik und Philosophie spielt aber eine wesentlich größere Rolle als bei den Ingolstädter von Adam Weishaupt.

 

Fazit

Insgesamt ist der Roman „Der schwarze Gral“ ein sehr spannender und origineller Mystery-Thriller, der vor allem durch frische Ideen abseits der Standard-Verschwörungen der katholischen Kirche überzeugen kann. Fans und Einsteiger können bedenkenlos zugreifen.

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Der schwarze Gral

Autor: Arsen Rewazow

Übersetzerin: Anna Serafin

Broschiert

511 Seiten

Verlag: Blanvalet

Erschienen: März 2007

ISBN-10: 3442365686

ISBN-13: 978-3442365685

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 30.04.2007, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57