Der Dieb von Bagdad

Rezension von Stefan Glaubitz

 

Als ich letztes Jahr bei der Spielemesse in Essen war hat Der Dieb von Bagdad doch für reichlich Aufsehen am Stand von Queen Games gesorgt. Der Dieb von Bagdad hat dieses Jahr eine Nominierung zum Spiel des Jahres 2007 erhalten, das sollte ein weiteres Indiz für die Qualität dieses Produktes sein. Ich bin also sehr gespannt ob es hält was sein Ruf verspricht.

Der Karton hat das klassische Format (18cm x 25cm) für kleinere Spiele von Queens Games. Hat man mehrere dieser Kartons, lassen sie sich sehr praktisch einlagern. Selbst wenn man nur dieses Spiel hat, der Karton passt bestimmt noch in eine Lücke. Auf der Vorderseite des Kartons sind die Dächer einer orientalischen Stadt abgebildet. Ein junger Mann, wohl ersichtlich ein Dieb, schwingt sich an einem Seil auf einen Balkon, der zu einer Schatzkammer führt. Der Dieb wirft einen Blick nach unten, zu einem Wächter, der in eine andere Richtung schaut. Im oberen Abschnitt der Packung sind der Titel des Spiels und der Name des Autors (Thorsten Gimmler) zu sehen. Rechts unten in der Ecke prangt das Logo von Queen Games.

Die Rückseite des Kartons gibt einen kurzen Hintergrund zum Spiel und zeigt bereits einige Szenen. Diese geben einen kurzen Einblick in die Spielregeln. Das Design ist typisch für Produkte der Firma Queen Games. Am unteren Rand werden die Spielvorgaben, der Autor und der Inhalt aufgeführt. Natürlich ist auch hier wieder in der rechten unteren Ecke das Queen Games Logo zu finden.

 

Aufmachung

Öffnet man den Karton und schaut sich den Inhalt an, fällt sofort auf, dass es sich hier um den typischen, guten Standard von Queen Games handelt. Die Spielkomponenten im Einzelnen sind:

 

 

  • 1 gefaltete Spielanleitung , vier Seiten „stark“
  • 1 Spielplan
  • 48 kleine Holzfiguren in den vier Spielerfarben, die Diebe
  • 24 größere Holzfiguren, je 4 in den vier Spielerfarben und 8 neutrale, schwarze Figuren
  • 102 Palastkarten
  • 8 Tänzerinnen-Karten
  • 24 Schatztruhen aus festem Karton

 

 

Kennt man die Produkte von Queen Games sind die Komponenten nicht wirklich etwas Besonderes. Es handelt sich hierbei um die typische Qualität. Das soll aber nicht heißen, dass sie schlecht ist. Der Standard bei Queen Games ist bei vielen anderen Firmen schon exklusiv. Vor allem die Illustration der Karten und des Spielplans sind den Grafikern wieder einmal sehr gut gelungen. Queen Games weicht also von dem Konzept, das sich bewährt hat auch hier nicht ab, was auch mal lobend erwähnt werden sollte. Die Aufteilung des Kartons ist auch typisch Queen Games. Alles in allem bin ich wirklich sehr zufrieden mit der Aufmachung dieses Produktes.

 

Ziel des Spiels

Der Spieler wird DER Dieb von Bagdad, der es schafft als erster eine bestimmte Anzahl von Schatztruhen zu rauben. Dabei variiert dieses Spielziel sehr stark aufgrund der Anzahl der Teilnehmer. Mit den Palastkarten bewegt man seine Diebe in die Paläste zu den Schätzen. Außerdem kann man seine Wächter vor die Paläste bewegen und so seinen Konkurrenten versuchen das Leben ein wenig schwerer zu machen.

 

Verständlichkeit der Regeln

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist das Regelwerk mit gerade mal vier Seiten nicht gerade das stärkste. Nun, das macht auch nichts, zumal man es gerade bei Queen Games gewohnt ist nicht erst ganze Romane lesen zu müssen, um endlich spielen zu können.

Die erste Seite gibt einige kurze Hintergrundinformationen, führt die Spielmaterialien in Wort und Bild auf und erläutert das Ziel von Der Dieb von Bagdad. Auf der zweiten Seite werden die genauen Spielvorbereitungen erklärt, die, je nach Spielerzahl, etwas variieren. Die letzten beiden Seiten erklären den Ablauf, das Ende und erläutern eine zusätzliche Spielvariante.

Das Regelwerk ist kurz aber sehr gut erläutert. Auch hier weicht Queen Games nicht vom gewohnten Standard ab. Alles ist übersichtlich und sehr ansprechend gestaltet. Viele Bilder erleichtern das Regelverständnis und durch den Einsatz verschiedener Farben wird das Nachschlagen sehr vereinfacht.

 

Vorbereitungen

Die Spielvorbereitungen variieren ein wenig, je nachdem wie viele Teilnehmer es gibt. Zuerst wird der Spielplan in der Mitte des Tisches ausgebreitet. Dann werden die Schatztruhen in sechs gleich große Stapel gelegt. Auf jeder Schatztruhe sind 4 bis 7 Diebe abgebildet. Pro Stapel muss von jeder Truhe eine enthalten sein, dabei liegt die Truhe, die vier Diebe zeigt oben und die mit sieben unten. Diese sechs Stapel werden in die sechs verschiedenen Paläste gelegt und vor jeden wird ein schwarzer, neutraler Wächter platziert. Der Stapel mit den Palastkarten wird gemischt als verdeckter Haufen neben den Spielplan gelegt, dann wird der Stapel mit den Tänzerinnen-Karten daneben platziert. Die Karten mit den Tänzerinnen fungieren als Joker und können für jede beliebige Palastkarte gespielt werden. Jeder Spieler bekommt die 12 Diebe seiner Farbe und einige seiner Wächter, abhängig von der Anzahl der Mitstreiter. Der älteste Spieler wird zum Startspieler erklärt und bekommt sechs Palastkarten, der Nächste sieben, usw. Zuletzt beginnt der Startspieler einen seiner Wächter vor einem Palast zu platzieren, das wird im Uhrzeigersinn so lange fortgesetzt bis alle Wächter vor den Palästen stehen.

 

Spielablauf

Der Spielablauf von Der Dieb von Bagdad ist nicht sonderlich kompliziert. Grundsätzlich gilt, dass der Spieler am Zug so viele Aktionen durchführen kann, wie er will und Palastkarten dafür hat. Als einzige Regel gilt, dass ein Spieler nie mehr als drei Aktionen durchführen darf an denen ein Dieb beteiligt ist. Ist ein Spieler am Zug kann er folgende Aktionen durchführen:

Als erstes kann man einen Dieb aus dem eignen Vorrat in einen Palast einschleusen. Dafür muss man für jeden fremden Wächter vor dem Palast eine passende Palastkarte ablegen. Aber es gibt eine wichtige Regel zu beachten: Um einen Dieb aus dem Vorrat einschleusen zu können, müssen mindestens ein eigener Wächter und ein fremder vor Ort sein. Da es pro Palast nur 4 Plätze für Wächter gibt, kann das schon ein Hinderungsgrund sein.

Die zweite mögliche Aktion ist das Versetzen eines eigenen Wächters. Dazu legt man eine Palastkarte ab, die entweder die Farbe des momentanen Standorts oder die des Zielpalastes des Wächters hat.

Als dritte Möglichkeit kann man einen Wächter versetzen UND dabei einen Dieb mitnehmen. Der Dieb muss sich dabei im Vorhof des Palastes aufhalten von dem der Wächter abgezogen werden soll. Die Mitnahme eines Diebes kostet keine Zusatzkarten.

Die vierte und letzte Möglichkeit ist das Versetzen eines schwarzen Wächters. Dazu muss man 2 Palastkarten ausspielen, die für den Ort an dem sich der Wächter befindet und eine für den Ort zu dem er bewegt werden soll.

Ist man am Zug kann man natürlich auch auf Aktionen verzichten. Dann zieht man drei Karten vom verdeckten Palastkartenstapel und nimmt sich eine Tänzerinnen-Karte. Führt man Aktionen durch darf man am Ende des Zuges nur drei Karten vom Palastkartenstapel nehmen.

Aber wie kommt man nun an die Schätze? Auf jeder Truhe ist eine Anzahl von Dieben abgebildet. Hat man die geforderte Anzahl von Dieben in einen Palast eingeschleust, nimmt man sich das Schatzplättchen vom Stapel und die eingeschleusten Diebe wandern in den Vorrat zurück. Dann zählt die Anzahl der Diebe, die auf der neuen Truhe stehen, für jede nachfolgende wird ein Dieb mehr benötigt. Hat ein Spieler die geforderte Anzahl von Truhen geraubt, ist das Spiel augenblicklich vorbei.

 

Erweiterbarkeit

In die Spielregeln ist eine kleine weitere Variante integriert worden. Laut dieser Regel platziert jeder Spieler vor Beginn nicht nur seine eigenen Wächter sondern zwei schwarze, neutrale Wächter pro Mitstreiter. Bei einer 4-Spielerrunde kämen so acht schwarze Wachen ins Spiel statt der üblichen sechs, eine durchaus taktische Erschwernis.

Als weitere, zukünftige Erweiterung könnte ich mir einen größeren Spielplan mit neuen Figuren in einer 6-Spieler-Erweiterung gut vorstellen. Schließlich sind Spielrunden mit mehr als 4 Teilnehmern keine Seltenheit.

 

Spielvorgaben

Der Dieb von Bagdad ist für 2 bis 4 Spieler entwickelt worden. Hier hat Queen Games meiner Meinung nach eine Möglichkeit verpasst das Spiel für eine etwas größere Anzahl von Spielern zu entwickeln. Schade eigentlich, denn so toll es auch ist es zu zweit zu spielen, je mehr Mitstreiter um die Schätze eifern, umso spannender ist es. Das vorgegebene Mindestalter von 8 Jahre halte ich für möglich, ich denke aber 10 wäre eine günstigere Wahl gewesen. Schließlich kann das Spiel sehr taktisch werden. 45 Minuten Zeit sind ein gutes Mittelmaß. Mit zwei Spielern schafft man es in gut 20 bis 30 Minuten zu spielen, ist man zu viert kann das auch gut 60 Minuten dauern.

 

Spielspass und Fazit

Ich besitze so viele Produkte von Queen Games, dass sie ein eigenes Regal füllen. Daher kann ich den Dieb von Bagdad sehr gut in die große Queen Games- Familie einreihen. Bei Der Dieb von Bagdad weicht Queen Games nicht vom gewohnten Standard ab und sie tun gut daran. Die Spielkomponenten schaffen eine gelungene Atmosphäre aus 1001 Nacht und sorgen für ein angenehmes Spielerlebnis. Kennern des gleichnamigen Films dürften in diesem Zusammenhang so einige Erinnerungen vorschweben. Somit sind auch der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Insgesamt ist festzuhalten, dass sich Aufmachung, Design, Spielidee und Konzept wunderbar ergänzen. Ein insgesamt empfehlenswertes Spiel, bei dem viel Freude und Spaß garantiert ist.

 

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Brettspiel:

Der Dieb von Bagdad

von Queen Games

ASIN: B000L95YXI

Spieler: 2 bis 4

Dauer: ca. 60 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

ASIN: B000KF0EHE

Erhältlich bei: Amazon

 

Spielmaterial:

 

  • 1 gefaltete Spielanleitung , vier Seiten „stark“
  • 1 Spielplan
  • 48 kleine Holzfiguren in den vier Spielerfarben, die Diebe
  • 24 größere Holzfiguren, je 4 in den vier Spielerfarben und 8 neutrale, schwarze Figuren
  • 102 Palastkarten
  • 8 Tänzerinnen-Karten
  • 24 Schatztruhen aus festem Karton

 


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zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50 | Users Online
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