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Blind Date von Franziska Gehm und Peter Glück

Rezension von Karin Sittenauer

 

„Was? Du bist noch zu Hause? Lina, in zehn Minuten sollst du beim Radiosender sein! Wenn du da nicht hingehst, rede ich nie wieder ein Wort mit dir.“

 

Lina wurde von ihrer besten Freundin beim örtlichen Radiosender zu einem Blind-Date-Gewinnspiel angemeldet. Und hat auch noch gewonnen. Von einer gewissen „Lady-Love“, der Expertin für Liebesglück und Seelenzusammenführung, wurden sie und ein gewisser Nik als Soulmates ausgewählt, als Seelenverwandte. Lina glaubt nicht mehr an Seelenverwandtschaft. Jetzt soll sie sich mit diesem Nik treffen und auch noch mit ihm ausgehen. Eisessen, Kino, Stadtbad und Pizzaessen. Dazwischen die Interviews im Radio. Dabei würde sie viel lieber noch im Bett liegen, Lesen, Musik hören oder einfach Faulenzen. Wer macht schon freiwillig bei so etwas mit? Na gut, denkt sie, dieser Nik ist offenbar solch ein Erbsenhirn, das sich für so etwas hergibt!

Als sie ihn dann im Studio zum ersten Mal sieht, stempelt sie ihn als eine Mischung aus Frodo und Gimli ab, mit straßenköterblonder Einsteinfrisur. Eine Nik-Null.

 

Nik sieht das ähnlich wie sie: er hat sich einzig und allein beim Blind-Date-Game angemeldet, weil er eine Wette gegen einen Freund verloren hat. Entsprechend muffelig geht er zum Radiostudio und zum ersten Treffen mit Lina. Die ganze Aktion ist ihm oberpeinlich! Dann verschläft er auch noch, hat keine Zeit sich zu waschen, umzuziehen und stolpert im Studio ausgerechnet dieser Lina vor die Füße. Dann steht sie auf und ist auch noch größer als er; feuerrote Haare, sportlicher Pferdeschwanz, sportliche Jacke, sportliche Stretchhose, sportliche Laufschuhe. Als hätte man sie direkt von einem Leichtathletik-Meeting hierher verfrachtet. – Viel, viel lieber würde er jetzt mit seiner Band für den anstehenden Auftritt üben oder ein paar neue Lieder schreiben.

 

Dennoch bleibt den Beiden nichts anderes übrig, als mitzuspielen und sich jeden Tag zu treffen. Nur, wie erklärt man dem anderen, dass man gar keinen Freund oder keine Freundin sucht, nachdem das Spiel nur diesen einen Grund gehabt hatte?

 

 

Der Roman „Blind Date“ beginnt spritzig und interessant. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Lina und von Nik geschrieben. Es macht Spaß, mitzuerleben, was die beiden über die gleichen Situationen denken, wie sie sie erleben und was sie fühlen. Auf diese Art kann sich der Leser auch sehr schnell mit den jeweiligen Ich-Erzählern identifizieren. Der lockere Ton und aktuelle Vergleiche (z.B. mit Herr-der-Ringe-Figuren wie Aragorn oder Gimli) sind gut auf Jugendliche abgestimmt und bringen zum Lachen.

 

Die besondere Stärke dieses Romans ist definitiv der Anfang. Er zieht sofort in die Handlung, ist humorvoll, ideenreich – endlich einmal etwas anderes, das wirklich Spaß macht zu lesen.

Leider wird dieses Tempo, dieser Witz nicht durchgehalten. Die neuen Ideen gehen aus und plötzlich liest man einen normalen Liebesroman. Das wäre kein Problem. Wer dieses Buch kauft, weiß, dass es um eine Liebesgeschichte geht und will eine solche lesen. Nur wird die Handlung zu vorhersehbar.

Nik besucht ein Mädchen im Krankenhaus und hat sie sehr gern. Ich will hier nichts verraten, nur mir war sofort klar, wie er zu dem Mädchen steht. Das hat man hundertfach in Filmen gesehen oder Büchern gelesen. Beim Lesen dachte ich noch: ich muss mich täuschen, den Autoren ist bestimmt etwas Besseres eingefallen. – Leider nicht, was ich sehr bedauerlich fand, denn dadurch war nicht nur der Schluss vorhersehbar, sondern sogar, wie es zu diesem Schluss kommt. Da bleibt nur die Hoffnung, dass zwölfjährige Leser vielleicht nicht sofort ahnen, welche Auflösung kommen wird. Nur, besser wäre sicher etwas Innovation gewesen. Vor allem, weil das erste Drittel des Buches wirklich gut ist.

Gestört hat mich auch die unwahrscheinliche Tatsache, dass ein Mädchen nach einer Blinddarmoperation zu Fuß vom Krankenhaus abgeholt wird, anstatt von einem Elternteil mit dem Auto gefahren zu werden. Das wirkte arg konstruiert, um die Handlung in die gewünschte Richtung zu drängen.

 

Wirklich bedauerlich finde ich die Coverabbildung. Als Leser/in macht man sich ein eigenes Bild der Protagonisten. Mit diesem Cover, das in keiner Weise den Beschreibungen der Protagonisten entspricht, wird einem ein Bild aufgezwungen. Da hilft fast nur: Augen zu und ab zum Text.

 

Trotz dieser Kritik halte ich „Blind Date“ für durchaus lesenswert. Eine nette Unterhaltung, etwas zum Lachen und zum Mitfühlen, das keinen Moment langweilt. Besonders gelungen ist der kapitelweise Wechsel von Lina zu Nik, von der Sicht des Mädchens zu der des Jungen.

Zwei verschiedene Erzählstimmen für zwei verschiedene Ich-Erzähler. Ein gelungenes Konzept. Eine schöne Liebesgeschichte.

 

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Blind Date

Autor: Franziska Gehm und Peter Glück

Broschiert: 188 Seiten

Verlag: Egmont Franz Schneider Verlag (Juli 2007)

ISBN-10: 3505123773

ISBN-13: 978-3505123771

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.10.2007, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59