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Wasserscheu von Markus K. Korb

Rezension von Christian Endres

 

Markus K. Korb ist in der deutschen Phantastik-Szene definitiv kein Unbekannter mehr. Darüber klärt uns auch Andreas Gruber in seinem üppigen Vorwort zum Band auf, ehe wir uns auf die erste, titelgebende Kurzgeschichte im schön aufgemachten Paperback aus dem Hause Atlantis stürzen.

 

Die Kerbe, in welche die zwölf Kalendergeschichten um Wasserscheu hauen, ist ebenso offensichtlich wie gewollt: Korbs ausgeprägte Affinität zur klassischen Schauerliteratur um den Jahrhundertwechsel sowie die Altmeister Poe und Lovecraft kommt trotz des limitierten Grundthemas schön zur Geltung. Dabei ist es wohl unvermeidbar, dass manch eine Geschichte automatisch an den gleichen Symptomen krankt wie schon die eine oder andere Story der Schauer-Titanen vergangener Dekaden: Auf dem Weg zur in der Regel gelungenen Pointe oder dem heftigen Schock-Effekt am Ende schleppt sich manch eine Erzählung so etwas träge oder schlichtweg zu detailverliebt ihrem Sahnehäubchen entgegen. Da hätte gelegentlich eine Straffung oder einfach ein ausschmückendes Detail weniger ganz gut getan – auch, wenn man dafür dann vielleicht ein wenig vom Stil der großen Vorbilder abgewichen wäre. Dafür wirken Korbs Settings im Querschnitt um einiges moderner, wenn er etwa Geo-Catching zum Aufhänger eines altbekannten Motivs macht und darum eine schöne Symbiose aus Trendsport und Rachegedanken spinnt. Doch diese Story ist zugleich exemplarisch für die ständige Ambivalenz von »Wasserscheu«: Moderne, aktuelle und zeitgenössische Hintergründe, die den klassischen Horror treffen, dabei aber zu oft an der antiquierten Ausdrucksweise kranken.

 

Wofür Korb allerdings nichts kann, ist das generell eher ungewöhnliche Gefühl, das sich einstellt, wenn Horror- und Schauergeschichten der Marke Poe und Lovecraft plötzlich mit deutschen Namen konfrontiert werden. Was sich sonst vornehmlich in Neuengland abspielt, das passiert nun plötzlich in der Nachbarschaft; wo vorher George und Steven zum Einsatz kamen, treten nun Sabine, Kurt und Volker nach vorn. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass auch die deutsche Heimat als Nährboden und atmosphärischer Hintergrund für Horror-Storys dienen kann. Das ist dann auch der Hauptverdienst von Korbs Sommer-Horror-Storys, die dem melancholischen Gefühl des ausklingenden Sommers noch eine traurig-schaurige Note hinzufügen und zudem ein gelungenes Gastspiel von Christine Guthann präsentieren.

 

In erster Linie ist »Wasserscheu« ein weiteres Stück Wegbereitung für Horror aus Deutschland, der auch in Deutschland spielt. Freilich haben heimische Badeseen oder Kleinstädte als Schauplatz für Horrorliteratur nach wie vor einigen Nachholbedarf – doch mit solchen Büchern ist man wohl auf dem richtigen Weg, um good old Germany weiterhin als ernstzunehmendes Setting für dunkle Phantastik zu etablieren. Darüber hinaus hält Korbs Sammlung alles in allem einige wirklich sehr gute, atmosphärische Horror-Kurzgeschichten mit starken Pointen bereit, die stets eine ordentliche Portion Grauen und Schauer auffahren und den ohnehin schon melancholischen Übergang vom Sommer zum Herbst mit mehr oder minder subtilen Schrecken füllen.

 

Ein bisschen mehr sprachliche Modernität und Eingeständigkeit hätten aus manch einer Story allerdings noch etwas mehr rauskitzeln können. Dennoch hat sich Korb mit dieser Sammlung den Sommer-Horror-Freischwimmer verdient und gerade Dank Geschichten wie Wasserscheu, Die perfekte Welle, Das Ding aus dem Weiher und vor allem Der Schnitter hinter den Reihen eine schaurig-schöne Lektüre für laue Spätsommerabende vorgelegt, in die man ruhig einmal reinlesen darf.

 

 

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Wasserscheu

Autor: Markus K. Korb

broschiert, 156 Seiten

Atlantis, erschienen Juni 2007

ISBN 978-3-936742-84-8

Titelbild und Illustrationen von Mark Freier

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.10.2007, zuletzt aktualisiert: 09.11.2018 15:20