Lucky Luke Gesamtausgabe Bd.12- 1969-1971

Rezension von Christoph Weidler

 

Mit Jesse James haben sich Morris und Goscinny, neben Billy the Kid, einen weiteren sehr bekannten Outlaw des Wilden Westen vorgenommen. Viele Legenden ranken sich um den angeblichen Robin Hood des Wilden Westen, der sich laut den phantasievollen Geschichten um seine Person die Reichen überfiel und mit der Beute Witwen und arme Farmer unterstützte. Historisch belegt ist aber das sich Jesse James zusammen mit seinem Bruder Frank James und ihrer Bande nach dem Sezessionskrieg als recht kaltblütiger Bande von Outlaws mauserten die Banken und Züge überfielen – aber nicht um damit irgendwelche Witwen und Waisen zu unterstützen sondern rein für die persönliche Geldgier. Morris und Goscinny setzen in ihrer Version eher auf eine Mischung aus den Legenden mit einem Hauch der wahren Geschichte, und so wird Jesse James hier zu einem Banditen mit zwar Robin Hood als persönliches Vorbild, und Frank James der ewig Shakespeare und Bibel zitierende Begleiter seines Bruders, aber auch hier haben sie gar nicht vor ihre Beute mit irgendwelchen armen Menschen zu teilen sondern wollen einfach nur als Banditen reich werden.

Köstlich mit welchen Humor Goscinny und Morris ihre Geschichte um Jesse James umsetzen, besondere Highlights hier sind die klischeehafte Umsetzung der Pinkertonagenten, welche trotz ihres sehr auffälligen Aussehen nicht begreifen können, dass die Leute sofort als Agenten der bekannten Pinkertonagentur erkennen. Ein gelungener Runinggag, welcher sich die ganze Geschichte zieht. Ebenso die Verwirrung für die das Prinzip „stehle es den Reichen und gebe es den Armen“ bei Jesse und Frank James sorgt, denn wenn man einen Reichen ausraubt und des dann einem Armen gibt ist der Reiche arm und der Arme reich, womit man wieder beim Anfang des Problems steht. Kurz entschlossen behalten sie die Beute für sich und ihre unaufhaltsame Karriere als berüchtigte Banditen des Wilden Westen beginnt – wäre da nicht Lucky Luke der trotz einiger Schwierigkeiten mit den Bewohnern sich dann doch entschließt den Banditen das Handwerk zu legen.

 

Der „Western Circus“ ist eine bis heute noch bekannte Institution aus der Zeit des Wilden Westen, zog er damals erst durch den Westen der USA um so den Bewohnern Unterhaltung und Exotik zu liefern, war der Erfolg bald so groß das er später über den großen Teich ging und in Europa das Feeling des Wilden Westen zu übermitteln. Als Beispiel sei hier nur die von William Cody (Buffalo Bill) auf die Beine gestellte Wildwestshow, die auch in Europa großen Erfolg erzielte.

Aber zurück zur Story von Morris und Goscinny, welche schon mit einem grandiosen Einstiegsbild beginnt – Jolly Jumper und Lucky Luke treffen mitten in der Prärie auf einen Elefanten! Das erste Mal das Jolly Jumper zitternd um seinen Verstand bangt, doch schnell klärt sich die Situation auf denn die beiden sind auf Andy den Elefanten und Attraktion von Captain Erasmus Mulligan Western Circus gestoßen. Der versoffene Zirkusdirektor kommt mit seiner kleinen Truppe aus New York und möchte eine Tournee durch den Wilden Westen machen. Ein großes Unterfangen, denn sind hier bisher nur Rodeos eine gefragte Abwechslung aus dem harten Leben im Westen der USA bekannt. Genau zu so einem Rodeo ist Luke eigentlich unterwegs, aber ihm ist klar das er die Greenhorns und ihr Zirkus nicht ihrem Schicksal überlassen kann und begleitet sie, zumal sie das gleiche Ziel haben: Fort Coyote, wo das große Zilch-Rodeo stattfindet. Dort angekommen treffen sie auf wenig Gegenliebe seitens des Rodeoveranstalter Zilch, dem kein Mittel zu schmutzig ist um die ungeliebten Konkurrenz nicht doch noch loszuwerden. Aber Zilch hat die Rechnung ohne Luke gemacht, ebenso ohne den versoffenen aber nicht dummen Zirkusdirektor Mulligan und seinen Elefanten Andy, welcher einen Hass auf den arroganten Zilch entwickelt hat – und Elefanten sind sehr nachtragend!

 

In der letzten Geschichte der Gesamtausgabe, „Der Apachen-Canyon“, wurde Luke vom Bundesministerium für Indianerangelegenheiten beauftragt herauszufinden warum es in der Gegend des Apachenterritoriums ständig Krieg herrscht und er gerät in eine Auseinandersetzung zwischen dem sturen irischen Colonel O’Nollan und dem ebenso sturen Apachenhäuptling Patronimo, welche sich beide gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Nach und nach findet Luke heraus, das auf beiden Seiten lang zurückliegende persönliche Schicksale der Grund für diesen Dauerzwist sind, und es kostet Luke viel Geduld, Köpfchen und großen Mut um sich gegen die beiden Sturköpfe durchzusetzen und den Krieg im Apachenterritorium zu beenden.

Eine interessant und gut umgesetzte Story mit stetigen Wandel der Begebenheiten und des öfteren wird Luke von den Apachen honigbeschmiert als Mahlzeit für die Ameisen zurückgelassen, aber auch Colonel O’Nollan macht Luke das Leben nicht einfacher.

 

Insgesamt ist diese Gesamtausgabe wieder eine gelungene und gut gemischte Zusammenstellung von Lukes Abenteuer, wobei er hier besonders Jolly Jumpers Vielfalt wieder einmal überrascht. Sieht man ihn in „Jesse James“ noch Schach spielen, dann beim „Western Circus“ bei der Darbietung artistischer Kunststücke, so überrascht er bei „Der Apachen-Canyon“ als Bäume kletternder Retter in der Not steht auch jedem Jagdhund bei dem Aufspüren von Jagdbeute nichts nach. Dabei verliert Jolly Jumper nie sein Humor und hat immer einen lockerer Spruch parat. Was für einen besseren Begleiter kann sich ein Lonesome Cowboy vorstellen?

Band 12 der Lucky Luke Gesamtausgabe passt sich perfekt in diese großartige Reihe ein und ist durch die Zusammenstellung, Aufmachung und wunderbaren Hintergrundinformation ein weiteres gelungenes Band dieser Reihe.

 

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zuletzt aktualisiert: 17.08.2020 17:41 | Users Online
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