Tribun

Rezension von Stefan Glaubitz

 

Verneigt euch vor dem Tribun, ihr Bürger Roms. Ob reich, ob arm, ob stark, ob schwach, ob Patrizier oder Plebejer, hört die Worte eures Tribuns! Denn er ist einer von euch, er isst euer Brot, trinkt euer Wasser, führt euer Schwert und lebt euer Leben. Er ist derjenige, der euch leitet und der von euch geleitet wird. Er ist wie ihr, doch er ist euer Tribun – er ist der PRIMUS INTER PARES, der Erste unter Gleichen!

Versucht euren Einfluss auf die Fraktionen Roms geltend zu machen, und erreicht eure ehrgeizigen Ziele vor euren Kontrahenten. Wer wird die Legionen auf seine Seite ziehen, wer wird mit Lorbeerkränzen geehrt, wer wird die Gunst der Götter erhalten und wer wird gar zum Tribun ernannt? Macht euch bereit, eure Gefolgsleute in die Straßen Roms zu senden, um einflussreiche Verbündete zu gewinnen – Es wird Zeit, Geschichte zu schreiben…

 

Spielziel

 

Zu Begin einer Partie „Tribun“ wählen die Spieler eine der beiliegenden Siegbedingungskarten oder ziehen sie zufällig. Auf dieser Karte sind die Siegbedingungen abgedruckt und auch wie viele von ihnen zu erfüllen sind. Dabei muss man noch unterscheiden zwischen Zielen, aus denen man auswählen kann, welche von ihnen man erfüllt und zwischen den Zielen die verpflichtend zu erfüllen sind. Wenn ein Spieler die Siebedingungen erfüllt hat, wird die Runde noch zu Ende gespielt, dann ist eine Partie „Tribun“ vorbei.

 

Aufmachung

 

Der Karton von „Tribun“ ist von quadratischer Form und sehr schön illustriert. Das lässt ihn besonders gut in jedes Regal einlagern, zum Anderen sieht er auch noch besonders gut aus. Außerdem bringt er noch ein gewisses Eigengewicht mit, was auf eine reichhaltige Anzahl von Spielkomponenten schließen lässt. Die Komponenten im Einzelnen sind:

 

  • 1 Regelwerk
  • 1 Spielplan
  • 100 Fraktionskarten
  • 26 Siegbedingungskarten
  • 10 sonstige Karten
  • 6 Tribun- / Schriftrollenplättchen
  • 6 Ewige Gunst der Götter Plättchen
  • 2 Temporäre Gunst der Götter Plättchen
  • 42 Fraktionsmarker
  • 60 Münzen
  • 30 Legionsmarker
  • 40 Lorbeerplättchen
  • 5 Familienbögen
  • 30 Spielfiguren
  • 1 Prokonsulfigur
  • 1 Startspielermünze
  • 2 Streitwagen

 

Wie vom Heidelberger Spieleverlag gewohnt, sind alle Komponenten von sehr guter Qualität. Der Spielplan sieht fantastisch aus und auch die Karten und Plättchen können sich sehen lassen. Besonders gut sind die Streitwagen geworden, die sich mit nur wenig Bastelaufwand zusammenbauen lassen. Auch die Innenaufteilung des Kartons ist sehr gut gelungen. Alles hat seinen festen Platz und nichts fliegt durcheinander. Spiele mit solch toller Ausstattung wie „Tribun“ machen einfach doppelt Spaß zu spielen.

 

Spielregeln

 

Die Spielanleitung von „Tribun“ ist 12 Seiten stark und passt vom Design perfekt zu den übrigen Spielkomponenten. Sie ist reichlich bebildert und mit Beispielen versehen, sodass den ungeduldigen Spieler nicht zu viel Lesearbeit erwartet. Allerdings sollte man die Spielregeln schon sehr genau lesen, da sich das Eine oder Andere nicht unbedingt beim ersten Lesen voll und ganz erschließt. Da ist ein geduldiges „Zweitstudium“ der Spielregeln angebracht, danach sollte dann aber auch alles verständlich sein. Besonders ist hier, dass das Regelwerk mit vielen Anmerkungen zum historischen Hintergrund zu den Plätzen, Gebäuden und Fraktionen versehen ist. Auch wenn das Regelwerk keine absolute historische Korrektheit wiedergeben will und kann, so ist dies doch ein tolles Bonbon, bei dem man sogar noch etwas lernen kann.

 

Spielverlauf

 

Die Vorbereitungen für eine Runde „Tribun“ sollten nicht zu lange dauern. Der Spielplan wird in die Mitte des Tisches gelegt und je ein Lorbeer wird auf die für ihn vorgesehenen Stellen auf dem Spielplan platziert. Die übrigen Lorbeermarker werden zur „Siegessäule“ gelegt. Die Münzen und Legionsmarker werden neben dem Spielfeld platziert, ebenso die Plättchen „Tribun/Schriftrolle“, „Ewige Gunst der Götter“, „Temporäre Gunst der Götter“ und der Streitwagen. Die Fraktionsmarker werden nach Fraktionen sortiert und auf die passenden Fraktionsfelder auf dem Spielplan gelegt. Dann wählen die Spieler jeweils eine Farbe und bekommen eine, von der Mitstreiterzahl abhängige, Anzahl von Spielfiguren ihrer Farbe. Dann erhalten sie noch ihren farblich passenden Familienbogen. Die Fraktionskarten werden gemischt und jeder Spieler bekommt sechs Karten ausgeteilt, von denen er zwei Karten wieder verdeckt ablegen muss. Die restlichen Karten behält er auf der Hand. Die abgeworfenen Karten werden mit den übrigen Fraktionskarten gemischt und bilden einen Nachziehstapel, der neben dem Spielplan platziert wird. Dann wird eine Siegbedingungskarte entweder verdeckt gezogen oder ausgewählt, von der jeder Spieler ein Pendant bekommt. Der Startspieler wird ermittelt, er bekommt die Startspielermünze und 12 Sesterzen (Münzen). Sein linker Nebenmann bekommt 13 Münzen, dessen linker Nebenmann 14, usw. Nachdem alle Spieler ihr Geld bekommen haben, kann es losgehen.

Eine Spielrunde durchläuft 6 Phasen bei denen sich die Spielerreihenfolge immer nach dem Startspieler richtet. Dies ist aber nur in der zweiten Phase von Wichtigkeit.

 

Phase 1: Karten auslegen

 

Auf dem Spielplan sind einige Felder, auf die in dieser Phase Karten vom Nachziehstapel platziert werden. Dabei gilt es zwischen den hellen und dunklen Kartenfeldern zu unterscheiden. Auf den hellen Feldern werden die Karten offen ausgelegt, während auf den dunklen Feldern die Fraktionskarten mit der Rückseite nach oben ausgelegt werden, man weiß also nicht vorher, welche Fraktion sich darunter verbirgt.

 

Phase 2: Spielfiguren setzen

 

In dieser Phase kommt nun die Reihenfolge der Spieler zum Tragen. Mit dem Startspieler beginnend setzen alle Spieler immer eine ihrer Figuren auf Figurenfelder entweder in einem Gebiet, einer Fraktion oder der Münzschale.

Setzt ein Spieler eine Figur auf ein Setzfeld, sichert er sich damit die dem Feld zugehörige Karte. Ausnahmen bilden hier das „Atrium Auctionorum“, bei dem die Karten erst mal mit der Rückseite nach oben liegen. Setzt ein Spieler seine Figur hier, dreht er zwei der drei Karten in diesem Gebiet um, sodass jeder sie sehen kann. Dies wird für Phase drei interessant, sollte nämlich ein weiterer Spieler das andere Feld des „Atrium Auctionorum“ besetzen, kommt es hier zu einer Auktion zwischen den beiden Spielern. Die andere Ausnahme bildet das Gebiet mit dem Namen „Pantheon“. Hier darf man seine Figur erst platzieren, wenn man den Fraktionsmarker der Vestalinnen besitzt.

 

Alternativ kann man seine Spielfigur auch auf eins der Setzfelder der Fraktionen stellen, denn nur so kann man versuchen, eine Fraktion zu übernehmen und einen der begehrten Fraktionsmarker bekommen. Jede Fraktion hat zwei Setzfelder und der erste Spieler, der eine Figur bei einer Fraktion platzieren will, stellt seine Figur auf das Setzfeld mit der „eins“. Plant ein weiterer Spieler in dieser Runde die Übernahme der gleichen Fraktion, muss er seine Spielfigur auf das Feld Nummer “zwei“ setzen. Diese Reihenfolge wird in Phase vier noch wichtig sein.

 

Benötigt man Bargeld, setzt man eine Figur auf das Feld der Münzschale. Hier können so viele Figuren platziert werden, wie die Spieler wollen, für jede hier platzierte Figur gibt es fünf Sesterzen. Die einzige Ausnahme bildet der Spieler, der als erster seine Figur platziert, der bekommt nämlich sogar sieben Sesterzen.

 

Phase 3: Gebiete auswerten

 

Nun ist es an der Zeit, dass die Spieler die Karten bekommen, die ihnen laut Phase drei zustehen. Jeder Spieler bekommt die Karten, auf denen sie ihre Figuren platziert haben. Dabei kann es sein, dass man einen geringen Betrag zahlen muss, oder einen höheren, das kommt immer ganz auf das Gebiet und Setzfeld an, auf dem man seine Figur platziert hat. Stehen zwei Figuren verschiedener Spieler im „Atrium Auctionorium“, kommt es nun zu einem Bietwettkampf. Beide Spieler nehmen verdeckt so viele Sesterzen in die Hand, wie sie für die drei hier ausliegenden Karten bieten wollen. Zeitgleich öffnen sie nun ihre Hände und der Spieler mit dem höheren Betrag bekommt die Karten. Der Verlierer bekommt das Geld, welches der Sieger geboten hat. Natürlich gibt es noch weitere Sondergebiete, wie zum Beispiel die „Katakomben“ oder die „Siegessäule“.

 

Phase 4: Fraktionen übernehmen

 

Nun, jetzt geht es ans Eingemachte. Nur wer Fraktionen übernimmt und dadurch einen Fraktionsmarker bekommt, kann am Ende gewinnen. Eine Fraktion zu übernehmen ist im Endeffekt nicht schwierig, aber die liebe Konkurrenz schläft leider nicht. Um eine Fraktion zu übernehmen, spielt man lediglich mindestens zwei Karten dieser Fraktion offen vor sich aus. Schon hat man sie übernommen und bekommt den begehrten Marker und kann in der nächsten Phase von ihrem Vorteil profitieren. Das gelingt so aber nur, wenn diese Fraktion noch niemand in Besitz genommen hat.

 

Hat die gewünschte Fraktion bereits ein anderer Spieler inne, muss man sie ihm abjagen. Das gelingt, indem man entweder mehr Fraktionskarten dieser Fraktion ausspielt, als der Gegner vor sich liegen hat, oder mit mindestens zwei Fraktionskarten über den Wert der Karten des momentanen Besitzers der Fraktion kommt. Auf diese beiden Arten und Weisen kann man also eine Fraktion übernehmen.

 

Das gelingt auch, wenn zwei Spieler im selben Zug versuchen, ein und dieselbe Fraktion zu übernehmen. Nun ist die Reihenfolge der auf die Setzfelder gestellten Figuren entscheidend. Es gelten weiterhin dieselben Bedingungen zum Übernehmen wie vorher, nur muss nun der Spieler, der seine Figur auf dem zweiten Setzfeld hat, zuerst seine Karten ausspielen. Übertrumpft er den vorherigen Besitzer, kann nun der Spieler mit der Spielfigur auf dem Setzfeld „eins“ versuchen, seinen Konkurrenten abermals zu übertrumpfen. Schafft er das nicht, kann er natürlich auch auf den Übernahmeversuch verzichten.

 

Phase 5: Fraktionsfähigkeiten nutzen

 

Nur wer eine Fraktion kontrolliert, kann seine Fähigkeit auch nutzen. Dabei sind die Vorteile wie die Fraktionen verschieden. Kontrolliert man zum Beispiel die „Senatoren“, bekommt man nun entweder das Schriftrollenplättchen oder man darf zwei Karten vom Nachziehstapel ziehen. Kontrolliert man die Patrizier, bekommt man die „Prokonsulfigur“, die man als zusätzliche Spielfigur in der nächsten Runde nutzen darf. Man sieht schon, die Fähigkeiten der einzelnen Fraktionen variieren, doch sollte man versuchen, während einer Partie „Tribun“ möglichst viele Fraktionen unter seine Kontrolle zu bringen.

 

Phase 6: Versteigerung des Streitwagens

 

Hier geht es nun darum, sich in einer Versteigerung den Streitwagen zu sichern. Diesen kann man nämlich dann auf eine seiner Fraktionen stellen und sie so in der nächsten Runde vor einer Übernahme zu schützen. Alle Spieler dürfen mitbieten. Dazu nehmen sie verdeckt den Betrag an Münzen in die Hand, den sie bieten wollen. Haben alle Mitstreiter gewählt, decken sie ihre Beträge auf. Der Spieler mit dem höchsten Betrag zahlt diesen an die Bank und stellt den Streitwagen auf eine eigene Fraktion, die er schützen will. Alle anderen Spieler behalten ihr Geld. Bei Gleichstand wird der Streitwagen für die nächste Runde neben den Spielplan gestellt.

 

Erfüllt ein Spieler zu irgendeiner Zeit die Siegbedingungen, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt, dann ist eine Partie „Tribun“ beendet.

 

Spielspass

 

„Tribun“ ist ein wirklich spannendes Spiel. Gerade die Möglichkeit, aus einer größeren Anzahl von Siegbedingungen nur einige erfüllen zu müssen, erhöht die Spannung jedes Mal aufs Neue und erlaubt es, immer wieder neue Strategien auszuprobieren. Dabei kommt das Miteinander auch nicht zu kurz. Sei es beim Bieten auf Karten oder bei der Auktion, bei der man direkt gegeneinander antritt, niemals hat man bei „Tribun“ das Gefühl, dass man nebeneinander her spielt. Auch der Glücksfaktor ist sehr begrenzt, auch wenn man manchmal schon die richtigen Karten ziehen muss. Allerdings hat man es geschafft, diesen Faktor bei „Tribun“ sehr zu minimieren!

 

Fazit

 

Hoher Spielspass, tolle Komponenten und eine lange Langzeitmotivation, mehr braucht es nicht, um „Tribun“ zu einem sehr guten Spiel zu machen. Zugegeben, das Regelwerk kann beim ersten Lesen Schwierigkeiten bereiten, muss es aber nicht zwangsläufig. Sollte es das doch tun, liest man es einfach ein zweites Mal, danach sollte aber alles verstanden sein. Strategen und Taktikern, wie aber auch jedem anderen Spieler, kann ich „Tribun“ sehr ans Herz legen und auf Grund jeglichen Fehlens von Mord und Totschlag ist dieses Spiel absolut weihnachtsbaumtauglich!

 

 

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Brettspiel:

Tribun

Heidelberger Spieleverlag, 2007

Autor: Karl-Heinz Schmiel

Spielerzahl: 2 - 5

Spieldauer: 60 - 90 Minuten

Mindestalter: ab 12 Jahre

ASIN: B000VBMV46

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Inhalt:

 

  • 1 Regelwerk
  • 1 Spielplan
  • 110 Karten
  • 26 Szenarien
  • 54 Plättchen
  • 42 Fraktionen
  • 60 Münzen
  • 30 Legionen
  • 5 Familien
  • 30 Spielfiguren
  • 1 Prokonsul
  • 1 Holzmünze
  • 2 Streitwagen

 


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zuletzt aktualisiert: 02.03.2016 11:40 | Users Online
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