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Die letzte Stunde von John Matthews

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Lawrence Tyler Durrant hat sich und sein Leben längst aufgegeben, als der junge Strafverteidiger Jac McElroy seinen Fall annimmt. 47 Tage bleiben dem siegeshungrigen Neuling, um Durrants Unschuld zu beweisen und ihn vor der nunmehr terminierten Hinrichtung zu bewahren. Allerdings ist die Beweislast enorm, und noch dazu hat der vermeintliche Attentäter auch schon ein schier unumstößliches Geständnis abgelegt. McElroy will sich damit aber nicht zufrieden geben; emsig stürzt er sich in die Biografie seines Klienten und arbeitet den Fall neu auf. Doch während er die ersten interessanten Hinweise für Durrants tatsächliche Unschuld aufstöbert, droht die Situation zu entgleisen. Zunächst weigert sich der Klient vor lauter Resignation zu einer angemessenen Kooperation, dann muss der Verteidiger plötzlich auch noch um sein eigenes Leben fürchten. Je tiefer er in den Fall eindringt, desto schmutziger sind die Verstrickungen. Doch McElroy ist von der Unschuld seines Mandanten überzeugt und von dem Willen besessen, seinen ersten ernsthaften Prozess siegreich zu bestreiten. Sein größtes Problem jedoch: 47 Tage scheinen für eine detaillierte Aufarbeitung der Fakten definitiv zu wenig…

 

 

Rezension:

Er ist sicher kein unbeschriebenes Blatt mehr, und dennoch stand John Matthews bislang immerzu im Schatten der namhaften Kollegen, möglicherweise auch, weil der Autor sich stilistisch bislang die gesamte Bandbreite genehmigt hat und in seinen Thriller-Werken doch stellenweise sehr weit reichende Kost bearbeitete. Mit „Die letzte Stunde“ beschreibt er nun Pfade, die vor ihm in dieser Eleganz lediglich ein John Grisham beschreiten durfte, welche von Matthews aber mit noch mehr Leben gefüllt werden als die letzten meisterlichen Werke des Justizliteraten.

Dabei sind es gerade Grishams alte Strukturen, derer sich Matthews hier phasenweise bemächtigt, und die er sehr konzentriert und ambitioniert für seinen aktuellen Plot aufgliedert. Emotionale Sperrgebiete wie Resignation, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung spielen dabei eine wesentliche Rolle und kleiden den nüchternen Justiz- und bisweilen auch politisch motivierten Thriller spürbar auf, fügen ihm aber andererseits eine bissige, mitunter auch sehr ironische Note hinzu. Dies gelingt dem Autor am Besten in der Darstellung der angeklagten Hauptfigur Lawrence Durrant, einem Eigenbrödler, dem in der jüngsten Vergangenheit scheinbar so viel Ungerechtigkeit widerfahren ist, dass er womöglich selber nicht mehr kritisch beurteilen kann, ob er nun tatsächlich schuldig ist. Sein Todeswunsch erschwert die Ermittlungen ungemein, aber auch die krude, undurchsichtige Vorgeschichte scheint ausweglos und unglaublich heftig verzettelt, liefert zunächst keine brauchbaren Anhaltspunkte und hinterlässt nur Fragmente von Bedrohungen, Unwegsamkeiten und verworrenen Zusammenhängen.

Auf der anderen Seite mausert sich natürlich der Widerstand der Regierung, die Durrant schnellstmöglich tot sehen möchte. Der Fall ist durch, ein Aufschub, geschweige denn eine Freisprechung könnte aus Prinzip nicht mehr geduldet werden, ebenso wenig eine penetrante Spürnase wie McElroy, die sich nach Meinung nicht gerade weniger viel zu wichtig nimmt und dementsprechend auch schnell in die Schusslinie gerät – sowohl in die der Staatsanwaltschaft, als auch in die finsteren Gestalten, die nachträglich in den seltsamen Prozess mit eingebunden werden. Und bevor McElroy sich versieht, beginnt ein Hauen und Stechen, das ihm körperlich und mental alles abverlangt, gleichermaßen aber auch dem Leser, der hier mit einer Reihe von Lügengeschichten und intriganten Verstrickungen konfrontiert wird, die fast schon so hart wind wie die wahren Begebenheiten aus Grishams „Der Gefangene“. Mehr Worte bedarf es eigentlich auch nicht, um ein Urteil über Matthews’ neuen Roman zu fällen; schließlich könnte der Mann in diesem Fall kaum bessere Referenzen bekommen als den eigenwilligen Bestseller des unangefochtenen, aber hier von starker Konkurrenz umlagerten Starautor im literarischen Gerichtsmetier.

 

Fazit:

Mit „Die letzte Stunde“ sollte John Matthews endlich der ganz große Coup gelingen. Stilistisch und inhaltlich ist sein aktueller Thriller fantastisch, in Sachen Komplexität unterdessen eine der besten Justizgeschichten seit langer Zeit. Daher kann man sich den Urteilen der renommierten Fachpresse auch nur bedingungslos anschließen: Wenn jemand auf dieser Ebene den Biss eines Grisham für seine Zwecke importieren kann, dann zweifelsohne Matthews in diesem genialen Roman.

 

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Die letzte Stunde

Autor: John Matthews

Broschiert: 574 Seiten

Verlag: Goldmann (Juni 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442452988

ISBN-13: 978-3442452989

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.07.2008, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27