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S.T.A.L.K.E.R. - Clear Sky (PC)

Rezension von Cronn

 

Während die Schatten länger werden, steige ich mit vorgehaltener Maschinenpistole in das Tal hinab. Das Dorf liegt friedlich da, so scheint es zumindest. Aber ich bin nicht zum ersten Mal in der sogenannten Zone und daher weiß ich, dass Frieden hier zumeist ein Trugschluss ist. Frieden ist nur die kurze Feuerpause zwischen zwei Schusswechseln!

Am anderen Ende des Tals jagen sich mutierte Genhunde. Denen möchte ich nicht nahe kommen und schlage daher einen Weg parallel zu ihren Laufwegen ein, der mich auf einen Wasserturm zuführt, wie er im Osten Europas häufig anzutreffen ist. Doch das hier ist nicht einfach der Osten Europas, das hier ist die Gefahrenzone rund um den explodierten Atomreaktor von Tschernobyl.

Die Sonne versinkt mehr und mehr hinter der tieffliegenden, dichten Wolkendecke und mir wird etwas mulmig dabei, wenn ich bedenke, was alles im Schutz der Dunkelheit auf mich warten kann, sobald ich die leerstehenden Häuser des Dorfes einer genaueren Betrachtung unterziehen werde.

Aber zunächst verschaffe ich mir einen Überblick vom Turm aus. Schnell bin ich dort angekommen, umgehe eine Anomalie und erklettere das Innere des Turms. Ein Lagerfeuer brennt noch dort. Offensichtlich haben sich ein paar andere Stalker erst kurz vorher hier aufgehalten. Doch wohin sind sie verschwunden?

Auf der ersten Turmebene finde ich einen von ihnen. Er liegt tot auf den Brettern. Die fransigen Wundränder lassen auf wilde Tiere schließen.

Und da sind sie auch schon!

Unter mir bellt ein Rudel Genhunde und rennt ständig aus dem Turm raus, in den Turm rein. Ich ziehe meine Pistole und lege an. Einen nach dem anderen erlege ich von meiner erhöhten und sicheren Position aus, während draußen die Finsternis sich über das schlafende Dorf senkt.

Als alle Hunde erlegt sind, wende ich mich nach oben zur Beobachtungsplattform. Dort angekommen spähe ich mit dem Feldstecher über das Tal, zähle die Lagerfeuer in der Ferne und die Häuser in der Nähe. Es sieht so aus, als wäre ich zumindest die nächsten fünfhundert Meter noch tatsächlich der einzige Stalker hier in der Gegend.

Unten angekommen erwischt mich der Schlag voll im Gesicht. Kratzspuren! Ein unsichtbarer Gegner hämmert auf mich ein – das kann nur eines der nachtaktiven Tentakelwesen sein, der Bloodsucker!

Tatsächlich – im Schein des Lagerfeuers ist er schwer zu erkennen, da dessen Wabern sein Profil überlagert. Jetzt sehe ich ihn und voller Wut zerre ich mein Sturmgewehr aus der Halterung auf dem Rücken. Meine mehr oder weniger ungezielten Salven stanzen breite Löcher in die Holztür, richten aber ansonsten keinen Schaden an. Ich renne hinaus in die Nacht, erfüllt mit Panik.

Hinter mir hetzt der Bloodsucker über das Gras. Wir springen über zerfallene Holzzäune und Steingräben hinein in ein nachtschwarzes Haus. Drinnen werfe ich mich nach rechts in ein Zimmer und rolle herum. Meine Mündung ist auf den heranstürmenden Bloodsucker gerichtet. Die Salve erwischt ihn mit ganzer Kraft, wirft das Wesen nach hinten weg. Blutspritzer sprenkeln die Wände.

Ich stehe auf und gebe ihm breitbeinig über ihm stehend den Rest.

Wieder einer weniger. Doch wie viele warten noch hier in der Dunkelheit auf mich?

 

„Stalker – Clear Sky“ ist der neueste Streich von GSC Gameworld, der ukrainischen Spiele-Entwickler, die mich dem Vorgänger „Stalker“ eines der interessantesten Mixtur-Spiele aus Rollenspiel und Ego-Shooter geschaffen haben.

„Stalker – Clear Sky“ ist aber kein Nachfolger im wörtlichen Sinn, sondern bildet vom Inhalt her ein Prequel, erzählt also die Vorgeschichte von „Stalker“.

Hierzulande hat die Koch Media GmbH den Vertrieb von „Stalker – Clear Sky“ übernommen.

 

Hintergrund:

Der reale Atomreaktor Tschernobyl bildet den Ausgangspunkt für die Erlebnisse in „Stalker – Clear Sky“. Im Spiel ist er erneut explodiert und es bilden sich sogenannte Zonen rund um den Reaktor aus, wo die Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind.

Mutierte Wesen und Anomalien gefährden das Leben hier in der Zone, aber es sind dennoch Glücksritter, die Stalker, darin unterwegs, um Artefakte zu finden, mysteriöse Gegenstände, die in Anomalien „geboren“ werden.

Man selbst ist einer der Stalker, genannt „Narbe“. Narbe überlebt verletzt die normalerweise tödlichen Emissionen des Reaktors, wird von einer Fraktion namens „Clear Sky“ gepflegt und mit dem Auftrag hineingeschickt einen anderen Stalker namens „Strelok“ auszuschalten. Dieser sei für die Emissionen verantwortlich, die nach und nach das Gehirn von Narbe mehr und mehr aufweichen. Besiegen wir Strelok ist damit auch unser Schicksal in guten Händen.

 

Steuerung und Spielkonzept:

Die meiste Zeit ist man damit beschäftigt für die verschiedenen Fraktionen in der Zone rund um den Reaktor Aufträge auszuführen. In ähnlicher Weise gab es das schon beim Vorgänger „Stalker“, wurde hier aber noch weiter ausgebaut. Leider ist man gerade anfangs im Sumpflevel etwas überfordert damit, da man von Ort zu Ort hetzt, um Angriffe abzuwehren, um oftmals festzustellen, dass diese schon erledigt wurden, kurz bevor man ankommt. Doch das wirkt umso realistischer, wenn man ehrlich ist. Wer zu spät kommt, den bestraft halt das Leben.

Ansonsten hat sich am Spielkonzept nichts Grundlegendes verändert. Man ist immer noch in Egoperspektive unterwegs, sammelt Gegenstände und verstaut sie im Rucksack, rüstet rollenspiel-typisch seine Ausrüstung auf, d.h. Schutzwesten, Sturmgewehre und so weiter. Letztere darf man sogar bei speziellen Waffentechnikern modifizieren. Eine gelungene Sache. Dafür braucht man aber, wie so oft, genügend Geld. Dies erhält man für Sondereinsätze neben der Hauptstorylinie.

Überhaupt sind die Einsätze sehr schön designt, was nicht nur für die Hauptquest gilt. Stets wirkt es überzeugend, dass man als Hauptakteur in einer episch anmutenden Story unterwegs ist. Das macht Spaß und motiviert zum Weiterspielen.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von „Stalker – Clear Sky“ ist eine Pracht. Auch wenn sie knapp am Genrethron vorbeischrammt, ist sie dank der vielfältigen Unterstützung von DirectX10-Features eine Augenweide.

Was besonders gut zur Geltung kommt, sind die detaillierten Texturen, die hohe Weitsicht in den Außenlevels und der stufenlose Tag/Nachtwechsel. Gerade letzterer hat es in sich. Wer noch nie ihn erlebt hat, kann das nicht nachvollziehen. Aber wer schon einmal in stockfinsterer Nacht durch den Sumpf hetzt, umgeben und gejagt von Wildhunden oder Bloodsuckers, der weiß wovon gesprochen wird.

Die Features der Grafikengine aufzuzählen bringt nichts, allein die Tatsache zählt, dass „Stalker – Clear Sky“ eine Vielzahl von Elementen in sich birgt, die für grafische Brillanz sprechen. Die hohe Dichte an Levelobjekten macht darüber hinaus den Grad an gefühlter Echtheit spürbar. „Stalker – Clear Sky“ ist eines der atmosphärischten Spiele des Herbstes.

Im Bereich Sound wurde wiederum auf die Sounddateien von „Stalker“ zurückgegriffen. Aber diesmal klingen die Waffen noch einen Tick „echter“, ebenso wie die Umgebungsgeräusche.

 

Multiplayer:

„Stalker – Clear Sky“ ist eigentlich ein Solo-Spielerlebnis. Dennoch bringt das Spiel einen Multiplayer-Part mit sich. Dieser wirkt jedoch nicht genauso überzeugend wie der Rest des Spiels und bietet lediglich bekannte Varianten.

Dennoch eine nette Dreingabe, die auf LAN-Parties Spaß machen kann.

 

Fazit:

„Stalker – Clear Sky“ ist ein Spiel, das zur Zeit in Punkto Immersion seinesgleichen sucht. Die Atmosphäre ist einfach umwerfend und man fühlt sich sofort in die Zone hineingesogen. Die Spielinhalte sind ausgeglichen präsentiert, die Grafik und der Sound sind grandios gelungen und auch das Balancing stimmt. An der KI sollte noch hier und da nachgebessert werden, da die Gegner manchmal ein wenig leblos und hilflos wirken bei Beschuss.

Dies ist aber von Vorteil, denn „Stalker – Clear Sky“ ist ein sehr schweres Spiel, bei dem man ständig am Rande des Verblutens dahinkriecht. Aber wer hat gesagt, dass die Zone ein Kinderspielplatz ist?

Also dann – Sturmgewehr geschultert und ab in die virtuelle Zone rund um Tschernobyl!

 

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S.T.A.L.K.E.R. - Clear Sky

von Koch Media GmbH

Plattform: Windows Vista / XP

USK-Einstufung: Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG

ASIN: B001BTPRI4

Technische Details:

 

  • PIV 2Ghz CPU
  • 512MB RAM
  • 10000MB HD
  • 3-D-Karte

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 23.10.2008, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50