City of light von Philip Steele

Hörbuch gelesen von Ben Becker

 

Rezension von Chris Schlicht

 

Rezension:

Das wahre Leben schreibt Geschichten, wie sie sich mancher Autor nicht spannender und mitreißender ausdenken kann. So enthalten auch die letzten Monate des Leadsängers der Doors alle Elemente, die man einem spannungsgeladenen Roman verleihen kann. Liebe, Eifersucht, Drogenrausch und sexuelle Ekstase und das unglückliche Ableben der Protagonisten.

 

Die Geschichte ist in drei Teilen erzählt.

 

Unter dem Titel „Rimbaud: Wiedergeboren“ kehren Jim und seine Verlobte Pamela Courson Amerika den Rücken und gehen nach Paris. Dort soll sich Jim, vom Drogenkonsum gezeichnet und gesundheitlich geschwächt, erholen und ganz anderen Dingen widmen. Der Poesie und dem Filmemachen. Sie können die riesige Altbauwohnung eines befreundeten Models benutzen und für eine Weile wirkt es, als könnte sich Jim an dieses neue Leben gewöhnen. Dann jedoch zerfrisst ihn die Eifersucht, denn Pamela geht eigene Wege und ist in einen französischen Aristokraten verschossen, der sie auch reichlich mit Drogen versorgt. Jim selbst ist soweit runter von den harten Drogen, aber seine Eifersucht treibt ihn zu Saufgelagen.

 

Der 2. Teil „Nirgendwo eine Oase“ beschreibt die Flucht vor dem Wetter in Paris, indem sie mit einem Mietwagen durch Spanien fahren und auch mit der Fähre nach Nordafrika übersetzen. Doch anstatt für sich zu bleiben und die Zeit zu genießen, überredet ihn Pamela zu einem Besuch bei einem Bekannten – Dem Multimillionär Jean-Paul Getty II, dem Erben der Öldynastie, der mit seiner Frau, dem in Indonesien geborenen Top-Model Talitha Pol in Tanger residiert. Auch Getty ist der Lebenslust des Müßiggangs verfallen und seine Frau Talitha regt in Jim mehr als nur die Lust auf einen Joint an, was Pamela zur Eifersucht bringt.

 

„Der letzte Tango“ ist der Schluss, in jeder Hinsicht. Die beiden kehren nach Paris zurück, ohne zu wissen, was sie eigentlich in Nordafrika gesucht hatten. Während sich Pamela wieder ihren Freunde zuwendet und sich stolz auf eigene Füße zu stellen sucht, indem sie ihre eigenen Modekollektionen entwirft, die breite Beachtung finden, vergnügt sich Jim mit einer Studentin. Als er die Anpressung des letzten „Doors“-Album bekommt und erfährt, dass der Titelsong bereits in den Charts ganz oben ist, zerreißt es ihn förmlich. Einerseits will er in den Staaten den Erfolg weiter voran treiben und auch eine Rock-Oper schreiben, andererseits wird ihm schmerzlich bewusst, wie tief er schon gesunken ist. Mit Pamelas Koks und viel Hochprozentigen wird sein Ende in der Badewanne eingeläutet.

 

Er findet seine letzte Ruhe auf dem Pére Lachaise-Friedhof in Paris, nahe dem von ihm verehrten Oscar Wilde und vielen anderen Prominenten. Folgt Janis Joplin und Jimi Hendrix. Seine Verlobte stirbt ebenfalls an Drogen, ebenso wie – gerade mal dreißigjährig - Talitha Getty.

 

 

Sex and drugs and Rock’n’roll. Eine Zeit, über die wir nicht allzu viel wissen, wir, die Generation die danach kam und von einigen Freiheiten profitieren dürfen, die sich die Jugend in den 60ern damals nahm. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt und für viele wurden damals die City Lights zum trügerischen Irrlicht, in dem sie sich verloren und für die sie teuer zahlen mussten. Freiheiten kann man auch missbrauchen und manche Dinge einfach nicht kontrollieren. Die Mystifizierung, die nach dem Tod der Stars stattfindet, hilft ihnen nicht mehr.

 

Philip Steele beschreibt die letzten Monate des „Lizard Kings“ nüchtern, soweit man alles nach den bekannten Fakten nachvollziehen kann und doch ergreifend und lebendig. Morrisons Tod bleibt wohl für immer ein Rätsel, die genauen Abläufe nimmt er mit ins Grab, doch die Version Steeles ist glaubwürdig und einfühlsam.

 

Zusätzlich wird das Hörbuch durch die Stimme von Ben Becker ein echter Hörgenuss, ergänzt durch die Lesung von Jim Morrisons Poesie durch den Autor Steele selbst. Beckers einschmeichelnde, raue Stimme passt perfekt zu dieser Beschreibung einer wilden Zeit (die er selbst auch nur als Kind mitverfolgen konnte) und bringt dem Hörer das Lebensgefühl Anfang der 70er ins Gespür.

 

Das Hörbuch endet mit dem Lied „City of light“ von Philip Steele, das eine sehr gelungene Hommage an die Musik der Doors und ihren charismatischen Sänger ist.

 

Fazit:

Biografie einmal anders. So kann man sich sogar für die Lebensgeschichte eines Anderen begeistern, wenn man keine Lust auf trockene Historie hat.

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Hörbuch:

City of light

Die letzten Tage des Jim Morrison

Autor: Philip Steele

Gelesen von Ben Becker

Deutsche Grammophon Literatur / Universal, 2008

Hörbuch, 3 CDs

Laufzeit 235 Minuten

 

ISBN-10: 3829121210

ISBN-13: 978-3829121217

 

Erhältlich bei Amazon

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zuletzt aktualisiert: 18.02.2016 10:25 | Users Online
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