Der Gott der Klinge von Joe R. Lansdale

Rezension von Christian Endres

 

Krimi, Horror, Dark Fantasy, TV-Folgen zu Batman Animated - Joe R. Lansdale ist ein immens vielseitiger Autor. Sogar Comics hat der Texaner geschrieben, zuletzt die Neuauflage der Comic-Adaption von Robert E. Howards »Tauben aus der Hölle« beim US-Verlag Dark Horse. Und wir alle erinnern uns an Bubba Hotep mit einem großartig aufgelegten Bruce Campbell als in die Jahre gekommener Elvis, der sich mit einer ägyptischen Mumie anlegt, die in einem Altenheim wütet. Richtig: Die Vorlage zum Film stammt ebenfalls von Lansdale.

 

Nun beginnt der auflagenstarke »Mainstream« auch hierzulande, Lansdale für sich zu entdecken, und so erscheint nach Veröffentlichungen bei Shayol und rororo ein erster Lansdale bei Heyne (eine überarbeitete Neuauflage von »Nightrunners«, 1998 bei eben rororo bzw. 1987/2007 im Original erschienen). Die Struktur des Taschenbuchs erinnert dabei an Richard Mathesons (dem Lansdale in der dritten Story witzigerweise seinen Dank ausspricht) Vampirklassiker »Ich bin Legende«, Ende 2007 ebenfalls bei Heyne wiederveröffentlicht. Denn zum eigentlichen Kurzroman Nightrunners gesellen sich sechs weitere Kurzgeschichten aus Lansdales Feder, angesiedelt zwischen Thriller und Horror der Marke Clive Barker. Seinen Anfang nimmt die Geschichte um den Gott der Klinge allerdings mit einem sympathischen Vorwort des Autors, der kurz die Werkgeschichte erläutert (wie später auch zu jeder Kurzgeschichte), und einer Einleitung von Dean Koontz. Und dann geht es auch schon los: Mit einem schwarzen Chevy, der wie ein Hai über die Landstraße brettert und seine Insassen durch die Dunkelheit trägt...

 

Lansdales gewaltfreudige Entgleisungen sind packend, die spannende Story geht unter die Haut, die Atmosphäre ist klasse und elektrisierend. Auch Lansdales Gott der Klinge hat etwas, erinnert an die richtig guten Werke des frühen Clive Barker. Wirklich brillieren kann Lansdale aber, wenn er uns in die Leben »normaler Menschen« blicken lässt, wenn er die Routine und Mechanismen des Alltags beschreibt. Hier wird deutlich, was für ein feiner Beobachter der Texaner ist. Toll auch, wie er mit wenigen Sätzen plastische Charaktere schafft, die der Story an der richtigen Stelle einen Kick geben. Auch das Finale muss hervorgehoben werden – ein perfekt getimter Endkampf, der einen sauberen Schlussstrich zieht. Für Romane dieser Art keine Selbstverständlichkeit.

 

Lansdales Frühwerk mit scharfen Klingen und Ausrufen, einer Vergewaltigung und menschenverachtender Gewaltbereitschaft und Besessenheit passt gut zum Hardcore-Label – womit sich auch gleich die einzige Schwäche von Nightrunners offenbart. Denn wie schon Koontz im Vorwort richtig feststellt, schlägt Lansdale hier und da auf eine Art und Weise über die Stränge, die der Geschichte nicht dienlich ist. Davon abgesehen ist der Kurzroman spannend bis zum buchstäblichen Ende.

 

Die Kurzgeschichte ist seine eigentliche Lieblingsdisziplin, wie Joe R. Lansdale im Vorwort sagt – den Beweis liefert »Der Gott der Klinge« gleich mit: Die zum Abschluss versammelten Storys sind eine schöne, wenn auch blutige Abrundung und drehen sich mit einer Ausnahme allesamt um den Gott der Klinge und tragen zu Lansdales ›dunkler Mythologie der Rasierklinge‹ bei. In ihnen zeigt sich abermals Lansdales Gespür für großartige Metaphern, die seinen Geschichten eine angenehm lyrische Note verpassen, und das Instant-Erschaffen von plastischen Charakteren.

 

Ein rasiermesserscharfer Lansdale-Einstand bei Heyne, dem gerne mehr folgen darf.

 

 

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Der Gott der Klinge

von Joe R. Lansdale

Taschenbuch, 400 Seiten

Heyne, Dezember 2008

Heyne Hardcore

ISBN: 3453675576

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 30.04.2019 14:17 | Users Online
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